Stumm und ergriffen saßen sie beide sich gegenüber und schauten sich an. Niit sprach als erste wieder: Wenn du eben das Gleiche gespürt hast wie ich, dann ist der Stein offenbar der Meinung, dass wir zusammengehören.
Kann ein magischer Stein eine eigene Meinung haben, oder verstärkt er nur unsere eigenen Gefühle?
Egal. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es war einfach schön. Ich laufe schon aus, so nass bin ich, ich will dich und zwar jetzt!
Darf ich dann einen Wunsch äußern?
Wünschen darfst du alles, ich entscheide dann, ob ich ihn erfüllen kann.
Ich möchte es ganz langsam und zärtlich, kein wilder Sex wie gestern. Diese Erlebnis eben war so schön, ich will diese Vereinigung jetzt körperlich spüren.
Du sprichst mir aus der Seele, mein Liebling. Genau das fühle ich auch. Ob wir es riskieren können, gleichzeitig die geistige vollkommene Vereinigung nochmal herbeizuführen?
Das wäre das Größte. Lass es uns versuchen. Wenn ich in dir drin stecke, wecken wir die Sternensteine, ja?
Leg dich auf den Rücken, den Sternenstein lege ich in deinen Bauchnabel, Ich komme dann zu dir.
Niit schwang ihr Bein über Beat um sich rittlings über seinen Pfahl zu stülpen. Ganz langsam ließ sie ihn tief in sich eindringen,dann brachte sie ihren Sternenstein zum Leuchten. Beat konnte seinen Stein im Bauchnabel gerade noch sehen und es gelang ihm, das Licht auch dort zu entfachen. Hell leuchtete es nun aus seiner Mitte heraus und er schloss die Augen, legte den Kopf nach hinten und suchte mit seinen Gedanken nach Niit. Sie hatte die Augen auch geschlossen und ließ ihren Körper jetzt auf seinen sinken, dann suchte sie nach seinem Geist, dem blauen Abbild seiner Person. Da sie sich ohnehin schon so nah waren, ging die geistige Vereinigung ganz schnell, Niit war von dem Ansturm der Gefühle überwältigt und sie kam sofort. Beat aber spürte ihre Liebessäfte nicht, er war von dem Gefühl so gefangen, dass er nichts anders mehr fühlen konnte.
Eine halbe Ewigkeit bleiben sie so aufeinander liegen, dann fingen ihre Leiber einen langsamen Tanz an, der sich ganz langsam und graduell beschleunigte. Wieder spürte Beat die herrliche Gänsehaut auf Niits knackigem Hintern und dann kam die Vereinigung ihre Liebessäfte gleichzeitig, Die Geistige Vereinigung bestand noch, als Beats Stiel schon zusammengeschrumpft aus ihr herausglitt. Sie blieben in dieser Haltung noch eine Zeit lang aufeinander liegen und genossen das Gefühl, Eins zu sein, ein vollkommen geistiges Etwas, aber voller Liebe und Zuneigung. Niit war es wieder, die sich aus der Verbindung zuerst zurückzog, dann erst ließ Beat sich in die reale Welt zurückfallen. Die Decke unter ihnen hatte einen klatschnassen Fleck, so hatten sie ihre Säfte verspritzt, aber es machte ihnen nichts aus. Liebevoll schaute Niit Beat in die Augen und küsste ihn zärtlich. Phantastisch war alles, was sie sagen konnte.
Beat versuchte das Erlebte in Worte zu fassen. Mir ist jetzt, als würden wir uns schon ein Leben lang kennen. Ich kenne dein innerstes, du meins. Und ich habe zwischen uns etwas gespürt, das kann nur Liebe gewesen sein.
Liebe ist Magie. Wir sind jetzt durch das magische Band der Liebe verbunden, verstärkt duch die Kraft des Sternensteine. Ich kannte dieses Gefühl bisher auch noch nicht, Beat, aber ich weiss was es ist. Ich liebe dich. Ob wir wollen oder nicht, wir sind verbunden durch die Magie der Liebe.
Das muss es sein. Niit, ich liebe dich auch. Ich wusste nicht, dass Liebe so schön ist, aber ich habe es mir immer gewünscht.
Sie küssten sich wieder und streichelten sich gegenseitig. Niit unterbrach : Wir haben uns übrigenas zusärtzlich an einem magische Ort geliebt. Direkt unter uns ist etwas Magisches. Ich wüsste gern, was es ist.
Beat sagte: Ich möchte es nicht ausgraben. Vielleicht können wir es so feststellen. Lass uns nochmal die Kraft der Steinen koppeln und versuchen in die Tiefe zu schauen!
Du hast das Wesen der Magie schnell begriffen. Du musst ein Naturtalent sein.
Sie rollten di Decke zusammen und setzten sich einander gegenüber auf den blanken Bodenund nahmen ihre Steine wiedr zur Hand. Diesmal wird es schneller gehen, der Stein passt sich den Gedankenschwingungen an und stimmt sich auf den Träger ab.
Das blaue Leuchten war diesmal sofort da und sie schlossen gleichzeitig die Augen. Beat spürte die machtvolle Präsenz seiner Geliebten, die seinen Kraft verstärkte. Er sah mit seinen geschlossenen Augen jetzt alles viel klarer und heller als vorhin. Er sah in die Erde hinein, da war etwas, er sah Knochen ein Skelett! Hier war ein Grab, ein uralter Ort der Bestattung!
Niit hatte das Gleich gesehen und war erschrocken. Sie sprach direkt in Beats Geist, so wie er es von Iset her kannt und war deshalb auch nicht überrascht: Wir müssen die Göttin anrufen, ihr sagen, dass wir die Totenruhe nicht stören wollten und die Geister der Toten um Verzeihung bitten. Gib mir alles, was du an Kraft hast, ich bete jetzt zur Göttin, erschrick bitte nicht.
Niit, oder viekmehr Niits geistiges Abbild erhob sich und streckte beide Arme in die Höhe. Ihr Rud hallte in Beats Geist nach. Heilige Mutter erhöre uns!
Niit hatte zwar gesagt, Beat sollte nicht erschrecken, aber er fürchtete sich, als ein funkelnder Lichtschleier sich von den Seiten auf sie zu bewegte, sich konzentrierte und zu einem grellweißen Licht in Menschengestalt wurde. Beat erkannte die Gesichtszüge von Iset wieder, sofern das bei der Grelligkeit des Lichts möglich war. Eine körperlose Stimme ging von der Gestalt aus: Was tut ihr hier an diesem Heiligen Ort? Stört nicht die Ruhe der Toten!
Niits Geistkörper warf sich vor der weißen Gestalt auf den Boden Ich bitte um Vergebung, wir werden die Totenruhe nicht stören, sondern dem Toten die ihm zustehende Ehre erweisen. Wir sind hier wegen der Sternensteine, die in unserer Zeit dringender gebraucht werden als hier bei den Toten, und wir haben uns hier an magischer Stelle geliebt.
Wieder antwortete die körperlose Stimme: Steh auf, meine Tochter. Ihr habt recht getan. Eure Liebe wird gesegnet sein. Geht mit den Steinen in Frieden und versiegelt diesen Ort, damit kein Sterblicher die Ruhe meines Dieners stört. Mein Segen ist mit euch.
Ein Blitz, die weißleuchtende Gestalt war verschwunden und ihr Nachhall brannte wie ein Schwarzes Bild in ihren Köpfen. Niits Geist kehrte zurück in ihren Körper und sie weinte vor Ergriffenheit. Beat rückte näher an sie heran und sie nahmen sich in den Arm, drückten sich ganz fest aneinander. Die Göttin hat uns gesegnet, flüsterte sie. Wir sind gesegnet.
Beat konnte nicht sprechen, ihn hatte die Begegnung erschauern lassen und auch sein kritischer Verstand hatte ihn nicht davor bewahrt, davon ergriffen zu sein.
Es dauerte noch einige Momente, bis er wieder sprechen konnte. Ich habe die Göttin gesehen, sie war hier, bei uns und hat uns gesegnet!
Sie wendeten einander die Gesichter zu und begegneten sich in einem ganz vorsichtigen und zärtlichen Kuss, als ob sie sich scheuten, die Magie dieses Augenblicks zu stören. Beide hatten Tränen der Rührung in den Augen, als sie gemeinsam aufstanden, ihre Sachen packten und die Höhle verließen.
Sorgfältig erneuerte Niit die Schutzzauber, die das Finden der Höhle unmöglich machten, dann beluden sie die Pferde und ritten stumm nebeneinander her zum Iset-Tempel, dem Großen Haus der Iset, was der Name Hut-Iset in der Alten Sprache bedeutete.
Beide hingen sie der Erinnerung nach, was sie gerade erlebt hatten, würde für ihr ganzes weiteres Leben von entscheidender Bedeutung sein. Niit hatte die Worte Eure Liebe wird gesegnet sein richtig verstanden. Sie hatten hier an heiliger Stelle ein Kind gezeugt. Sie würde schwanger sein. Wieder liefen Tränen der Rührung aus ihren Augen.
Beat schaute sie an und sah sie weinen. Mein Liebling, was ist dir?
Ich freue mich so, antwortete sie stockend Du hast mir gerade ein Kind gemacht, und die Göttin selbst hat es gesegnet!
Wieso weißt du das?
Ich fühle es und die Göttin hat es gesagt: Unsere Liebe wird gesegnet sein. Das lässt doch keine andere Auslegung zu!
Es kommt überraschend für mich, plötzlich Vater zu werden. Wie geht es jetzt mit uns weiter?
Kommt Zeit, kommt Rat. Du machst dein Examen und kommst zurück. Ich warte auf dich.
Nun wo der Weg wieder breiter wurde, ritten sie ganz eng nebeneinander. Auch ohne Worte spürten sie das magische Band der Liebe, das sie verband und voll von Glücksgefühl ritten sie in den Hof ein, wo ein großer schwarzer Vogel sie krächzend begrüßte.
Hallo Krähe, sagte Niit lachend und winkte ihr zu.
Iset kam hinter einer Mauerecke hervor und plapperte los. Tante Niit, ich kann auch mit Vögeln sprechen. Diese Krähe hier ist so eine Art Anführerin und ich habe euch mit ihren Augen aus der Luft schon kommen sehen. Ich kann das, was ein Vogel gerade sieht, in meinen Geist holen und mir seine Augen zunutze machen!
Ist ja toll, antwortete Niit, Wer weiß, wozu das mal gut ist. Sag der Krähe, wenn sie Hunger hat, soll sie sich hinter der Küche bemerkbar machen, dann ist auch für sie was da. Ich sag den Mädchen bescheid, dass sie dann was rausstellen.
Danke Tante Niit, mach ich gleich. Die Krähe ließ sich mit elegantem Schwung auf Isets Schulter gleiten und saß da, mit erhobenem Kopf, dass man ihr den Stolz richtig ansehen konnte.
Sie ließen die Pferde in der Obhut der kleinen Novizin zurück, die sich um das Absatteln und das Abzäumen kümmerte und das Pferd anschließend versorgen würde. Niit trug ihren Bogen und ihre Tasche und suchte mit der anderen Hand die Beats.
Hand in Hand betraten sie das Haus, Niit stellte ihren Bogen in Beats Zimmer, welches ja nun ihre gemeinsame Bleibe war, ab und suchte dann mit Beat zusammen das Zimmer der Oberpriesterin auf. Unterwegs trafen sie Nefer-Neferet, die sie sofort bei ihrer Herrin anmelden wollte und diensteifrig vor ihnen herlief.
Iset rief sie sofort herein. Niit schilderte, was sie erlebt hatten und übergab Iset den Beutel mit den Sternensteinen und erwähnte auch, dass Beat schon mit einem Stein seine Erfahrungen gemacht hatte.
Und sonst habt ihr mir nichts zu sagen? fragte Iset
Wir hatten dort ein Erlebnis, das so ergreifend und großartig war, dass wir es erstmal für uns verarbeiten müssen antwortete Niit, die noch nicht bereit war, ihr Erlebnis mit jemandem zu teilen.
Doch Iset gab sich damit nicht zufrieden:Ich habe etwas gespürt, das Ka der Göttin hat sich gerührt in mir. Ich bitte dich, sag mir, was ihr gesehen habt.
Wir haben uns geliebt in der Höhle kam es jetzt zögernd von Niit zurück. es war über einem Ort der Magie, Energie ging von ihm aus. Ich wollte dort graben um die Energiequelle zu suchen, aber Beat hat mich daran gehindert, der Göttin sei Dank. Dann haben wir die Kraft unserer Sternensteine vereinigt und in den Boden gesehen; gesehen, dass dort ein Skelett lag und daraufhin habe ich die Göttin angerufen. Sie ist uns erschienen, sie hat uns gesagt, was zu tun ist, gesagt, dass unsere Liebe gesegnet sei und erlaubt, die Sternensteine mitzunehmen. Die Höhle habe ich auf ihren Befehl hin endgültig versiegelt mit Magie. Ich bin sicher, dass ich dort in der Höhle, an heiligem Ort ein Kind empfangen habe von Beat. Du ahnst nicht, wie sehr ich mich darüber freue. Ein Kind, gesegnet von der Göttin!
Niit, meine liebe Nichte, komm an mein Herz! Iset breitete die Arme aus und Niit und Iset umarmten sich. Ich wünsche dir alles Glück der Welt, meine Kleine. Ich habe tief in mir gespürt, dass das Schicksal heute wichtige Weichen gestellt hat. Und du Beat, lass dich auch umarmen!
Sie winkte Beat mit einer einladenden Handbewegung zu sich und nahm ihn fest in die Arme. Dir gratuliere ich zweifach. Zum Ersten, dass du dich entschlossen hast, zu uns zu gehören. Wir nehmen dich ganz offiziell in unsere Familie auf, mit allen Rechten und Pflichten. Du bist ab jetzt einer von Uns. Und zweitens gratuliere ich dir zu deiner werdenden Vaterschaft. Es kommt überraschend für dich, das weiß ich, aber du wirst dich an den Gedanken gewöhnen Das Kind wird auch Teil deiner Zukunft sein. Du bist jetzt, ob du willst oder nicht, mit Niit verbunden. Ob ihr heiraten wollt, müsst ihr selbst entscheiden, das ist auch nicht wichtig. Das Kind ist euer größter Schatz. Ich verheiße ihm eine große Zukunft.
Beat wusste nicht wie ihm geschah. Seine Knie wurden weich und er musste sich an Iset festklammern, um nicht zusammenzubrechen, er konnte seine Rührung nicht zurückhalten und stumme Tränen rannen über seine Wangen. Niit griff unter seine Arme und zog ihn von Iset weg um ihn seinerseits zu umklammern. Sie standen eng umschlungen und beide weinten Tränen des Glücks und der Ergriffenheit. Niit küsste ihm die Tränen von den Wangen und sagte dann: Schatz, wir müssen besprechen wie es weitergeht. Du weißt, ich warte auf dich, wenn du dein Examen hast. Morgen fährst du wieder ans Rote Meer, dann hast du noch eine Woche Arbeit, dann gehst du in die Schweiz. Wenn ich hier meine Arbeit beendet habe, komme ich dich dort besuchen und lerne dann deine Eltern kennen. Aber wir haben jetzt nur noch den heutigen Tag zusammen und davon will ich keine Sekunde vergeuden. Du kommst jetzt sofort mit mir in unser Zimmer. Widerspruch zwecklos.
Beat lachte. Niemals würde ich dir widerprechen, ich will es doch selbst, komm.... Er drehte sich um: Und... danke Iset,... für alles!
Sie ließen eine versonnen lächelnde Oberpriesterin zurück. Diese Entwicklung war wunderbar, mehr als sie zu hoffen gewagt hatte. Die Göttin selbst hatte die Schicksalsfäden in die Hand genommen.