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Stumm und ergriffen saßen sie beide sich gegenüber und schauten sich an. Niit sprach als erste wieder: „Wenn du eben das Gleiche gespürt hast wie ich, dann ist der Stein offenbar der Meinung, dass wir zusammengehören.“

„Kann ein magischer Stein eine eigene Meinung haben, oder verstärkt er nur unsere eigenen Gefühle?

„Egal. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es war einfach schön. Ich laufe schon aus, so nass bin ich, ich will dich und zwar jetzt!“

„Darf ich dann einen Wunsch äußern?“

„Wünschen darfst du alles, ich entscheide dann, ob ich ihn erfüllen kann.“

„Ich möchte es ganz langsam und zärtlich, kein wilder Sex wie gestern. Diese Erlebnis eben war so schön, ich will diese Vereinigung jetzt körperlich spüren.“

„Du sprichst mir aus der Seele, mein Liebling. Genau das fühle ich auch. Ob wir es riskieren können, gleichzeitig die geistige vollkommene Vereinigung nochmal herbeizuführen?“

„Das wäre das Größte. Lass es uns versuchen. Wenn ich in dir drin stecke, wecken wir die Sternensteine, ja?“

„Leg dich auf den Rücken, den Sternenstein lege ich in deinen Bauchnabel, Ich komme dann zu dir.“

Niit schwang ihr Bein über Beat um sich rittlings über seinen Pfahl zu stülpen. Ganz langsam ließ sie ihn tief in sich eindringen,dann brachte sie ihren Sternenstein zum Leuchten. Beat konnte seinen Stein im Bauchnabel gerade noch sehen und es gelang ihm, das Licht auch dort zu entfachen. Hell leuchtete es nun aus seiner Mitte heraus und er schloss die Augen, legte den Kopf nach hinten und suchte mit seinen Gedanken nach Niit. Sie hatte die Augen auch geschlossen und ließ ihren Körper jetzt auf seinen sinken, dann suchte sie nach seinem Geist, dem blauen Abbild seiner Person. Da sie sich ohnehin schon so nah waren, ging die geistige Vereinigung ganz schnell, Niit war von dem Ansturm der Gefühle überwältigt und sie kam sofort. Beat aber spürte ihre Liebessäfte nicht, er war von dem Gefühl so gefangen, dass er nichts anders mehr fühlen konnte.

Eine halbe Ewigkeit bleiben sie so aufeinander liegen, dann fingen ihre Leiber einen langsamen Tanz an, der sich ganz langsam und graduell beschleunigte. Wieder spürte Beat die herrliche Gänsehaut auf Niits knackigem Hintern und dann kam die Vereinigung ihre Liebessäfte gleichzeitig, Die Geistige Vereinigung bestand noch, als Beats Stiel schon zusammengeschrumpft aus ihr herausglitt. Sie blieben in dieser Haltung noch eine Zeit lang aufeinander liegen und genossen das Gefühl, Eins zu sein, ein vollkommen geistiges Etwas, aber voller Liebe und Zuneigung. Niit war es wieder, die sich aus der Verbindung zuerst zurückzog, dann erst ließ Beat sich in die reale Welt zurückfallen. Die Decke unter ihnen hatte einen klatschnassen Fleck, so hatten sie ihre Säfte verspritzt, aber es machte ihnen nichts aus. Liebevoll schaute Niit Beat in die Augen und küsste ihn zärtlich. „Phantastisch“ war alles, was sie sagen konnte.

Beat versuchte das Erlebte in Worte zu fassen. „Mir ist jetzt, als würden wir uns schon ein Leben lang kennen. Ich kenne dein innerstes, du meins. Und ich habe zwischen uns etwas gespürt, das kann nur Liebe gewesen sein.“

„Liebe ist Magie. Wir sind jetzt durch das magische Band der Liebe verbunden, verstärkt duch die Kraft des Sternensteine. Ich kannte dieses Gefühl bisher auch noch nicht, Beat, aber ich weiss was es ist. Ich liebe dich. Ob wir wollen oder nicht, wir sind verbunden durch die Magie der Liebe.“

„Das muss es sein. Niit, ich liebe dich auch. Ich wusste nicht, dass Liebe so schön ist, aber ich habe es mir immer gewünscht.“

Sie küssten sich wieder und streichelten sich gegenseitig. Niit unterbrach : „Wir haben uns übrigenas zusärtzlich an einem magische Ort geliebt. Direkt unter uns ist etwas Magisches. Ich wüsste gern, was es ist.“

Beat sagte: „Ich möchte es nicht ausgraben. Vielleicht können wir es so feststellen. Lass uns nochmal die Kraft der Steinen koppeln und versuchen in die Tiefe zu schauen!“

„Du hast das Wesen der Magie schnell begriffen. Du musst ein Naturtalent sein.“

Sie rollten di Decke zusammen und setzten sich einander gegenüber auf den blanken Bodenund nahmen ihre Steine wiedr zur Hand. „Diesmal wird es schneller gehen, der Stein passt sich den Gedankenschwingungen an und stimmt sich auf den Träger ab.“

Das blaue Leuchten war diesmal sofort da und sie schlossen gleichzeitig die Augen. Beat spürte die machtvolle Präsenz seiner Geliebten, die seinen Kraft verstärkte. Er sah mit seinen geschlossenen Augen jetzt alles viel klarer und heller als vorhin. Er sah in die Erde hinein, da war etwas, er sah Knochen ein Skelett! Hier war ein Grab, ein uralter Ort der Bestattung!

Niit hatte das Gleich gesehen und war erschrocken. Sie sprach direkt in Beats Geist, so wie er es von Iset her kannt und war deshalb auch nicht überrascht: „Wir müssen die Göttin anrufen, ihr sagen, dass wir die Totenruhe nicht stören wollten und die Geister der Toten um Verzeihung bitten. Gib mir alles, was du an Kraft hast, ich bete jetzt zur Göttin, erschrick bitte nicht.“

Niit, oder viekmehr Niits geistiges Abbild erhob sich und streckte beide Arme in die Höhe. Ihr Rud hallte in Beats Geist nach. „Heilige Mutter erhöre uns!“

Niit hatte zwar gesagt, Beat sollte nicht erschrecken, aber er fürchtete sich, als ein funkelnder Lichtschleier sich von den Seiten auf sie zu bewegte, sich konzentrierte und zu einem grellweißen Licht in Menschengestalt wurde. Beat erkannte die Gesichtszüge von Iset wieder, sofern das bei der Grelligkeit des Lichts möglich war. Eine körperlose Stimme ging von der Gestalt aus: „Was tut ihr hier an diesem Heiligen Ort? Stört nicht die Ruhe der Toten!“

Niits Geistkörper warf sich vor der weißen Gestalt auf den Boden „Ich bitte um Vergebung, wir werden die Totenruhe nicht stören, sondern dem Toten die ihm zustehende Ehre erweisen. Wir sind hier wegen der Sternensteine, die in unserer Zeit dringender gebraucht werden als hier bei den Toten, und wir haben uns hier an magischer Stelle geliebt.“

Wieder antwortete die körperlose Stimme: „Steh auf, meine Tochter. Ihr habt recht getan. Eure Liebe wird gesegnet sein. Geht mit den Steinen in Frieden und versiegelt diesen Ort, damit kein Sterblicher die Ruhe meines Dieners stört. Mein Segen ist mit euch.“

Ein Blitz, die weißleuchtende Gestalt war verschwunden und ihr Nachhall brannte wie ein Schwarzes Bild in ihren Köpfen. Niits Geist kehrte zurück in ihren Körper und sie weinte vor Ergriffenheit. Beat rückte näher an sie heran und sie nahmen sich in den Arm, drückten sich ganz fest aneinander. „Die Göttin hat uns gesegnet,“ flüsterte sie. „Wir sind gesegnet.“

Beat konnte nicht sprechen, ihn hatte die Begegnung erschauern lassen und auch sein kritischer Verstand hatte ihn nicht davor bewahrt, davon ergriffen zu sein.

Es dauerte noch einige Momente, bis er wieder sprechen konnte. „Ich habe die Göttin gesehen, sie war hier, bei uns und hat uns gesegnet!“

Sie wendeten einander die Gesichter zu und begegneten sich in einem ganz vorsichtigen und zärtlichen Kuss, als ob sie sich scheuten, die Magie dieses Augenblicks zu stören. Beide hatten Tränen der Rührung in den Augen, als sie gemeinsam aufstanden, ihre Sachen packten und die Höhle verließen.

Sorgfältig erneuerte Niit die Schutzzauber, die das Finden der Höhle unmöglich machten, dann beluden sie die Pferde und ritten stumm nebeneinander her zum Iset-Tempel, dem „Großen Haus der Iset“, was der Name Hut-Iset in der Alten Sprache bedeutete.

Beide hingen sie der Erinnerung nach, was sie gerade erlebt hatten, würde für ihr ganzes weiteres Leben von entscheidender Bedeutung sein. Niit hatte die Worte „Eure Liebe wird gesegnet sein“ richtig verstanden. Sie hatten hier an heiliger Stelle ein Kind gezeugt. Sie würde schwanger sein. Wieder liefen Tränen der Rührung aus ihren Augen.

Beat schaute sie an und sah sie weinen. „Mein Liebling, was ist dir?“

„Ich freue mich so,“ antwortete sie stockend „Du hast mir gerade ein Kind gemacht, und die Göttin selbst hat es gesegnet!“

„Wieso weißt du das?“

„Ich fühle es und die Göttin hat es gesagt: Unsere Liebe wird gesegnet sein. Das lässt doch keine andere Auslegung zu!“

„Es kommt überraschend für mich, plötzlich Vater zu werden. Wie geht es jetzt mit uns weiter?“

„Kommt Zeit, kommt Rat. Du machst dein Examen und kommst zurück. Ich warte auf dich.“

Nun wo der Weg wieder breiter wurde, ritten sie ganz eng nebeneinander. Auch ohne Worte spürten sie das magische Band der Liebe, das sie verband und voll von Glücksgefühl ritten sie in den Hof ein, wo ein großer schwarzer Vogel sie krächzend begrüßte.

„Hallo Krähe,“ sagte Niit lachend und winkte ihr zu.

Iset kam hinter einer Mauerecke hervor und plapperte los. „Tante Niit, ich kann auch mit Vögeln sprechen. Diese Krähe hier ist so eine Art Anführerin und ich habe euch mit ihren Augen aus der Luft schon kommen sehen. Ich kann das, was ein Vogel gerade sieht, in meinen Geist holen und mir seine Augen zunutze machen!“

„Ist ja toll,“ antwortete Niit, „Wer weiß, wozu das mal gut ist. Sag der Krähe, wenn sie Hunger hat, soll sie sich hinter der Küche bemerkbar machen, dann ist auch für sie was da. Ich sag den Mädchen bescheid, dass sie dann was rausstellen.“

„Danke Tante Niit, mach ich gleich.“ Die Krähe ließ sich mit elegantem Schwung auf Isets Schulter gleiten und saß da, mit erhobenem Kopf, dass man ihr den Stolz richtig ansehen konnte.

Sie ließen die Pferde in der Obhut der kleinen Novizin zurück, die sich um das Absatteln und das Abzäumen kümmerte und das Pferd anschließend versorgen würde. Niit trug ihren Bogen und ihre Tasche und suchte mit der anderen Hand die Beats.

Hand in Hand betraten sie das Haus, Niit stellte ihren Bogen in Beats Zimmer, welches ja nun ihre gemeinsame Bleibe war, ab und suchte dann mit Beat zusammen das Zimmer der Oberpriesterin auf. Unterwegs trafen sie Nefer-Neferet, die sie sofort bei ihrer Herrin anmelden wollte und diensteifrig vor ihnen herlief.

Iset rief sie sofort herein. Niit schilderte, was sie erlebt hatten und übergab Iset den Beutel mit den Sternensteinen und erwähnte auch, dass Beat schon mit einem Stein seine Erfahrungen gemacht hatte.

„Und sonst habt ihr mir nichts zu sagen?“ fragte Iset

„Wir hatten dort ein Erlebnis, das so ergreifend und großartig war, dass wir es erstmal für uns verarbeiten müssen“ antwortete Niit, die noch nicht bereit war, ihr Erlebnis mit jemandem zu teilen.

Doch Iset gab sich damit nicht zufrieden:„Ich habe etwas gespürt, das Ka der Göttin hat sich gerührt in mir. Ich bitte dich, sag mir, was ihr gesehen habt.“

„Wir haben uns geliebt in der Höhle“ kam es jetzt zögernd von Niit zurück. „es war über einem Ort der Magie, Energie ging von ihm aus. Ich wollte dort graben um die Energiequelle zu suchen, aber Beat hat mich daran gehindert, der Göttin sei Dank. Dann haben wir die Kraft unserer Sternensteine vereinigt und in den Boden gesehen; gesehen, dass dort ein Skelett lag und daraufhin habe ich die Göttin angerufen. Sie ist uns erschienen, sie hat uns gesagt, was zu tun ist, gesagt, dass unsere Liebe gesegnet sei und erlaubt, die Sternensteine mitzunehmen. Die Höhle habe ich auf ihren Befehl hin endgültig versiegelt mit Magie. Ich bin sicher, dass ich dort in der Höhle, an heiligem Ort ein Kind empfangen habe von Beat. Du ahnst nicht, wie sehr ich mich darüber freue. Ein Kind, gesegnet von der Göttin!“

„Niit, meine liebe Nichte, komm an mein Herz!“ Iset breitete die Arme aus und Niit und Iset umarmten sich. „Ich wünsche dir alles Glück der Welt, meine Kleine. Ich habe tief in mir gespürt, dass das Schicksal heute wichtige Weichen gestellt hat. Und du Beat, lass dich auch umarmen!“

Sie winkte Beat mit einer einladenden Handbewegung zu sich und nahm ihn fest in die Arme. „Dir gratuliere ich zweifach. Zum Ersten, dass du dich entschlossen hast, zu uns zu gehören. Wir nehmen dich ganz offiziell in unsere Familie auf, mit allen Rechten und Pflichten. Du bist ab jetzt einer von Uns. Und zweitens gratuliere ich dir zu deiner werdenden Vaterschaft. Es kommt überraschend für dich, das weiß ich, aber du wirst dich an den Gedanken gewöhnen Das Kind wird auch Teil deiner Zukunft sein. Du bist jetzt, ob du willst oder nicht, mit Niit verbunden. Ob ihr heiraten wollt, müsst ihr selbst entscheiden, das ist auch nicht wichtig. Das Kind ist euer größter Schatz. Ich verheiße ihm eine große Zukunft.“

Beat wusste nicht wie ihm geschah. Seine Knie wurden weich und er musste sich an Iset festklammern, um nicht zusammenzubrechen, er konnte seine Rührung nicht zurückhalten und stumme Tränen rannen über seine Wangen. Niit griff unter seine Arme und zog ihn von Iset weg um ihn seinerseits zu umklammern. Sie standen eng umschlungen und beide weinten Tränen des Glücks und der Ergriffenheit. Niit küsste ihm die Tränen von den Wangen und sagte dann: „Schatz, wir müssen besprechen wie es weitergeht. Du weißt, ich warte auf dich, wenn du dein Examen hast. Morgen fährst du wieder ans Rote Meer, dann hast du noch eine Woche Arbeit, dann gehst du in die Schweiz. Wenn ich hier meine Arbeit beendet habe, komme ich dich dort besuchen und lerne dann deine Eltern kennen. Aber wir haben jetzt nur noch den heutigen Tag zusammen und davon will ich keine Sekunde vergeuden. Du kommst jetzt sofort mit mir in unser Zimmer. Widerspruch zwecklos.“

Beat lachte. „Niemals würde ich dir widerprechen, ich will es doch selbst, komm....“ Er drehte sich um: „Und... danke Iset,... für alles!“

Sie ließen eine versonnen lächelnde Oberpriesterin zurück. Diese Entwicklung war wunderbar, mehr als sie zu hoffen gewagt hatte. Die Göttin selbst hatte die Schicksalsfäden in die Hand genommen.

Das ging diesmal aber schnell ;) Danke, die Story (oder sollte ich eher Roman schreiben ) ist hier eindeutig die Beste! Freue mich schon auf die Fortsetzung.

Danke, neferkare, diese Geschichte hat mich total in ihren Bann gezogen. Ich hoffe, du schreibst noch viele Fortsetzungen :)

Weit nach Sonnenuntergang rief Iset mit Hilfe ihres Sternensteines alle zusammen in das Esszimmer, das auch als Gemeinschaftsraum genutzt wurde. Die Stunde des Aufbruchs war gekommen. Der Goldschmied hatte für Urs und Beat jeweils eine wunderschönen Ring angfertigt und den Sternenstein, der auf ihre persönlichen Gehirnwellen abgestimmt war, eingepasst. Urs nahm ihn als Verlobungsring, Beat nannte ihn zwar nicht so, aber seine gefühlsmäßige Bindung an Niit war so stark geworden, dass es für ihn einer Verlobung gleich kam. Was sollten diese kleinkarierten Begriffe? Fragte er sich. Für ihn stand fest, er würde bei Niit bleiben, und sie bei ihm, er hatte da keine Zweifel. Also was machte es für eine Unterschied, verliebt, verlobt oder verheiratet; sie gehörten einfach zusammen. Er lächelte. Ein „Verliebungsring“, das war doch mal was neues.

Die beiden Isets, Nebbie und auch Niit waren jetzt dazugekommen. Nur Niit würde hier bleiben, zu Beats allergrößtem Bedauern, aber sie musste ja die Ermittlungen im Fall Sinwe durchführen, das war ja überhaupt der Grund, weshalb sie gekommen war. Ihm wurde unwohl bei dem Gedanken, wie es wäre, wenn.... wenn sie später gekommen wäre, ...wenn er sich nicht hätte überreden lassen, mitzukommen,...wenn Iset nicht von Sinwe angegriffen worden wäre....

Jede dieser Varianten hätte zur Folge gehabt, dass sie sich womöglich niemals begegnet wären. Er musste sich unwillkürlich Schütteln und eine kleine Gänsehaut überlief ihn. War das alles Zufall gewesen, oder hatten hier höhere Mächte ihre Hand im Spiel? Nach dem, was er mit Niit in dieser Höhle erlebt hatte, war er geneigt, daran zu glauben. Ja, diese Religion, der er jetzt beigetreten war, war so verdammt konkret in sein Leben getreten, das waren Tatsachen, keine vagen Glaubensdinge. Selbst ein hartnäckiger Zweifler wie er konnte daran nicht mehr vorbei. Aber er wollte mehr wissen über diese, seine neue Religion, Iset würde ihm alle fragen beantworten müssen, wenn Niit schon nicht bei ihm sein konnte. Was er toll fand, war dass er jetzt den Sternenstein schon so weit beherrschte, dass er sich mit Niit aktiv von Geist zu Geist auch über größere Entfernungen verständigen konnte. Er hoffte, dass es auch von der Schweiz aus klappen würde. Niit hatte ihm aber keine großen Hoffnungen gemacht, Immerhin handelte es sich um Gehirnwellen, um Wellen, um eine Art Strahlung, und dafür galten physikalische Gesetze: die Intensität sinkt mit dem Quadrat der Entfernung. Welcher Natur aber waren diese Wellen? Gab es vielleicht doch eine Möglichkeit, sie zu bündeln? Wie weit reichten sie?

Von der Möglichkeit, den Geistkörper in die Zwischenwelt zu entsenden und auf diese Weise die Gesetze von Raum und Zeit zu verlassen, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nichts, darüber hatte er noch mit niemandem gesprochen, deswegen hatte er die Natur der totalen Geistigen Verbindung, die ihm ein so tiefes Erlebnis mit Niit beschert hatte, nicht verstanden. Was er aber verstanden hatte, war, dass er danach eine Verbundenheit mit ihr erlangt hatte, die vorher nicht da war. Es war, als ob sie jetzt alles voneinander wüssten, diese ungeheure Vertrautheit, die sich bei anderen erst nach langer Ehezeit einstellt, oder auch niemals. Er versuchte, das, was er von dem Sternenstein bisher gesehen, erfahren und erlebt hatte, miteinander gedanklich zu verknüpfen: Die Heilung war unter der Wirkung des Steins extrem beschleunigt worden. War ihrer Verbindung irgendwie, wie auch immer, das gleiche widerfahren?

Früher schon hatte er sich selbst geschworen, diesen so oft missbrauchten Satz „Ich liebe Dich“ niemals leichtfertig auszusprechen. Noch vor zwei Tagen hätte er jeden für verrückt erklärt, der ihm gesagt hätte, was in so kurzer Zeit mit ihm geschehen konnte.

Nein Niit hatte ihm nicht den Kopf verdreht. Sie hatte keine Schuld daran, das war ihm klar, es war etwas mit ihnen beiden gleichzeitig geschehen, seine Liebeserklärung war aus vollster innerer Überzeugung gekommen und sein Gefühl sagte ihm, dass es Niit genauso ging.

Es gab keine Zweifel, sie waren ein Paar. Keine auf Stunden oder Tage angelegte flüchtige Verbindung in Lust, Gier, Ekstase, in erster Linie der eigenen Befriedigung dienend, dies hier ging tiefer, unendlich viel tiefer, sie hatten sich mit ihren Seelen getroffen, ihre Seelen hatten sich verbunden, und nun, wo sie zwar körperlich getrennt wurden, würde diese Verbindung bestehen bleiben.

Für Kinder hatte Beat bisher nicht viel empfunden, er hatte sie eigentlich immer nur als Nervensägen angesehen. Erst seit der Begegnung mit der kleinen Iset hatte sich bei ihm etwas verändert, dieses Kind war anders. Sie hatte er nach den bekannten Anfangsschwierigkeiten richtig ins Herz geschlossen. Es freute ihn, dass er in ihre Familie aufgenommen war. „Die irdische Verkörperung der Göttin“ ging es ihm durch den Kopf. War er jetzt eine Art Familienmitglied der „göttlichen Familie“? Auf was hatte er sich da eingelassen?

Niit riss ihn aus seinen Gedanken: „Beat, mein Süßer, ich würde ja mitkommen, aber ich werde hier gebraucht. Du weißt, wie schwer es mir fällt, dich ziehen zu lassen. Aber wir werden uns bald wiedersehen. Versprochen. Ich liebe Dich!“

Sie fielen sich in die Arme und küssten sich wie Verdurstende, beide hatten Tränen in den Augen, der Abschiedsschmerz schnitt tief in ihr Herzen. Iset musste sie ermahnen: „Die anderen sitzen schon im Auto und warten, dass es losgeht, so leid es mir tut, ich muss euch unterbrechen!“

Sie lösten sich voneinander, Beat setzte sich wieder neben die Kleine in die Mitte, Urs und Nebbie saßen hinten, Frank und Iset vorn.

Niit schaute dem abfahrenden Wagen noch lange nach und auch als er schon längst außer Sicht war, stand sie, in Gedanken versunken. Was für ein Tag! Sie wusste, ab heute würde ihr Leben nicht mehr dasselbe sein. Beat, ein Mann nach ihrem Geschmack, ein gemeinsames Kind. Woher sie es wusste, war ihr rätselhaft, aber sie wusste, dass es ein Mädchen werden würde.

Ihr nächster Weg führte sie zur Oberpriesterin. Iset blickte erfreut vom Schreibtisch aus, als sie in ihr Arbeitszimmer trat. „Nun, Niit, willst du schon anfangen?“

„Ja, Tante. Erzähl mir bitte, was ich wissen muss.“

Iset erzälte ihr die ganze Geschichte, wie es mit Sinwe angefangen hatte, wie er sie eingewickelt hatte, ohne dass sie Verdacht schöpfen konnte, wie sie wunderbaren, einvernehmlichen Sex hatten, er sie dann aber betäubt hatte und dann brutal gefoltert, um sich an ihre Qual zu weiden und die Geschichte ihre Rettung durch Frank und Iset, die ihren Hilferuf gehört hatten.

Die Geschichte von den Frauen, die hier wie Sklavinnen gearbeitet haben, und die sie befreit hatten und die Geschichte von ihrer Enkelin, die in ein Verlies gerutscht war und dort den gefangenen Geist eines wahrhaftigen Drachen getroffen hatten, der durch schwarze Magie gebändigt, dort fest saß.

Iset ließ nichts aus und beschönigte nichts. Niit machte sich während der Erzählung mit fliegenden Fingern Notizen. Sie würde die Frauen alle noch einzeln befragen müssen, und sie würde das Haus selbst noch untersuchen müssen. Sie hatte die Einzigartige Fähigkeit, die Spuren, den Geruch den Bösen, noch lange nach der Tat zu empfinden und wenn sie einen Gegenstand, mit dem Böses getan wurde, in die Hand nahm, dann wurden die Tatumstände in ihr lebendig; mit Hilfe ihrer magischen Silberschale konnte sie sogar die Tat wie eine Augenzeugin noch einmal sehen. Sie hoffte, dass es nicht nötig sein würde, denn diese Exzesse von Gewalt und Folter würde auch ihre Seele nicht unbeeindruckt lassen. Etwas erzählt zu bekommen war eine Sache, Augenzeuge zu sein, eine ganz andere. Es gab Fälle genug, bei denen allein die Tatsache, bei Gewaltakten Augenzeuge zu sein, eine psychologischen Behandlung und Betreuung erforderlich machte. Außerdem hatte sie die Befürchtung, ihre Objektivität einzubüßen, wenn sie die Untaten als Augenzeugin miterleben müsste, die Wut könnte mit ihr durchgehen und Rachegefühle statt Gerechtigkeit ihr Handeln bestimmen. Ihre Aufgabe war aber, Gerechtigkeit walten lassen und nichts anderes. Das eherne Gesetz der Maat stand über allem und Objektivität war dazu Voraussetzung

Nachdem Iset ihre Ausführungen beendet hatte, fragte Niit: „Wo sind die Beteiligten jetzt? Sinwe hoffentlich im Hochsicherheitskerker, aber wo ist Erket? Die anderen Frauen?“

So erfuhr sie, dass die Dienerinnen die ehemaligen Sklavinnen Sinwes waren, dass aber offenbar auch einige der ehemaligen Sklavinnen im Grauen Haus dienten, und insbesondere von denen Aussagen wertvoll sein könnten. Auch Perwas, der sadistische Verwalter, war eingesperrt worden, weil er die Übergriffe gegen die Frauen, die Iset per Dekret unter den Schutz der Göttin gestellt hatte, trotz Warnung wiederholt hatte.

Mhhh. Da stand ihr ja noch eine ganze Menge Arbeit bevor. Alle Beteiligten mussten einzeln befragt werden, doch irgendwann würde sich für sie dann ein umfassendes Bild daraus ergeben. Danach erst konnte sie die Hauptverhandlung einberufen und zu einem gerechten Urteil gegen Sinwe kommen. Die Verhandlung gegen Perwas und gegen Erket würde sie separat führen müssen, es handelte sich um eigene Tatbestände, die nichts direkt mit den Untaten Sinwes zu tun hatten, auch wenn sie mittelbar miteinander verknüpft waren.

Niit fühlte sich wie zerschlagen. Ihre Muskeln schmerzten an den unmöglichsten Stellen. Die alte Regel, mit dem weiterzumachen, wodurch man den Muskelkater erworben hatte, hatte offenbar nicht geholfen, auch wenn sie sich redlich Mühe gegeben hatten. Sie hatte eine Idee: Sie würde sich von einer der Dienerinnen massieren lassen, und dabei dann schon mal mit ihren Fragen beginnen. Nefer-Neferet würde ihr helfen. Da fiel ihr ein: auch Nefer-Neferet hatte ja die persönlichen Erfahrungen mit Perwas, vielleicht wusste auch sie, zumindest aus zweiter Hand, etwas von Sinwe und seinen Aktivitäten. Und bezüglich Perwas musste sie sie ohnehin interviewen.

-*-

-Vanessa-

Die Fahrt war bisher ohne besondere Zwischenfälle verlaufen. Urs hatte mit Nebbie zusammen die ganze Rückbank des Vans für sich, sie lag zusammengerollt mit dem Kopf in seinem Schoß und er streichelte durch ihre Haare, mit der anderen Hand hatte er unter ihren Rock gegriffen. Die Tatsache, dass sie so gut wie nie Unterwäsche trug, kam ihm dabei sehr zustatten. Nebbie genoss die Liebkosungen des Mannes, mit dem sie ihre künftiges Leben gemeinsam verbringen wollte. Bei ihm fühlte sie sich einfach nur wohl. Was war es schön, dort unten gestreichelt zu werden, das vertraute Ziehen im Unterleib setzte bei Nebbie wieder ein. Ihre Lustsäfte begannen sich zu regen und Urs bemerkte, wie seine Fingerspitzen feucht wurden. Nebbie fühlte aber auch noch etwas anderes: Ihre Lage dort auf Urs' Schoß begann, unbequem zu werden, etwas drückte gegen ihren Hinterkopf . Urs Freudenspender war auch nicht unbeeindruckt geblieben und schwoll an, beulte seine Hose aus und drückte auf Nebbies Kopf. Sie drehte sich kurzerhand um, so dass ihr Gesicht nun in Richtung auf seinen Bauch zeigte und nestelte den Verschluss seiner Hose auf, um den eingezwängten Schwanz aus seiner misslichen Lage zu befreien. Mit geübtem Griff förderte sie ihn an Licht und legte ihren Kopf wieder hin, so, dass sie Urs Schwanz bequem lutschen konnte. Ja, so war es herrlich! Urs seufzte auf vor Genuss und Nebbie lutschte mit Inbrunst an der glatten Eichel, die immer praller wurde und Nebbie fühlte das Pulsieren seinen Herzschlags in ihrer tastenden Zungenspitze.

Urs führte jetzt vorsichtig zwei Finger in Nbbies Spalte ein, tastete dort, so tief er konnte, und begann sie langsam mit den Fingern zu ficken. Nebbie griff mit der Hand seinen Schaft, ohne ihr Lutschen zu unterbrechen und knetete seine Stiel und kraulte die Hoden. Urs flüsterte ihr ins Ohr: „Wenn du so weitermachst, spritze ich gleich!“

„Ja, bitte, spritz mir deine ganze Ladung in den Mund!“ flüsterte Nebbie zurück, „aber sei leise dabei, damit die anderen nichts merken!“

Da kam es ihm aus schon, mit heftigen Schüben schoss der Saft in ihren Mund und Nebbie schluckte alles., sie leckte den letzten Tropfen noch ab und dann erhob sie sich, um Urs zu küssen. Sie küssten sich immer noch, als der Wagen schon in den Hof des Hotels einfuhr.

Beat und Iset-junior hatten die Faht mit Gesprächen von Geist zu Geist verbracht. Beat hatte die Technik, selbst aktiv in den Geist des anderen zu sprechen schon herausbekommen, sein Sternenstein hatte sich an sein Gehirnmuster vollkommen angepasst und es bedurfte nur einer kleinen Konzentration seinerseits, um ihn zu aktivieren.

Er hatte Iset gebeten, ihn in die Religion und die ihr zugrunde liegende Mythologie einzuführen, was die Kleine aus bereitwillig tat. Ihr Wissen war für ihr Alter ungeheuer, ihm wurde überhaupt nichtbewusst, dass er mit einem Kind sprach. Andererseits hatte sie die Begeisterungsfähigkeit und die Neugierde eines Kindes. Wieder schätzte er sich glücklich in diese Familie aufgenommen worden zu sein. Iset griff den Gedanken aber sofort auf und sagte „Auch wir sind glücklich, dass du jetzt zu uns gehörst. Nicht nur wir sind eine Bereicherung für dich, auch du bist eine Bereicherung für uns. Dein magisches Potenzial ist übrigens beachtlich. Ich verstehe gar nicht, dass du es bisher nicht bemerkt hast.“

„Bemerkt hab ich schon was. Wenn das Telefon klingelte, wusste ich immer schon vorher, wer dran war. Und in der Gegenwart bestimmter Leute fühle ich mich wohl und bei anderen unwohl, ich kann aber nicht sagen warum. Bei euch und eurer Familie habe ich mich so wohl gefühlt, wie noch nie zuvor. Nicht einmal zuhause bei meinen Eltern. Bei euch habe ich mich sofort heimisch gefühlt, obwohl alles doch so fremd für mich war. Ich fühlte mich einfach zu euch hingezogen. Und als dann Niit in mein Leben trat, da war es mit der Vergangenheit vollkommen vorbei. Ich habe gespürt, dass mein Leben nie wieder so sein würde wie früher.“

„Eigentlich wundere ich mich ein wenig darüber“ antwortete Iset. „Tante Niit ist sonst so abweisend Fremden gegenüber, sie kann richtig kratzbürstig sein. Dass sie dich gleich gemocht hat, beweist noch einmal mehr, wie gut du zu uns passt. … Übrigens, tu einfach so, als bemerkst du nicht, was die Beiden da hinter uns machen!“

„Stört es dich denn?“

„Nein, überhaupt nicht, aber ich fühle, dass sie nicht gerne gestört werden wollen, und ich spüre die Wellen ihres Glücks. Es ist schön, Glück zu spüren.“

„Ich kann das nicht. Ich spüre nicht, ob jemand anders gerade Glück verspürt. Aber ich stimme dir zu, das Gefühl, Glücklich zu sein ist wunderbar. Ich hatte mit Niit ein Gefühl, wir haben uns mit unseren Geistkörpern, weist du, die so ganz blau sind, getroffen, und diese haben sich gegenseitig durchdrungen, und seitdem ist es, als ob Niit ein Stück von mir ist.“

„Das muss schön sein. Das kenne ich aber nicht, ich war aber mit meinem Geistkörper auch schon außerhalb meines realen Körpers, damals, als wir den Geist des Drachen befreit und nach hause gebracht haben.“

„Davon weiß ich nichts, erzähl mal“

und Iset erzählte die Geschichte, wie sie in den Keller gerutscht war und die ganze Drachen-geschichte mit Gorum, dem Geist des Drachens, der jetzt ihr Freund war.

„Du schließt schnell Freundschaften, habe ich recht?“

„Ja, das hast du. Ich bin der Meinung, man kann nie genug Freunde haben.“

„Es gibt aber auch falsche Freunde, welchen, die nur so tun als ob sei Freunde sind und die dich dann ausnutzen, vor denen musst du dich in Acht nehmen!“

„Das habe ich bisher immer bemerkt, dann spüre ich, dass die Offenheit fehlt, dass der oder die Betreffende etwas zurückhält oder verbirgt. Ich habe bisher immer bemerkt, wenn man mich belügt.“

Iset machte eine Geste des Abscheus. „Pfui Teufel, für mich ist das sowas von Ekelhaft.“

Beat ging darauf ein: „Aber in unserer sogenannten modernen Welt ist es leider zum Alltag geworden. Es fängt damit an, dass Zusagen nicht eingehalten werden, dann geht es weiter, mit Versprechungen, die gar nicht mehr eingehalten werden können, und dann wird schon von vornherein gelogen. - Du hast vollkommen recht, Lügen und Betrügen, das ist wirklich unmoralisch.. Erhalte dir deine Grundsätze, vielleicht wird die Welt dann etwas besser.“

„Du, Beat, was ich nicht verstanden habe, warum gilt es hier als unmoralisch, wenn man keine Kleidung trägt?“

„Das kann ich dir auch nicht genau sagen, das gilt als unschamhaft und untugendhaft. Aber es geht dabei um die Tugend und das Gefühl dessen, der diese nackte Person sieht. Die Leute sollen sich Bekleiden, um die anderen nicht zu unmoralischen Gedanken zu verleiten.“

„Das verstehe ich auch nicht. Was für unmoralische Gedanken?“

„Nun dass sie ihr Gegenüber schön finden und dadurch sexuell erregt werden.“

„Das ist aber doch nicht unmoralisch. Das ist doch nur ein Wunsch. Dazu gehören doch immer zwei.“

„Ja, aber wenn der eine von beiden vielleicht verheiratet ist, und dadurch in Versuchung kommt, die Ehe zu brechen.“

„Meine Güte, die Leute müssen ganz schön verdorbene Gedanken haben. Ich verstehe es zwar immer noch nicht so ganz, nehme es einfach hin.

Frank und Iset schauten nach vorn auf die Straße und hielten sich an der Hand. Iset fühlte Franks Sternensteinring und berührte den Stein. Energie floss hindurch, sie fühlte es, wie sich durch den Stein ihre Energieströme vereinigten. Mit einem mal fühlte sie sich mit Frank vereinigt, diese Vertrautheit, die sei sonst nur beim Orgasmus empfanden, wo man spürte wo einer endet und wo der andere anfängt, aber hier dieses Gefühlt war noch intensiver und gewaltiger. Sie schmiegte sich fest an Franks Seite und wusste ohne Worte, dass er das Gleiche empfand.

Beide versuchten dieses Glücksgefühl festzuhalten, den Zustand zu bewahren und schafften es auch bis der Wagen in den Hof des Hotels einfuhr.

Die kleine Iset bemerkte es zuerst.

Hier stimmte etwas nicht. Sie waren noch nicht ausgestiegen, lediglich der Fahrer hatte die Tür für sie geöffnet, das platzte sie damit heraus: „Hier stinkt's. Ich fühle etwas unbeschreiblich Böses, das in der Luft liegt. Mama, fühl doch!“

„Lass uns erstmal aussteigen, dann sehen wir weiter. - Fahrer, wenn sie bitte warten würden, es ist möglich, dass wir ihre Hilfe brauchen.“

„Jawohl, Herrin!“

Draußen bemerkten sie es alle. Ein Hauch von Unheil lag in der Luft. Iset schloss die Augen und dann „sah“ sie es: Es war der gleiche orangerote Schimmer, der seinerzeit das Verlies von Gorum im Sinwe-Haus abgeschirmt hatte. Hier war eindeutig schwarze Magie, Magie der Unterwelt im Spiel!

Unwillkürlich rückte die Gruppe enger zusammen. Iset übernahm das Kommando: Wir müssen eine Kreis bilden, fasst euch an den Händen, wir brauchen alle Magie, die wir bekommen können, es geht um Leben und Tod!“

Sie fassten sich an den Händen und die Magie ihrer Sternensteine verband sich zu einem magischen Kreis. Iset schloss die Augen und die Welt um sie herum erschien ihre in blauem Licht. Als erstes würde sie die Göttin anrufen und um Hilfe bitten. „Heilige Mutter, hilf uns, was sollen wir tun, hier ist das Böse aktiv, ich spüre große Gefahr!“

Augenblicklich verdichtete sich eine weiße Wolke aus Licht, bis sie die Gesichtszüge von Iset angenommen hatte. In ihren Köpfen sprach es: „Ich bin bei euch meine Kinder. Wenn das Böse agiert, darf man davor nicht weglaufen, sondern muss aktiv dagegen kämpfen, sonst wird die Maat unterliegen und das Böse in der Welt die Oberhand gewinnen. Steht zusammen, meine Kinder und kämpft, ich werde bei euch sein und werde euch stärken!“

Das weiße Licht verblasste und die Frauengestalt löste sich auf. Die sechs schauten sich an. Sie alle hatten das gleiche erlebt und spürten den Ernst der Lage, ohne genau zu wissen, was eigentlich im Gange war.

Iset winkte dem Fahrer, einem Bullen von Mann in der weißen Uniform der Touristenpolizei und sie eilten durch den Eingangsbereich. Dort war ja auch noch ein Polizist, der ständig die Sicherheit des Hotels gewährleisten sollte. Auch ihm bedeuteten sie, mitzukommen. Die Kleine führe die Gruppe an, denn sie hatte das beste Empfinden für magische Strahlungen und Gefühle Sie hatte den mentalen Hilferuf einer Frau aufgefangen.

Ja, dort musste es sein: dieses Appartement strahlte das Böse ab und alles hörten unterdrücktes Stöhnen, da wurde offenbar jemand am Schreien gehindert, aber das Mentale Abbild gellender Schreie durchfuhr Isets Bewusstsein wie körperlicher Schmerz.

„Hierdrin ist es, da wird jemandem Gewalt angetan!“

Die Tür war- wie könnte es auch anders sein- verschlossen. Iset überlegte keine Sekunde, sondern machte mit der Hand eine Kreisförmige Bewegung um das Schloss, murmelte ein paar Worte und die Tür war offen. Sie stürmten herein und da sahen sie es: Eine Frau lag nackt auf dem Bett, die Arme und Beine mit Stricken an den Ecken festgebunden und sie war geknebelt. In den Ecken des Zimmers brannten schwarze Kerzen, die Frau war mit Blut beschmiert, ebenso wie die beiden nackten Männer mit Teufelsmasken, die sich beim Eindringen der Gruppe durch das Fenster aus dem Staub machen wollten. Iset hob die Hand „HALT!“ rief sie, mit einer Stimme, die die anderen noch nicht gehört hatten. Wie vom Schock getroffen erstarrten die Männer in der Pose, die sie gerade innehatten, als der Zauber sie traf.

„Da sind wir wohl gerade in eine schwarze Messe geplatzt“ meinte Nebbie, als sie wieder sprechen konnte. Frank band die wimmernde und zitternde Frau los und Iset nahm sie beschützend in den Arm, während die Polizisten sich der beiden als Teufel maskierten Männer annahmen. Iset löste den Erstarrungszauber und die Kerle wurden abgeführt.

Iset hielt den Arm um die Frau gelegt und ging mit ihr in Bad. Sie war aber so zittrig auf den Beinen, sie konnte nicht alleine stehen. Also ließ Iset Badewasser in die Wanne laufen und half ihr, sich in die Wanne zu legen. „Du bist in Sicherheit“ sagte Iset zu ihr. Wir sind gerade rechtzeitig gekommen. Du hast Glück gehabt, dass die Beiden das Böse ausgestrahlt haben, dass wir es gefühlt haben und sofort helfen konnten. Wenn du magst, helfe ich dir beim Baden?“

„.. wer seid ihr?“

„Ich bin Iset., die anderen gehören zur Familie. Mehr brauchst du nicht zu wissen. Soll ich dir helfen?“

„Es ist mir zwar peinlich, Sie sind doch eine Fremde, aber alleine schaffe ich es nicht.“

Iset machte keine langen Umstände, sondern zog sich ihr Kleid aus und stieg zu der Frau in die Wanne, nahm Badegel und Schwamm und wusch ihr erstmal das Blut ab.

„Was ist das für Blut?“ wollte sie wissen, „hat man dich verletzt?“

„Ja“ schluchzte sie auf, „es ist das Blut meiner Jungfräulichkeit, sie haben mir einen Gegenstand in die Scheide gesteckt und dann das Blut auf mir verschmiert!“

„Dafür werden sie sich verantworten müssen. Hat man dir sonst noch Gewalt angetan?“

„Nein, dann kamt ihr. Sie wollten gerade beginnen. Es war ja so schrecklich!“

„Danke der Göttin, dass sie uns zu dir geführt hat.“

Vorsichtig und sanft wusch Iset die Frau ab und half ihr anschließend beim Abtrocknen und Anziehen. „Meine Schwester draußen ist ausgebildete Frauenärztin. Wenn du einverstanden bist, wird sie nach dir schauen, ob irgendetwas ernsthaft verletzt ist. Sie kann dich heilen!“

Die Frau wurde wieder von einem Weinkrampf geschüttelt. „Meine Jungfräulichkeit kann mir niemand wiederbringen.... Diese Schande! Ich weiß nicht, ob ich so weiterleben kann! ...Oh hätten die mich doch sofort umgebracht!“

Nun mal immer mit der Ruhe, mein Fräulein. Das Leben ist kostbar, und man hat nur das eine. Lass meine Schwester nach dir sehen, dann überlegen wir uns zusammen eine Lösung, OK? Die anderen warten erstmal vor der Tür, du wirst mit der Ärztin hier allein sein, oder soll ich dabei bleiben? Ich habe es übernommen, dich zu retten, also werde ich dich auch begleiten, aber nur wenn du möchtest.“

„...ja...bitte...“ kam es kleinlaut von der jungen Frau zurück. „Sie sind so freundlich zu mir.“

Iset ging zuerst aus dem Bad und dirigierte die anderen vor die Tür. „Nur Nebbie soll hier bleiben und sie untersuchen und gegebenenfalls heilen. Die anderen warten bitte draußen“

Nebbie trat vor und sagte. „Dann soll die Kleine eben meinen Notfallkoffer aus dem Zimmer holen, sie weiß, wo der steht.“

Iset führe die junge Frau ins Zimmer und setzte sie auf das Bett. „So, meine Liebe, du legst dich jetzt bitte ganz entspannt hin. Meine Schwester wartet noch auf ihren Arztkoffer, und dann geht’s los. Erzähl doch mal, wie es passiert ist.“

„Also einer von denen muss gestern schon in der Disco mit mir getanzt haben, er wollte mit mir schlafen, das hab ich ihm gesagt, dass ich das nicht tun werde, weil ich mir meine Jungfräulichkeit bewahren will. So haben die gewusst, dass ich Jungfrau bin und haben mir dann heute Abend vor meinem Zimmer aufgelauert, bis ich die Tür aufgeschlossen hatte, dann haben sie mich überfallen. Sie sagten, dass sie für ihre schwarze Messe eine Jungfrau brauchten, dann haben sie mich auf das Bett gebunden und geknebelt.“

Inzwischen war Nebbie mit ihrem Arztkoffer eingetreten. „Hallo, ich bin Nebbie, wer bist du?“

„Ich heisse Vanessa.“ Eine Träne lief ihr die Wange herunter.

„Nun wein' man nicht, es kommt alles wieder in Ordnung!“

„Keine Medizin kann meine Jungfäulichkeit wieder herstellen!“

„Stellt dieses winzige Stückchen Haut für dich so einen Wert dar?“ fragte Nebbie.

„Ja. Es beweist doch, dass ich tugendhaft gelebt habe und mich für meinen zukünftigen Mann aufgehoben habe.“

„Dann sag ich dir mal was, mein Kind: Wenn du an eine Mann kommst, der sich an so einer Lappalie stört, dann ist er auch nicht wert, dich zu bekommen. Wir leben doch nicht im Mittelalter.

Aber nun leg dich hin und schließ die Augen, das Licht, dass ich gleich gebrauche, ist für dich möglicherweise gesundheitsschädlich, dir wird schlecht, wenn du da rein schaust. Ich lege dir sicherheitshalber ein Tuch über die Augen, aber hab keine Angst, ich werde dir nicht wehtun.“

Nebbie beugte sich über Vanessas Unterkörper und nahm ihren Sternenstein in die Hand. Das Licht war schnell da, es dauerte aber einen Moment, bis es ganz hell und gleißend erstrahlte. Nebbie sah jetzt doppelt: Einmal die Frau so, wie sie mit den Augen gesehen da lag, dann das blaue Bild das sie mit dem Geistigen Auge sah, Nebbie schloss die Augen und Iset hielt Vanessas Hand.

Nebbie konnte jetzt tief in Vanessa hineinschauen und sah die Verletzungen, die die Kerle mit ihrem Knüppel angerichtet hatten. Es war nicht nur das Jungfernhäutchen, auch in der Scheidenwand hatte es Risswunden gegeben. Sie müssesn mit unglaublicher Brutalität zuwerke gegangen sein. Nebbie konzentrierte sich und der Heilungsprozess schritt voran. Es dauerte wohl zehn Minuten, bis alles verheilt war, dann sagte Nebbie das erlösende Wort: „Du kannst die Binde abnehmen und die Augen öffnen, du bist jetzt geheilt. Ich weise aber darauf hin, dass dies nur die körperliche Heilung betrifft.

Du bist durch das Erlebnis traumatisiert und du wirst eine Zeit brauchen, um das alles zu verarbeiten. Wenn du zuhause bist, geh bitte zu einem Psychologen. Sonst kannst du vielleicht nie mehr die Lust empfinden, die das Zusammensein von Mann und Frau normalerweise für dich bereithält. Die Körperliche Heilung ist aber vollkommen gelungen, du bist wieder Jungfrau. Aber bitte, ich sage es dir aus wirklich berufenem Munde: Jungfäulichkeit ist kein Wert an sich. Wenn die Frau nichts taugt, dann taugt sie auch als Jungfrau nicht, und ein Mann, dem das Häutchen mehr bedeutet als die Frau, der sollte für dich kein Partner sein, der taugt nämlich auch nichts.

Wir haben jetzt aber ein Problem: Mit der Heilung haben wir auch keine körperlichen Beweise sexueller Gewalt mehr. Wir müssen die Kerle aber daran hindern, weiterhin über Frauen herzufallen, denn wer es einmal tut, tut es wieder. Iset, wie sollen wir es machen?“

„Vanessa, zieh dir was über und leg dich schlafen, du brauchst jetzt Ruhe. Morgen komme ich wieder und schaue nach dir, ja“

„Wie kann ich Sie erreichen?“

„Wir wohnen in der Suite 121, ruf dort an, oder hinterlass in der Rezeption eine Nachricht.“

Iset beugte sich über sie und gab ihr eine Kuss auf die Stirn. „Gute Nacht, Kleines“ und sie verließen leise das Zimmer.

Draußen wurden sie von den anderen mit erwartungsvollen Blicken empfangen. Iset sagte: „Wir haben keine Zeit zu verlieren, wie müssen die Kerle noch erwischen, bevor sie abtransportiert werden. Da Nebbie Vanessas Verletzungen so vollständig geheilt hat, dass sie jetzt wieder Jungfrau ist, sind natürlich auch keine Spuren sexueller Gewalt mehr nachweisbar. Wir müssen die Menschheit aber vor solchen Strolchen schützen, also los. Iset, du hast das beste Gespür, kannst du sie orten?“

„Ja, Mama, sie sind noch auf dem Gelände, wahrscheinlich in der Wachstube der Polizei beim Eingang.“

„Dann nichts wie hin. Ich gehe mit Nebbie und Frank zusammen, ihr anderen könnt in eure Zimmer gehen, Urs und Beat, ihr müsst morgen vollen Dienst machen, also schlaft gut. Iset, du gehst auch ins Bett, ja?“

Urs erwiderte fragend: „Aber Nebbie kommt doch zu mir, wenn ihr fertig seid?“

Iset lachte: „Klar doch. Kannst die Tür offen lassen.“

Die Drei eilten zum Eingang, und wirklich, in der Wachstube war helle Aufregung. Der Hoteldirektor war eingetroffen und man wartete auf das Eintreffen der Kriminalpolizei.

Den Tätern hatte man Decken umgehängt und die Masken abgenommen, um den übrigen Beteiligten den ekelhaften Anblick der Teufelsfratzen zu ersparen.

Die drei hatten sich für die polizeiliche Vernehmung auf eine Version geeinigt, die man ihnen glauben würde, denn mit „der Aura des Bösen“ würden sich die Polizisten nicht zufrieden geben. Sie wollten sagen, sie hätten aus der Ferne einen Hilfeschrei gehört, später aus dem Zimmer dann das unterdrückte Stöhnen. Ob sie den Schrei mit den Ohren oder mental gehört hatten, spielte ja letztlich keine Rolle, aber das war für die Polizei nachvollziehbar. Nun mussten sie verhindern, dass Beweismittel verschwanden, zum Beispiel das Blut an den Körpern der Täter. Nebbie erklärte sich bereit, einen Untersuchungsbericht des Opfers zu schreiben. Was sie nicht sagten, war die „Spezialbehandlung“, die sie den Tätern zugedacht hatten. Frank, Nebbie und Iset fassten sich verstohlen an den Händen an und Iset bündelte die Energie, die ihr über drei Sternensteine zufloss. Ein stummer Anruf der Göttin, dann hüllte eine Wolke aus Licht die zwei Männer ein, die wie frech grinsend in der Ecke auf dem Stuhl saßen. Sie hatten alles abgestritten und sich beklagt, dass man sie im Zimmer gestört hatte. Schließlich habe es Vanessa ja so gewollt.

Als die schimmernde Wolke sich um sie zusammen zog, erlosch ihr freches Grinsen und machte einem Entsetzen Platz. Jetzt war es an Iset, ihnen freundlich zuzulächeln: „Ich habe dafür gesorgt, dass ihr niemals wieder eure krankhafte Lust an hilflosen Frauen abreagiert“ sagte sie freundlich. Ich habe euch nicht nur das „Können“ genommen, sondern auch das „Wollen“. Ihr werdet keine Gefahr mehr für die Menschheit sein, und die Dämonen, die ihr anrufen wolltet, werden sich an euch gütlich tun.“

Die Polizisten hatten nichts von dem Verstanden, was da vor sich ging, die Täter dafür um so besser.

Einer griff unter die Decke in seinen Schritt. Ungläubig zog er seine Hand wieder heraus und flüsterte etwas zu seime Nachbarn, woraufhin auch dieser sich in den Schritt fasste. Nichts. Glatt war es da. Kein Pimmel mehr. Nur noch eine Spalte. Iset hatte ihnen ihre Männlichkeit komplett genommen und als Frauen zurückgelassen. Sie konnten es nicht glauben.

Iset sagte zu den Polizisten: „Wir wohnen in Suite Nr. 121, morgen stehen wir ihnen gern für Fragen zur Verfügung. Wir sind sehr müde. Gute Nacht.“

Den Teufelsanbetern, jetzt musste man wohl sagen „Teufelsanbeterinnen“ flüsterte sie direkt in die Köpfe: „Viel Erfolg mit eurem neuen Geschlecht. Wer sich mit schwarzer Magie abgibt, muss die Konsequenzen tragen!“

Hoheitsvoll, mit hocherhobenem Kopf schritt Iset, gefolgt von Nebbie und Frank davon.

Erst als sie um die nächste Ecke waren, schauten die Drei sich an und lachten. Nebbie sagte: „Denen hast du es aber gegeben. Aber so war es richtig. Die werden keinen Frauen mehr Gewalt antun.“

Nebbie verabschiedete sich hier von ihnen und eilte zum Strand hinunter, wo Urs sicherlich schon sehnsüchtig auf sie wartete. Frank und Iset gingen Hand in Hand zu ihrer Suite.

„Was für ein Tag“ seufzte Iset, als sie endlich nebeneinander im Bett lagen. Sie kuschelte sich in Franks Armbeuge und war sofort eingeschlafen.

Iset träumte. Sie träumte vom Tempel und dem Klingeln der Sistren, die den Monotonen Gesang der Priesterinnen übertönten. Weihrauch durchzog den Raum. Wieder schrillten die Instrumente. Iset wachte auf. Es schrillte weiter.

Keine Sistren, Das Telefon klingelte.

„Hallo, hier ist Vanessa. Entschuldige die Störung, aber ich habe solche Angst. Ich kann jetzt nicht allein sein, bitte hilf mir!“

Iset hätte aus Holz sein müssen, um auf einen solchen Hilferuf abweisend reagieren zu können.

„Ich komme“ war alles, was sie sagte. Frank lag dort im Halbschlaf und schaute sie durch halb heruntergelassenen Augenlider an: „Was ist?“

„Ich muss Vanessa beistehen. Schlaf weiter.!“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Stirn, griff einen Bademantel und ging hinaus.

Vannesas Zimmer war ganz in der Nähe. Sie klopfte an.

„Wer ist da?“

„Ich bins, Iset.“

„Gott sei Dank!“ die Tür wurde geöffnet und Vanessa warf sich ihr an den Hals, sie zitterte am ganzen Körper. Tränen benetzten Isets Schulter.

Iset klopfte ihr begütigend auf den Rücken. „Ist ja gut, Vanessa. Ich bin ja bei dir. Wir werden sehen, was wir gemeinsam tun können.“

„Ich habe einen Vorschlag“ sagte Iset. „Wie gehen gemeinsam in dein Bett und besprechen dort alles weitere, ja?“

„...ja...“ kam es kleinlaut von Vanessa zurück, „wenn du meinst?“

Ohne nachzudenken war sie in der Anrede in das „Du“ verfallen.

Iset warf ihren Bademantel über den Stuhl und stand nackt vor ihr. Vanessa wusste nicht, wohin mit ihren Augen.

„Worauf wartest du, Vanessa. Zieh dich aus und komm ins Bett“

„Ich genier mich so. Ich kann mich doch vor anderen nicht einfach ausziehen.“

„Im Bad gings doch, dann wird es hier auch gehen. Ich will dir nur helfen, und das geht am besten so, glaub mir einfach.“

Zögernd legte Vanessa Hemd und Hose ab und wusste nicht, wie sie sich hinstellen sollte. Iset munterte sie wieder auf: „Schnell unter die Decke!“

Iset schlüpfte als erste unter die Decke und hob einen Zipfel einladen nach oben. Vanessa kam endlich zu ihr.

„Nun, war's so schlimm?“

„Eigentlich nicht, aber es ist doch Sünde, wenn zwei Frauen miteinander im Bett liegen?“

„Wer hat dir denn so 'nen Scheiß beigebracht?“ schimpfte Iset. „Sünde, das ist Lügen, Betrügen, Mord und Vergewaltigung. Aber es gibt doch keine Vorschrift, wer sich zu wem ins Bett legt.“

„... Ich habe immer gelernt, dass nur Mann und Frau miteinander nackt im Bett sein dürfen, sobald sie das Heilige Sakrament der Ehe empfangen haben. Alles andere sei Sünde.“

„Dann sage ich es dir jetzt, dass das kompletter Quatsch ist. Liebe Vanessa, ich spüre, dass du ein ganz liebes Mädchen bist, aber irgendwer hat dir vollkommen verquere Moralvorstellungen eingepflanzt. Wer hat dir das beigebracht?“

„Ich bin auf eine Klosterschule gegangen, und was die sagen, muss doch richtig sein,oder?“

„Nicht im mindesten! Auch die plappern nur nach, was andere ihnen eingetrichtert haben, Gerade die haben vom wahren Leben und der Wahrheit keine Ahnung.“

„Und du hast sie?“ fragte Vanessa, jetzt leicht aufgebracht, „mit welcher Berechtigung“

„Ich bin Priesterin, liebe Vanessa, bald werde ich die oberste Priesterin der Göttin sein. Ich bin Iset.“

Vanessa erschrak. „Das erst Gebot lautet: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“ Es gibt nur den lieben Gott, und der ist männlich, so steht es geschrieben!“

„Und ich sage: Es gibt wirklich nur einen Gott, und dessen Geschlecht ist nicht relevant. Wir sehen Gott als weiblich an, und zwar schon seit tausenden von Jahren, lange bevor es ein Christentum gab und lange bevor Mose aus Ägypten auszog. Und das, was der Gott, über den du etwas gelernt hast, und die Göttin, der ich zu dienen lebe, gemeinsam haben, ist die Liebe. Ihr sagt, „der liebe Gott“. Aber wie lieb ist er laut eurer Bibel wirklich? Das erste Gebot geht weiter: „Denn ich, euer Gott bin ein eifersüchtiger Gott.“ und da hört es mit den Gemeinsamkeiten schon wieder auf. Bei uns gibt es keine Eifersucht. Wir sagen: Es gibt ein einziges göttliches Prinzip, und alles andere sind Manifestationen des gleichen Gottes.“

Deine Bibel sagt nicht, dass es keine anderen Götter gibt, dass wird von euren Nonnen verschwiegen, aber wenn dort steht, dass ihr nicht „andere haben“ sollt, dann muss es sie doch geben, oder?

Der Islam ist da konsequenter, er sagt: Es gibt keinen Gott außer Gott. Und auch das ist nach meinem Gottesbegriff richtig. Nur das, was alles danach kommt, ist zum großen Teil Politik und nicht Religion. Wenn aber Politik mit dem Absolutheitsanspruch zur Religion gemacht wird, dann muss ich ein ganz großes Fragezeichen setzen. Religion darf kein Freibrief dafür sein,den eigenen Verstand abzuschalten! Mädchen, denk nach, und entscheide verantwortlich selbst! Plapper bitte keine Parolen nach, damit ist schon genug Unheil angerichtet worden.“

Der Gesichtsausdruck von Vanessa entspannte sich. „Ich fühle, dass du gut zu mir bist. Auch wenn du eine heidnische Priesterin bist, ich bin dir dankbar, dass du helfen willst. Ich verspreche dir, dass ich über das, was du gesagt hast, nachdenken will.“

Iset lächelte das verschreckte Mädchen liebevoll an. „Die Göttin ist die Göttin der Liebe. Sie hat uns zu dir geführt, als du in Not warst, und ich bin stolz darauf, ihr dienen zu dürfen. Die Männer, die dich überfallen haben, sind schon bestraft worden, sie werden niemals wieder einer Frau Gewalt antun. Wenn du es zulässt, werde ich dich auch von deinen seelischen Wunden heilen.“

„Das Bewusstsein, dass du eine Heidin bist, macht es mir schwer. Aber ich werde mich darauf einlassen.“

„Gut, also sieh mich dann nicht als Heidin oder gar als heidnische Priesterin an, sondern als Freundin. Stell dir vor, ich sei deine beste Freundin, kannst du das?“

„Ja, das ist besser. Mein Gefühl sagt mir, dass du mir wohlgesonnen bist, bei dir fühle ich mich eigentlich wohl und möchte mich entspannen.“

„Dann hör endlich auf dein Gefühl und entspanne dich. Kuschel dich an mich, streichle meine Haut und lass dich von mir streicheln, wir brauchen eine gewisse Vertrautheit und wir müssen uns miteinander wohl fühlen.“

Als Iset ein wenig enger an Vanessa heranrückte, fühlte sie, wie diese sich wieder versteifte. „Entspann dich, Vanessa, lass dich fallen, versuch einfach mal, nicht zu denken, schließe deine Augen und folge deinen Gefühlen. Ich bin bei dir, ich beschütze dich, niemand tut dir Böses.“

Iset griff ihr in den Nacken, massierte dort leicht und kraulte den Haaransatz.

„Das fühlt sich gut an“ kam es leise von Vanessa, „bitte mach weiter.“

Iset fühlte, wie der Körper Vanessas weicher wurde unter ihren Händen. Sie streichelte sie großflächig, den ganzen Rücken, die Wirbelsäule entlang bis hinunter zu den weichen, runden Pobacken. Offenbar hatte Vanessa mit körperlichem Training nicht viel zu tun, denn viel an Muskeln hatte sie nicht zu bieten, alles war weich. Weiter dehnte Iset das Tätigkeitsfeld ihrer kundigen Hände aus, streichelte die Beine von unten nach oben, begann an der Außenseite und mit festem Strich glitt sie hoch bis zu den Hüften, dann war die Innenseite dran, aber weil sie Vanessa nicht verschrecken wollte, hörte sie vor Erreichen des Intimbereiches auf. „Du darfst mich auch anfassen, wenn du magst,“ flüsterte Iset ihr ins Ohr, „ich mag auch gern gestreichelt werden. Und du wirst sehen, das selbst Streicheln ist auch schön.“

Scheu streckte Vanessa die Hand nach Iset aus. „Fass mich ruhig richtig an. Ich zeigs dir. Mach du einfach nach, was ich dir an deinem Körper vormache.“

Und so streichelten sie sich bald wechselseitig im Gleichklang. „Prima machst du das. Und nun leg dich auf den Rücken!“

Nun hatte Vanessa offenbar ihre Scheu verloren und drehte sich um. Iset erhaschte dabei einen Blick auf ihren dichten dunkelblonden Busch zwischen den Beinen, bevor sie die Decke wieder darüberzog. Nun streichelte Iset ihr den Bauch, immer darauf bedacht, Vanessa nicht zu kitzeln, aber sie bezog langsam auch die Brüste in das Spiel ihrer Hände mit ein, und Vanessa versuchte es ihr gleich zu tun, was ihr wegen der Lage des Körpers aber nur teilweise gelang. „Nun, wie fühlst du dich, Vanessa?“

„Einfach schön!“

„So soll es sein. Ich werde das Streicheln jetzt intensivieren, und du wirst sehen, es wird noch schöner! Lass dich fallen, entspann dich, folge ganz deinem Gefühl.“

Iset fing an, die Brüste Vanessas zu kneten und zu streicheln, und vorsichtig, zuerst wie rein zufällig strich sie auch mit der flachen Hand über die Nippel, die unter dieser Behandlung fest wurden und sich aufrichteten. Iset hörte, wie Vanessas Atem sich veränderte, wie sie gelegentlich die Luft einzog und lächelte dabei. Offenbar gefiel es ihr, denn bisher hatte sie noch nicht protestiert. Nun kam schon die nächste Stufe, die direkte Behandlung der Nippel mit den Fingern.

„Was machst du mit mir, mir wird ganz komisch, Unten zieht sich mein Leib zusammen und mir wird nass!“

„Wenn du das Gefühl nicht kennst wird es höchste Zeit, dass du deinen eigenen Körper kennenlernst. Das ist die natürliche Reaktion auf liebevolles Streicheln, das soll so sein. Genieße es einfach.“

„Und wie kommt das, dass es hier unten so kribbelt?“

„Deine Muschi möchte auch gestreichelt werden. Das ist auch normal. Ich helfe dir.“

und vorsichtig fuhr Iset Vanessa mit den Fingern durch den dichten Busch, teilte die Haare mit den Fingern und zeichnete mit der Fingerspitze die Konturen ihre Lippchen nach.

„Das ist so schön, bitte mach weiter!“

„Mach du auch bei mir, wenn du magst, ja?“

Iset kümmerte sich nun intensiver um die Muschi und teilte vorsichtig die Lippen, um auch die feuchte Innenseite des Spaltes zu liebkosen. Mit der Fingerspitze umkreiste sie die Clit, immer darauf bedacht, den Reiz nicht zu stark werden zu lassen. Vanessa sollte ja nur genießen. Vanessa langte mit der Hand vorsichtig und scheu zu Iset hinüber um deren Muschi zu erreichen. „Warum hast du da keine Haare?“ fragte sie.

„Aus mehreren Gründen“ antwortete Iset, „einmal gilt bei uns Körperbehaarung als unrein und wird vollständig entfernt, aber es ist auch schöner, wenn dort keine Wolle stört, man kann das Gefühl, wenn man sich streichelt oder gestreichelt wird, viel besser genießen.“

Neugierig geworden, betastete Vanessa die völlig glatte Spalte, die wunderbar weichen Lippchen und fühlte wie auch Iset die Feuchtigkeit heraus quoll.

„Du bist ja auch ganz nass, da unten“ sagte Vanessa

„Klar, mir ist ja auch schön, was du da mit mir machst, und damit sagt mein Körper, dass er mehr will. Das Signal heißt: weitermachen“

„Gut, dann lass uns dem Körpersignal folgen. Ich habe das noch nie gefühlt, das ist sooo schön!“

Iset knetete nun mit einer Hand Vanessas Brust und ließ die andere mit der Muschi spielen, wobei sie auch zwischen den Lippchen tätig wurde, aber ihren Finger nicht zu tief eindringen ließ, um das frisch verheilte Jungfernhäutchen nicht zu gefährden. Aber sie tastete sich immer mehr an die Clit heran und reizte diese schließlich direkt mit dem Finger, während sie mit der anderen Hand die Brustwarze direkt reizte. Dann beugte sie sich zu Vanessas Brust herunter und zog die Brust in ihrem Mund, lutschte richtig daran. Vanessa hielt die Augen geschlossen und stöhnte auf. „Das ist so toll, mach weiter, gib mir mehr davon!“ Ihr Körper wurde unruhig und ihr Becken fing an sich zu bewegen, streckte sich der liebkosenden Hand entgegen. Iset nahm nun die kleine Lustperle zwischen Daumen und Zeigefinger und drückte zärtlich und rhythmisch dagegen. Vanessas Unruhe wuchs, Iset konnte die Symptome richtig deuten und wusste, gleich würde es soweit sein. Wieder zog sie saugend die Brust Vanessas in ihren Mund, zwirbelte gleichzeitig an der anderen Brustwarze. Dann war es so weit. „Wie wird mir“ fragte Vanessa noch, dann krampfte sich ihr Unterleib in Konvulsionen zusammen und ihre Muschi zuckte, öffnete und schloss sich im Wechsel, ihr Körper warf sich hin und her, als ob die Kontrolle darüber verloren gegangen war. Vanessas Atem ging hektisch und sie verdrehte die Augen, auch darüber hatte sie die Kontrolle verloren.

Als die Wellen angeklungen waren blieb Vanessa erschöpt auf dem Rücken liegen, dann schlug sie die Auge auf und sah Iset in die Augen, die ihre zulächelte.

„Was ist mit mir geschehen, Ich habe Farben gesehen, dieses Gefühl, das ich nicht beschreiben kann, das war so schön, was war das?“

Iset lächelte: „Das, liebe Vanessa, war ein Orgasmus, wenn ich es richtig sehe, offenbar der erste deines Lebens. Es ist der Höhepunkt der körperlichen Liebe, man kann sagen, dass wir beide uns eben geliebt haben!“

„Oh, Gott, und mir hat man beigebracht, das sei Sünde!“

„Das ist es ganz bestimmt nicht. Das gleiche, nur vielleicht noch intensiver, kannst du bei der Liebe zwischen Mann und Frau erleben, aber du musst damit verantwortungsvoll umgehen, denn aus der Liebe zwischen Mann und Frau entstehen Kinder, wie du weißt. Das ist nichts, was man leichtfertig macht, der Spaß und das schöne Gefühl ist das eine, die Verantwortung für die Zukunft das andere. Mit Sünde hat es aber gar nichts zu tun.

Und nun, wo wir dieses Schöne miteinander erleben durften, will ich dich auch von den Nachwirkungen des Verbrechens heilen, Das geht aber nur, wenn du mir vollkommen vertraust!“

„Tut das weh?“

Iset lachte leise auf „Nein meine Freundin, das tut nicht weh. Wir beginnen am besten mit einer Vorübung. Hast du schon mal geküsst?“

„Klar doch, meine Mami und meinen Papa.“

„Vanessa, du bist schon zwanzig, aber innerlich noch ein Kind. Es wird Zeit dass du erwachsen wirst. Ich meine so richtig geküsst, mit Einsatz der Zunge?“

„Ihh, wie das denn?“

„Ich zeigs dir. Küss mir auf den Mund und öffne dabei die Lippen und die Zähne.“

Iset zog Vanessas Kopf zu sich, ihre Münder trafen sich und sie ließ ihre Zunge auf Wanderschaft gehen. Ganz scheu und vorsichtig bewegte jetzt auch Vanessa ihre Zunge. Nun umspielten sich die beiden Zungen und rutschten umeinander herum, drückten aneinander, dann aneinader vorbei. Vanessa schien langsam Spaß an dem Spiel zu finden und wurde ihrerseits aktiver. Dann trennten sich ihre Münder. „Hast du jetzt verstanden, was ich meine, den Unterschied zwischen Küsschen und richtigen Küssen?“

„Ja. Das war richtig schön. Können wir das gleich nochmal machen?“

„Ja, das werden wir. Ich werde dir jetzt wieder ein Gefühl verschaffen, das du richtig genießen kannst, weil dieses Gefühl dich auch für meine Heilkräfte öffnet, und dann wirst du kurz ein blaues Licht sehen....“

Vanessa unterbrach. „ Wie das blaue Licht, als deine Schwester mich geheilt hat? Obwohl ich eine Augenbinde trug?“

„Genau, und dann wird dir eventuell schwindlig, aber danach geht es dir besser.“

„Dann mach, Iset. Ich vertraue dir.“

Iset und Vanessa küssten sich wieder, und Iset knetete gleichzeitig ihre Brust und griff ihr von Hinten durch den Schritt um ihre Spalte zu reizen, fand die Clitoris und zwirbelte daran herum, mit dem Ziel, Vanessa so schnell wie möglich wieder zum Orgasmus zu treiben. Sie spürte schon wie Vanessa unruhiger wurde und ihre Atem hektischer. Als dann der Unterkörper sich zusammenzog, drückte sie ihre den Sternenstein auf den magischen Punkt in ihrem Nacken. Es gab einen kleinen Elektrischen Schlag an Isets Hand, die den Ankh-Anhänger hielt und ein blauer Lichtschimmer zog kurz über Vanessas Körper. Vanessa war dabei in tiefe Bewusstlosigkeit gefallen.

Iset kontrollierte Atmung und Herzschlag. Alles normal, der Göttin sei Dank. Es war ein Risiko gewesen, sie, deren Gedankenwellen nicht auf den Stein abgestimmt waren, damit in direkten Konakt zu bringen, aber sonst wäre eine Heilung auf diese Weise nicht möglich gewesen. Das Risiko war es wert, fand sie.

Vanessa schlug die Augen auf und lächelte: „Ich hab geträumt, dass wir uns auf einer grünen Wiese an einem See in aller Öffentlichkeit geliebt hätten und es war wunderschön und es war mir überhaupt nicht peinlich.“

„Das ist ja prima. Ich glaube du fängst an zu begreifen. Ich werde dich jetzt alleine schlafen lassen, du bist geheilt und ich prophezeie dir, du wirst wunderbar schlafen. Wir treffen uns beim Frühstück. Jetzt muss ich wieder zu meinem Mann, der meldet mich sonst als vermisst.“

„Danke Iset. Ich weiß, ich habe mich dumm benommen. Aber bitte bleib du meine beste Freundin, ich habe sonst keine.“

Iset gab ihr wieder einen ganz lieben Kuss und sagte: „Gerne, Vanessa. Alles Gute weiterhin. Du kannst auf mich zählen!“

Dann zog sie sich rasch den Badematel über und huschte aus der Tür.

Vanessa lag glücklich im Bett, überdachte, was ihr soeben widerfahren war und lächelte vor sich hin, und mit diesen Gedanken kamen schon die Träume und der Schlaf über sie.

Ich muss hier mal wieder ein großes Lob für die tolle Fortsetzung loswerden ;). Freu mich schon auf den nächsten Teil!

Es ist einfach fassszinierend!

Welche Wendungen und Krümungen diese Geschichte nimmt und doch die Linie weiter verfolgt.

Diese Geschichte ist so schön geschrieben, ich möchte sie nicht missen.

Es grüßt der Adriaskipper

6 Tage später

Beat erwachte durch ein charakteristisches Ziehen im Hinterkopf, dann „hörte“ er auch schon Niits Stimme in seinem Kopf: „Guten Morgen, Schlafmütze. Hab' dich vermisst heute Nacht. Gut geschlafen?“

„Ja, Liebling, wenn man von der Aufregung vorher mal absieht“ und dann erzählte er die Erlebnisse des Vorabends.

„Schade, dass ich nicht dabei war. Ich hätte denen gerne noch was verpasst...“

„Iset hat es getan. Ich weiß nicht was, ich war nicht dabei, als sie es tat, aber sie wollte dafür sorgen, dass sie nie wieder einer Frau Gewalt antun können.“

„Dann ist es ja gut. Aber ich wäre wirklich gerne bei euch, nur die Ermittlungen hier werden heute meine ganze Aufmerksamkeit brauchen Übrigens habe ich eine Idee, wie wir uns vielleicht sehen können. Frag bitte Iset, ob sie ihre Silberschale und etwas heiliges Wasser dabei hat. Wenn Du das Wasser in der Schale hast, und deinen Sternenstein da hinein legst, müssten wir uns sehen können, weil der Sternenstein, als er in deinem Bauchnabel gelegen hat, uns beide gleichzietig in dem magischen Moment berührt hat, wo wir uns geliebt haben, und diese Magie sollte er noch gespeichert haben. Dann kannst du mich in der Schale sehen und ich dich vielleicht auch.“

„Ich werde sie fragen. Ich wünsch dir heute viel Erfolg, Niit. Ich liebe Dich!“

„Ich liebe Dich, Beat. Bis später!“

Beat war etwas erschöpft. Es war schwierig gewesen, die Verbindung über die große Entfernung hin aufrecht zu erhalten. Wegen der Schale würde er gleich nachher mit Iset sprechen.

Unversehens erklang wieder eine Stimme in seinem Kopf „Hallo Beat, kann ich hereinkommen?“ Es war Iset-junior.

„Natürlich kannst du. Guten Morgen! Was gibt’s?“

„Ich komme wegen der Medizinbücher.“

„Ach so, hier, schau dich um.“

„Ich möchte zuerst ein Buch, wo drin steht, wie alles im Körper funktioniert, und wo genau die einzelnen Organe sitzen. Hast du so etwas hier?“

„Ja, ich habe meinen Anatomie-Atlas, obwohl der Stoff schon zum Physikum geprüft wurde. Den kannst du gerne benutzen. Sonst noch was? Ich muss ja gleich zur Basis rüber und habe zum Lernen erst heute abend wieder Zeit, bis dahin kannst du dir nehmen, was du willst. Am besten, du liest hier in diesem Zimmer, dann werden die Bücher nicht beschädigt und wenn ich sie brauche, sind sie da. Ich lass dir die Türe auf.“

„Danke, Beat“ sagte Iset, die das Anatomiebuch schon aufgeschlagen hatte und ihre eigenartige Weise zu Lesen schon begonnen hatte. Iset las nicht mit den Augen, sie las mit dem Körper, sie sah die Seite, nahm das, was dort stand, in ihren Kopf auf, fuhr mit der flachen Hand darüber und spürte, was der Autor alles damit gemeint und hineingelegt hatte. Anschließend war der Inhalt der Seite in ihr abgespeichert.

Iset war ungeduldig. Es ging ihr zu langsam, so zu lesen, sie schaffte nur sechs Seiten in der Minute. Sie probierte etwas Neues aus: Sie aktivierte ihren Sternenstein, biss er sein helles blaues Licht abstrahlte, nahm das geschlossene Buch in die Hand und hatte nun alle Seiten auf einmal im Blick. Das war die Lösung!

Beat kam aus dem Bad und wunderte sich: „Was machst du denn da?“

„Ich lerne, was in den Büchern steht! Die Hälfte hab ich schon durch.“ dabei machte sie unverdrossen weiter.

„Kann man so lernen? Kannst du denn so sehen, was in dem Buch alles drin steht?“

„Ob man das kann, interessiert mich nicht, ich jedenfalls kann es. Vielleicht probierst du es auch mal.“

„Du kannst mir heute abend dabei helfen. Jetzt muss ich zum Frühstück, damit ich pünktlich bei der Arbeit bin. Kommst du mit?“

„Gerne. Hunger hab ich fast immer.“

Beat und Iset kamen in ein halbleeres Restaurant und konnten sich den Tisch aussuchen. Sie wählten eine Platz am Fenster, wo sie aber gut übersehen konnten, wer hereinkam. Plötzlich sagte Iset: „Schau, da kommt doch Vanessa!“ Diese bemerkte sie aber nicht, sondern suchte sich einen Platz in einer dunkleren Ecke, als wolle sie möglichst nicht gesehen werden. Iset sprang auf und lief hinüber: „Hallo Vanessa, setz dich doch zu uns!“

Vanessa blickte sie zuerst verwundert an, dann aber flackerte Erkennen auf: „Warst du gestern abend auch dabei?“

„Ja, war ich, und Beat auch. Sag mal, bist du ganz alleine hier?“

„Ja, meine Eltern haben mir diese Reise zum Abitur geschenkt. Und da ich das Wasser liebe und gerne schnorchle, bin ich jetzt hier. Aber außer dem Wasser ist hier ja auch nichts los.“

„Hast du noch gar keine Ausflüge gemacht?“

„Nee, zu teuer.“

„Dann komm, ich sehe gerade, Frank und meine Mama kommen herein.“ sie winkte „Hallo, Mami!“

Als Vanessa Iset erkannte, ging ein Strahlen über ihr Gesicht. „Hallo Iset, guten Morgen! Ich bin dir ja so dankbar, dass du mir heute Nacht geholfen hast. Ich habe dann sofort geschlafen und bin heute morgen ganz erfrischt aufgewacht. A-hem...“ verlegen räusperte sie sich, „ich danke natürlich euch allen, wer weiß, was sonst passiert wäre, wenn ihr nicht gekommen wärt.“

Iset antwortete: „Denk nicht drüber nach! Vielleicht sollte es so sein, nur damit du uns begegnen konntest. Sieh immer das Positive. Ohne die Schurken, wären wir uns wahrscheinlich doch nie begegnet. Wolltest du nicht immer schon eine Freundin haben?“

„Du hast recht. Aber niemand hat sich bisher mit mir abgeben wollen..“

Die kleine Iset meldete sich zu Wort: „Da hast du zu einem guten Teil auch selber Schuld dran. Ich hab gesehen, wie du dich in die hinterste Ecke verkriechen wolltest, damit ja keiner dich zur Kenntnis nimmt. Wer Freunde sucht, muss aktiv auf die Menschen zugehen. Schau mich an, wo ich hinkomme, sofort hab ich Freunde.“

„Ach, was weisst du schon...“ wehrte Vanessa ab, aber Iset ließ nicht locker. „Du darfst dich nicht verstecken. Wenn du wartest, bis jemand kommt und dich aus deiner Ecke zerrt, wirst du alt und grau. Sprich mit den Menschen, vor allem stelle Fragen,denn die Menschen sind so, dass sie eigentlich ganz gerne über sich erzählen, und höre zu. Schau mich mal an.“ Iset hatte eindringlich gesprochen und Vanessa blickte in die Augen der kleinen Iset. Vanessa wurde schwindlig von dem Blick, diesen tiefen unergründlichen schwarzen Augen. Sie kam erst wieder zu sich, als Iset ihr verkündete: Ich weiss gar nicht was du hast. Du könntest viele Freunde haben. Du bist nur völlig gehemmt und verklemmt. Soll ich dich davon befreien?“

Diese Worte aus dem Mund eines Kindes belustigten Vanessa, die die kleine Iset für ein ganz normales Kind hielt, sie konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass diese Kleine wirklich die Macht oder die Kraft haben könnte, eine solche Ankündigung in die Realität umzusetzen.

Spöttisch sagte sie: „und wie willst du das anstellen?“

„Och, ganz einfach. - Beat, gib mal eben deine Hand, ich muss mir ein wenig Energie von dir ausleihen.“ Sie streckte die Hand aus und Beat ergriff sie. Dann griff Iset mit der anderen Hand an Vanessas Stirn, es gab einen kleinen Funken, wie bei einer elektrostatischen Entladung. „Aua“ sagte Vanessa, „Was soll das?“ Aber unbeeindruckt drückte Iset ihren Finger auf Vanessas Stirn. „Fertig!“ verkündete sie schließlich. Die anderen sahen sie alles verwundert an, nicht einmal ihre Mutter konnte sich einen Reim daraus machen, was ihre Kleine da gerade gemacht hat.

Vanessa sagte: „Und was sollte das? Ich hab nichts gemerkt, ich fühle mich genau wie vorher. Bist du ein bisschen geltungsbedürftig oder was sollte das?“

„Wenn ich sage, ich werde dir helfen, dann ist es auch so. Ich habe dich von deinen Hemmungen ein wenig befreit und dafür gesorgt, dass du Freude etwas intensiver empfinden kannst. Deine komischen Vorstellungen von der Welt kann ich dir nicht nehmen, da musst du selber mit klarkommen, aber ich habe es dir erleichtert. Natürlich merkst du nichts, das wäre ja auch noch schöner, wenn man so was merken könnte, aber bald wirst du merken, dass du besser auf Leute zugehen kannst.“

Mutter Iset fragte sie jetzt: „Und was hast du da gemacht?“

„Ich hab die Serotoninergen Synapsen ein wenig gestärkt, Da muss man natürlich ganz vorsichtig mit sein, aber ein kleines bisschen schadet nicht. Ich wollte nicht so weit gehen, dass die Krampfschwelle sinkt. Aber diese kleine Korrektur, das hat ihr gefehlt. War nicht schwer.“

Iset antwortete: „Und wenn du glaubst, dass ich was davon verstanden habe, dann täuscht du dich. Beat, hast du was verstanden?“

„Natürlich, das ist doch medizinisches Examenswissen. Aber ich wusste nicht, dass man da direkt eingreifen kann. Wenn man in dem Bereich mit Medikamenten Einfluss nehmen will, dann ist das meist mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Und jetzt kommt da ein junges Mädchen, lernt mal eben mein Medizin-Lehrbuch auswendig und macht hier Hirnorganische Eingriffe. Das verstehe ich allerdings auch nicht.“

„Nun habt euch doch nicht so.“ gab die Kleine zurück. „Ich weiss genau was ich tue, und es geht doch um Vanessa. Ich musste ihr einfach helfen.“

„Ja,“ sagte Beat. „Bei dir hab ich aufgehört, mich zu wundern, ich glaube du kannst alles. Ich glaube, ich bin inzwischen dein größter Fan. Du bist einfach unvergleichlich.“

Die Kleine strahlte ihn an. „Und bei unserer ersten Begegnung wusstest du noch nicht, ob einer von uns beiden 'nen Knall hat.“ sprach sie lautlos direkt in seinen Kopf. Sie wollte nicht, dass die anderen mithörten. Dann wandte sie sich an Vanessa. „Du kannst jetzt gleich anfangen, mit dem Freundschaft schließen. Du musst uns einfach nur fragen, ob wir deine Freunde sein wollen. Aber denk dran: Du selbst musst aktiv werden, und nicht darauf warten, dass die anderen auf dich zu kommen!“

Vanessa zögerte noch etwas, dann überwand sie sich. „Gut denn. Willst du meine Freundin sein?“

die kleine Iset strahlte sie an. „Na klar doch. Du weisst doch, dass wir damit schon angefangen haben. Freundschaft, das heißt geben, ohne an den Eigennutz zu denken, und zusammen zu stehen, wenn der andere Hilfe braucht. Freunde kann man nie genug haben. Aber ich sag dir noch was: Freunde müssen auch immer offen und ehrlich zueinander sein. Wenn der eine Hilfe nötig hat, muss er auch zulassen, dass der Freund ihm hilft. Andererseits darf es nicht so weit gehen, dass man sich gegenseitig auf die Nerven geht. Alles Klar?“

„Ja, meine neue Freundin. Und ich hab dich für ein kleines dummes Mädchen gehalten, dabei bist du viel weiter als ich. Ich glaube, ich muss noch viel lernen.“

„Du musst auch lernen, wem du vertrauen kannst. Vertraue niemals blind, sondern lass auch deinen Verstand und dein Gefühl dazu Stellung nehmen. Ich fühle immer, wenn jemand mir nicht wohl gesonnen ist. Und bei dir habe ich nur deine Unsicherheit gefühlt, die aber jetzt langsam weicht.“

Mutter-Iset schaltete sich ein. „Ich hab dir ja schon gesagt, dass du auf mich zählen kannst, dann sind wir also schon zwei. Wir sollten übrigens auch noch unsere Adressen austauschen, damit wir einander später erreichen können, wenn wir wieder zuhause sind.“

Beat sendete die Frage in ihren Kopf: „Wie ist es mit der Geheimhaltung der Lage eures Landes?“

aber Iset antwortete auf dem gleichen Weg: „Keine Sorge, wir haben eine unverfängliche Kontaktadresse außerhalb.“

Nebbie traf ein und verkündete fröhlich: „Guten Morgen zusammen, Urs ist schon bei der Arbeit, er wollte kein Frühstück, er wollte lieber noch etwas länger im Bett bleiben. Ich werd' ihm gleich noch ein bisschen herunter bringen. - Ach da ist ja Vanessa. Hallo, wie geht es dir? Hast du einigermaßen geschlafen? Wenn nicht, wäre das kein Wunder, bei dem, was du durchgemacht hast.“

„Nein, das war ganz anders, erst konnte ich nicht schlafen, dann habe ich Iset um Hilfe gerufen und sie hat mir geholfen. Jetzt ist alles gut.“

„Und, hast du schon ein wenig nachgedacht, über den Wert der Jungfräulichkeit an sich und im Besonderen?“

„Dazu hatte ich noch keine Zeit, aber ich glaube, ich beginne zu verstehen, was du mir sagen wolltest. Ach ihr seid alle so lieb zu mir, ich weiß überhaupt nicht, womit ich das verdient habe.“

„Du musst lernen, dass es so etwas geben kann, auch ohne dass man es sich vorher verdienen muss. Aber vielleicht kannst du dich selbst verpflichten, das, was du an Gutem empfangen hast, von dir aus auch wieder weiterzugeben. Das Gute uneigennützig weitergeben, das ist es, was Jesus gemeint hat als er gesagt hat: „Was ihr getan habt dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan!“

„Du bist doch eine Heidin, wie kommt es, dass du die Bibel so gut kennst?“

„Ich bin schließlich nicht weltfremd. Für mich ist Jesus nicht der liebe Gott, sondern nur ein Teilaspekt. Aber er hat es immer gut gemeint. Wenn du in seinem Sinne handelst, dann machst du nichts falsch. Bei seinen Nachfolgern bin ich da etwas anderer Meinung. Aber darüber will ich jetzt nicht diskutieren.

-*-

Niit saß im Aufenthaltsraum des Grauen Hauses. Mit der Befragung der Mädchen war sie schon ein gutes Stück vorangekommen. Einige der hier Beschäftigten waren tatsächlich von Sinwe „rekrutiert“ worden, das heißt, unter falschem Vorwand aus ihrer Heimat weg gelockt und dann zum Dienst bei ihm gezwungen worden, wobei er insbesondere mit grausamen Strafen großzügig umgegangen ist. Niemand blieb davon verschont. Und wenn er ihrer überdrüssig geworden war, hatte er sie zu Perwas ins Graue Haus abgeschoben. Was Niits besondere Aufmerksamkeit erregte: Die Mädchen berichteten übereinstimmend von Todesfällen, Sinwe hatte tatsächlich einige der Mädchen und zwar im Beisein von Perwas, der dabei tatkräftig mitgeholfen hatte, zu Tode gequält, nicht als Strafe, sondern zu einem schwarzmagischen Ritus, weil offenbar irgendwelche Dämonen aus der Unterwelt das Leben einer Frau verlangten, als Preis für ihre Hilfe. Die Leichen sollte er irgendwo auf dem Gelände seines Hauses verscharrt haben, dafür gab es zwar Hinweise, aber keine Augenzeugen.

Jetzt machte sie gerade eine Pause und saß vor einer Tasse herrlich duftenden Kaffees,

als ihr auf die Schulter getippt wurde. „Du da, komm mit, dich will ich!“ eine heisere Männerstimme vermischt mit dem Geruch abgestandenen Alkohols drang zu ihr. Niit reagierte nicht, da zog der Kerl sie einfach hoch und sagte, diesmal mit ärgerlicher Stimme: „Ich hatte gesagt, du sollst mitkommen!“

Langsam drehte Niit sich um und sah in ein narbiges Gesicht mit blutunterlaufenen Augen, der Kerl musste sich ungefähr eine Woche nicht rasiert haben und er stank nach billigem Fusel, oder vielmehr nach Alkohol, der wieder ausgedünstet wird, genau das, was man eine „Fahne“ nennt.

Niit musste sich beherrschen und legte alle Freundlichkeit, die ihr zur Verfügung stand in ihre Stimme: „Wer etwas von mir will, sollte mich zuerst fragen. Dann entscheide ich. Ist das klar?“

„Was soll das denn? Ist das hier nu 'n Puff oder nicht? Ich will dich und ich krieg dich! Zier dich nicht so, Puppe!“

Niit musste sich beherrschen. Sie bemühte sich, weiterhin freundlich zu bleiben. „Bester Mann, du verkennst die Situation. Und mit mir solltest du dich besser nicht anlegen. Außerdem fordere ich den Respekt ein, der meiner Person zukommt, sonst hat das für dich Konsequenzen!Und zwar ernste!“

„Von wegen Respekt. Die sogenannten Damen, die hier arbeiten, tun es für Geld, nicht für Respekt.“ Und damit riss er sie am Arm grob zu sich hin und wollte sie mit der anderen Hand begrapschen. Niit machte eine einzige fließende Bewegung, ihr Bein stand mit dem Unterschenkel plötzlich hinter seinem und ein kleiner Stoß an seine Schulter genügte, dass er rückwärts über das Bein fiel und sich am Boden wiederfand.

Jetzt war es an Niit, ihn am Arm hochzuziehen, dabei machte sie aber eine schnelle Drehbewegung und sie hatte seinen Arm plötzlich in einer schmerzhaft verdrehten Haltung unter Kontrolle. Mit gefährlich leiser Stimme sagte sie zu ihm: „Ich hatte dich gewarnt, mit mir legt man sich besser nicht an.“ Und dann änderte sich ihr Tonfall, die Stimme wurde laut und scharf: „Im Namen der Göttin: Dreißig Tage Steinbruch wegen Angriff auf von der Göttin geschützte Personen, dann nochmal dreißig dazu, weil die Tat unter Alkoholeinfluss begangen wurde. Dazu ein Jahr striktes Alkoholverbot. Wirst du innerhalb dieses Jahres erwischt mit einer Schnapsfahne, verbringst du den Rest des Jahres im Steinbruch. Das Urteil wird sofort vollstreckt. Wächter, zu mir, abführen!“

Schlagartig war der Kerl nüchtern geworden. Seine Gesichtsfarbe wurde grünlichweiß, als er erkannte, mit wem er sich da angelegt hatte, aber nun war es zu spät . Der Wächter, der im Vorraum gesessen hatte, kam hereingestürzt und verbeugte sich diensteifrig vor Niit: „Ich bitte um Verzeihung, dass ich nicht in diesem Raum zur Stelle war, normalerweise passieren die meisten Übergriffe nebenan im Vorraum. - Wohin soll ich den hier bringen?“

„Er wird ab morgen im Steinbruch arbeiten. Jetzt erstmal zur Ausnüchterung in den Kerker. In der Zwischenzeit lasse ich das Urteil schriftlich festhalten.“

Als ob nichts geschehen war, wendete sich Niit wieder ihrem Kaffee zu. Der war jedoch inzwischen kalt geworden. Sie nahm noch einen Schluck und ließ den Rest in der Tasse stehen. Dann war sie für die nächste Befragung bereit.

-*-

Iset hatte beschlossen, Vanessa im Laufe ihres Urlaubs ein wenig unter die Fittiche zu nehmen. So lagen Frank Iset und Vanessa nun gemeinsam am Strand, die kleine Iset war in Beats Bude und zog sich gerade den Rest einer Medizinbücher herein, was man in ihrem Fall richtiggehend wörtlich nehmen konnte. Sie brauchte für ein Buch etwa so lange wie ein schneller Computer zum Download eines e-books. Und dann hatte sie alles, was drin stand in ihrem Kopf und sogar noch mehr, alle Gedanken und das was der Autor „zwischen den Zeilen“ geschrieben hatte, der unausgesprochene Zweck, das hatte ihre Magie auch erfasst und das alles wusste sie jetzt. Sie wollte Beat gerne helfen, für sein Examen die Bücher auch auf diese Art aufnehmen zu können. Sie überlegte fieberhaft. Beat war ihr inzwischen der beste Freund geworden, noch vor Frank, sie wollte unbedingt etwas für ihn tun.

Im Vergleich zu ihrem war sein Sternenstein riesig. Vielleicht konnte es das, was sie ihm an magischem Potenzial voraus hatte, ja ein wenig ausgleichen. An seinem Gehirn wollte sie nicht herum manipulieren, das könnte schief gehen. - Aber vielleicht, wenn sie es gemeinsam täten, das könnte klappen. Er mit seinem großen Sternenstein, sie mit der geballten Macht all ihrer Magie. Dann wäre er in einer halben Stunde mit dem Lernen für's Examen fertig..

Urs tauchte gerade wieder mit einer Anfängergruppe und Nebbie ging mit ihnen zusammen hinunter. Sie war zwar keine Anfängerin mehr, aber so konnte sie in Urs Nähe bleiben und er war ganz froh, nicht das einzige „Kindermädchen“ für die Tauchneulinge zu sein. Sie waren gerade unterhalb der Treppe am Stegende abgetaucht, als Carola, die Nebbie zugeteilte Tauchpartnerin, mit dem Handzeichen „ Handkante zur Kehle“ signalisierte, dass sie keine Luft bekäme. Nebbie sendete einen mentalen Ruf an Urs und war dann sofort bei ihrem Buddy. Nebbie riss ihren Octopus, das Zweitmundstück heraus und übergab es der anderen. Hektisch atmete diese, riesige Luftblasen entwichen, trotzdem signalisierte sie wieder „keine Luft“. Nebbie sendete an Urs ihre Diagnose: „Panikattacke, sie hyperventiliert! Wir müssen sie rausbringen!“

Zum Glück waren sie ja gerade erst abgetaucht, so dass keine Dekompressionsphasen einzuhalten waren. Nebbie ergriff ihre Hand und versuchte, beruhigende Impulse zu senden. Inzwischen war sie aber durch die Hyperventilation schon halb bewusstlos geworden. Nebbie drückte auf den rechteckigen Knopf an der Tarierweste ihrer Partnerin. Luft schoß hinein und durch den plötzlich vermehrten Auftrieb ging es rapide nach oben. Sie durchbrachen die Wasseroberfläche. Urs und Nebbie sahen sich an. „Wir kriegen sie da die Treppe nicht hoch.“

Nebbie hatte die rettende Idee: „Hier, der Zodiac, da kriegen wir sie rein. Los, komm, mach ihr die Flasche ab und dann ziehen wir sie rein und fahren auf den Strand!“

Gesagt, getan. Urs zog vom Boot aus, Nebbie half vom Wasser her. Die junge Frau war vollkommen verkrampft, die Hände zusammengekrampft in „Pfötchenstellung“ und alles an ihr zitterte. Irgendeine aktive Mithilfe war nicht zu erwarten. Endlich hatte Urs sie im Boot und Nebbie wuchtete sich über den roten Gummiwulst hinterher. Sie schaute sich auf dem Boot um, während Urs schon den Motor anwarf. Dort! Ein Plastiktüte, das war es, was Nebbie jetzt brauchte. Sie warf den Inhalt der Tüte auf den Boden und stülpte sie über Mund und Nase der Bewusstlosen, hielt dabei ihre Hand und versuchte, sich auf „Ruhe“ zu konzentrieren. Noch bevor sie das Ufer erreichten, schlug ihre Patientin die Augen auf. „Ganz langsam und ruhig atmen“ gab Nebbie ihr vor. „Es ist alles in Ordnung, wir sind im Trockenen!“

Urs rief kurz „Festhalten!“, da gab es auch schon einen Ruck und sie waren auf dem Strand. Carola, Nebbies Partnerin und jetzt Patientin wollte aufspringen, aber Nebbie drückte sie wieder auf den Boden. „Bleib bitte in Ruhe liegen. Hier brennt nichts an und dein Körper muss sich erstmal erholen. Hattest du schon früher mal Panikattacken?“

„Ja, so was habe ich manchmal.“

„Damit bist du nicht tauchtauglich. Dein Arzt hätte dir niemals das Tauchtauglichkeitszeugnis ausstellen dürfen. Wenn jetzt was passiert wäre, nicht auszudenken. Nun ist alles vorbei und es ist gut gegangen, aber du hättest da draußen genausogut ertrinken können, wenn wir dich nicht sofort richtig behandelt hätten. So leid es mir für dich tut, Tauchen ist für dich ab sofort gestrichen. Zu deinem Schutz, ich hoffe du siehst das ein.“

Carola nickte nur. Dann sagte sie „Danke für die Hilfe. Du hast recht, ohne dich könnte ich jetzt tot sein.“

Iset hatte das Schlauchboot kommen sehen und Nebbie darauf erkannt, sie war aufgestanden und hingerannt und fragte Nebbie, ob sie ihr helfen könnte. „Ja, ich brauch' meinen Koffer. Ich möchte Carola noch eine Beruhigungsspritze geben, dann soll sie erstmal eine Runde schlafen, damit der Körper die Belastungen der Tetanie verarbeiten kann. Morgen ist sie wieder vollkommen in Ordnung.

Iset lief los, um das Gewünschte zu holen. Inzwischen war das Unvermeidliche passiert: Irgendwie mussten die Leute eine Antenne dafür haben, wenn etwas passiert, denn schon stand um das Boot herum eine Traube von Gaffern, die offenbar Angst hatten, irgendetwas zu verpassen.

Nebbie war etwas ärgerlich darüber, aber sie kannte das Phänomen. Es war offenbar wirklich unvermeidlich und kam in jedem Land vor.

Sie rief: „Leute, sie können hier nichts tun, gehen sie bitte wieder auf ihre Liegen zurück, es ist alles unter Kontrolle, ich bin selbst Ärztin.“

Der Erfolg war, dass einige tatsächlich zurückgingen, andere traten ein paar Schritte zurück und gafften weiter. Nebbie hätte zu gern eine Nebelwand dazwischen gelegt, aber sie beherrschte sich. Carolas Gesicht bekam wieder Farbe und die Krämpfe hatten sich gelöst. „Bleib noch ruhig liegen. Ist dein Zimmer weit von hier?“

„Nein, gleich hier drüben“. „Dann werden wir mal einen vorsichtigen Versuch machen, ob es mit dem Laufen klappt. Urs, du gehst rechts, ich gehe auf die linke Seite. Carola, gib uns die Hände, wir helfen dir hoch.“

Sie war noch etwas wacklig auf den Beinen, aber mit seitlicher Stütze konnte sie gut gehen.

Iset kam mit dem Koffer schon wieder den Weg zum Strand herunter. Nebbie konzentrierte sich auf die „Sternenstein-Kommunikation“ und sendete in Isets Geist: „Wir sind auf dem Weg zu Carolas Zimmer, komm bitte mit dem Koffer auch dorthin, ja?“

So trafen sie sich vor Carolas Tür, …. aber wie jetzt hineinkommen? Die Tür war zu, Carola hatte sich unten an der Basis umgezogen und der Schlüssel war dort, bei ihren Sachen.

„Wir haben zwei Möglichkeiten“ sagte Urs. „Entweder, wir finden hier eine Putzfrau, die uns öffnet, oder jemand muss den Schlüssel holen. Carola, welches war deine Kiste?“

„Ich hatte 'ne blaue, linke Reihe, ungefähr Mitte“

„Was hattest du an? Beschreib mal, damit wir die richtige Kiste finden.“

„Rotes -T-Shirt, dunkelblaue Shorts, Gummi-Flipflops auch dunkelblau.!“

Iset warf ein „Die Kleine muss doch dort unten sein, sie kann die Kiste suchen!“

Iset rief ihre Tochter, die tatsächlich in Beats Zimmer die Medizinbücher auswendig lernte. „Du Iset, wir hatten hier ein Problem mit der Carola. Wir sind hier oben mit ihr vor ihrem Zimmer, aber ihre Sachen sind in der Basis in einer Blauen Kiste. Ein rotes T-Shirt, Blaue Shorts, Blaue Flip-Flops müssten dabei sein, bringst du uns die her?“

„Ich geh schon.“

Zum Glück war Beat gerade in der Basis, so dass Iset von unnötigen Rückfragen verschont wurde. Beat hatte sofort erfasst, um was es ging und sie hatten dann auch gleich die richtige Kiste gefunden, mit der Iset dann loslief. Von Unterwegs kontrollierte sie noch einmal, o sie auch in der richtigen Richtung unterwegs war, da sah sie auch schon die kleine Gruppe vor dem Zimmer.

„Danke Iset. Carola hatte eine Hyperventilationstetanie. Wir müssen sie ins Bett bringen und sedieren, dann ist sie morgen wieder fit.“ Nebbie sprach mit der Kleinen in medizinischen Fach-Termini, als ob sie mit einer Kollegin spräche, aber Iset nahm alles wie selbstverständlich und nickte und fragte zurück: „Gibst du ihr zehn Milligramm Valium i.V.?“

Nebbie antwortete: „genau das hab ich vor.“

„Ich könnte es ohne Medikament machen. Ich würde ihr einfach 'nen kleinen GABA-Schub geben, direkt an der Synapse.“

„Du setzt mich mal wieder in Erstaunen, Iset. Im Prinzip ginge das, aber lass uns mal lieber bei der bewährten Methode bleiben. Das GABA am Rezeptor wirkt nicht lange genug, denke ich. Wir müssen die Halbwertszeit berücksichtigen, und da sind die Benzodiazepine einfach Mittel der Wahl.“

„Prima, Tante Nebbie, jetzt hab ichs verstanden, ich dachte, ohne Medikament ist immer besser, aber das hast du gut erklärt.“

Nebbie brachte Carola ins Bett und setzte ihr die Spritze. Es dauerte auch nicht lange, da war sie eingeschlafen.

Mutter Iset stand ziemlich fassungslos daneben und musste aufpassen, dass ihr nicht der Mund offen stehen blieb bei dem was die Kleine da so selbstverständlich von sich gab.. Urs staunte auch, obwohl er die entsprechenden Kenntnisse ja hatte, aber gerade von der kleinen Iset hätte er das alles am Wenigsten erwartet. „Sag mal“ warf er ein „Woher weißt du das jetzt alles? Ich habe jahrelang studiert, um das zu lernen!“

„Beat hat mir heute mal seinen Medizinbücher überlassen. Ich habe sie alle gelesen und alles gespeichert. Ich könnte mit euch zusammen ins Examen gehen, das wär' doch lustig, oder?“

Urs meinte trocken: „Der anschließende Presserummel wäre bestimmt lustig. Du wirst deines Lebens nicht mehr froh, wenn du von da an ständig Bildreporter um dich hast, die das Wunderkind sehen und fotografieren wollen. Ich denke, wir lassen es lieber. Du kannst auch im Verborgenen viel Gutes tun.“

„Du hast mich überzeugt, Urs. Aber ich bin doch gar kein Wunderkind, ich bin Iset.“

„Das wird ein Reporter ganz anders sehen. Dem geht es ja nicht um die Sache, sondern um die Sensationsgeschichte. Und solche Leute sind bereit, sogar noch Lügen dazu zu erfinden, um die Story für die Leser noch sensationeller zu machen. Hüte dich vor solchen Leuten. Für eine gute Story gehen die über Leichen oder vernichten Existenzen.“

Mutter Iset schaute Urs dankbar an: „Schön, dass diese Warnung diesmal von dir kommt, Urs, ich predige das schon seit langem. Wir müssen vorsichtig sein, zum Schutz unserer Gemeinschaft.“ und zu ihrer Tochter gewandt fügte sich hinzu: „Wenn jemand in Not ist, helfen wir selbstverständlich, aber es muss einfach diskret sein. Manchmal steht das Wohl der Gemeinschaft höher als ein Einzelschicksal, dann muss das Gewissen entscheiden, auch wenn es schwer fällt. Zum Glück brauchst du solche Entscheidungen noch nicht zu treffen, das macht im Moment Oma, aber irgendwann werden wir beide auch damit konfrontiert. Im Moment freue ich mich für dich über jeden unbeschwerten Tag, den du genießen kannst.“

Urs musste wieder zur Basis zurück und Iset Junior begleitete ihn. Unten angekommen, wurde er sofort mit Fragen bestürmt, zunächst von den anderen Mitgliedern der Tauchgruppe, die er ja alleine gelassen hatte. Alles, was er noch getan hatte, bevor er sich um Carola gekümmert hatte, war das Signal zum Auftauchen zu geben, denn er konnte die andren ja nicht unbeaufsichtigt weitertauchen lassen.

Eine Panikattacke mit Hyperventilation, das war ein ernster Tauchzwischenfall, der in anderen Fällen schon Todesopfer gefordert hatte. Hier war es jetzt Anlass, noch einmal auf die Wichtigkeit der ärztlichen Voruntersuchung hinzuweisen „Gefälligkeitsatteste“ hatten im Tauchsport nichts zu suchen.

So aber waren alle voll des Lobs für die prompte und umsichtige Reaktion „ihres“ Tauchguides. Aber Urs war sich auch darüber im klaren, wie schnell die Leute damit waren, jemanden in der Luft zu zerreißen, wenn der Ausgang nicht so glücklich gewesen wäre. Dabei hätte ihn gar nicht die Schuld getroffen, sondern letztlich die Verantwortung hätte der Arzt gehabt, der die Tauchtauglichkeit bescheinigt hatte, ohne sich wirklich davon zu überzeugen.

Urs seufzte. Noch diese Woche, dann würde dieses Intermezzo vorbei sein und das Examen rief. Was aber viel schlimmer war, war die Trennung von Nebbie. Wie er die überstehen könnte, hatte er keinen Plan. Es zerriss ihm schier das Herz, wenn er daran dachte. Sein Freund Beat, der gerade in der Geräteausgabe herum puzzelte, hatte das gleich Problem. Sie beide würden ihre Geliebten hier lassen müssen und sich um ihr Examen kümmern aber vielleicht konnten sie wenigstens zusammen lernen. Aber was sollte er hier herumgrübeln, Beat war ja hier.

„Du, Beat, wie sollen wir es mit den Examensvorbereitungen machen. Sollen wir uns gegenseitig abfragen?“

„Komm heute abend in meine Bude, Iset will was ausprobieren. Wenn das klappt, dann brauchen wir überhaupt nicht mehr zu lernen!“

„Wie das?“

„Ist dir an Iset, ich meiner der Kleinen, nichts aufgefallen?“

„Allerdings. Offenbar hat sie all deine Medizinbücher auswendig gelernt. Nur, wie sie das, und dann noch in der kurzen Zeit geschafft hat, ist mir ein Rätsel“

„Sie hat eben besondere Fähigkeiten. Und sie will versuchen, ob sie damit auch bei mir helfen kann, wenn wir unsere Energien zusammenschließen.“

„Das wären ja Perspektiven,.... nicht auszudenken!“

Ermittlungen

Niit ging zusammen mit Iset, der Oberpriesterin durch den Garten von Sinwes Anwesen, den man schon fast einen Palast nennen konnte. Oleanderbüsche, Engelstrompeten, die einen schweren Duft verbreitetn, Alraune, Sadebaum-Hecken. Was Iset auffiel, war dass der Garten ausschließlich mit Giftpflanzen bepflanzt war. Schön, aber hochgefährlich.

„Hier könnten Leichen vergraben sein, die Aussagen der Frauen sind zwar nicht belegt, aber stimmen überein. Ich würde ungern den ganzen Garten umgraben lassen, aber vielleicht können wir etwas tiefer in den Boden hineinschauen.“

Iset dachte einen Moment nach: „Ja. Ich würde ungern die Totenruhe stören, die ist mir heilig. Ein Blick mit Magie in den Boden kann aber überhaupt nicht schaden.“

„Du sprichst von Totenruhe, liebe Tante? Ich glaube nicht daran, wenn diese armen Wesen durch schwarze Magie umgekommen sind, dann werden ihre Seelen immer noch keine Ruhe gefunden haben. Dann haben wir geradezu die Verpflichtung, diese Körper einer ordentlichen Bestattung zuzuführen.“

„Du hast recht, Niit. Lass uns unsere Magie verbinden und auf die Suche gehen.“

Beide setzten sich einander gegenüber auf den Boden, fassten sich an den Händen, schlossen die Augen und konzentrierten sich auf ihre Sternensteine. Mittlerweile war ihnen die Verwendung dieser magischen Steine schon so vertraut geworden, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen konnten, wie es ohne sie gewesen war, doch damals war es ja auch gegangen, nur unendlich viel komplizierter. Durch die geschlossenen Lider sahen sie bald das vertraute blaue Abbild der Umgebung, der Zusammenschluss ihrer Energien bewirkte, dass das Bild klarer und heller wurde, als von einer alleine, sie konnten tiefer in den Boden hineinsehen. Aber irgendetwas war anders als sonst heute.

Niit und Iset sahen es beide: Ein orangefarbener Schimmer lag über einem Gebiet des Gartens, wie ein Tuch. Ein Tuch aus schwarzer Magie, unheilvoll glühend vom Höllenfeuer. Es sah ähnlich aus, wie der schwarzmagische Schutzzauber, den Sinwe um das Verlies von Gorum, dem Drachen gelegt hatte. Sie ließen ihre Hände los und schlugen die Augen auf. Das Stück Garten, das eben noch orangerot geglüht hatte, erstrahlte jetzt wieder im unschuldigen Grün der Pflanzen. Nun wussten sie zumindest, worauf sie ihre Suche konzentrieren mussten.

Iset warnte Niit: „Das hier muss nicht heißen, dass wir die Gräber der Frauen finden werden, es kann uns auch eine böse Überraschung erwarten. Vielleicht ein Zugang zur Unterwelt, der durch magische Rituale geöffnet und verschlossen wird. Wenn wir den Schutz einfach so entfernen, könnte es sein, dass die Dämonen der Unterwelt freien Zutritt zu uns bekommen. Das dürfen wir nicht riskieren!“

„Und was schlägst du vor, Tante? Du bist die stärkste Magierin hier, ich verlasse mich ganz auf dein Urteil!“

„Wir müssen einen unserer stärksten Schutzzauber wirken und über das Ganze legen, dann erst können wir darangehen, die schwarze Magie aufzulösen, die hier liegt. Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Wir beide sind ungeduldig, aber das Risiko, ungeschützt zu arbeiten, gehe ich nicht ein.“

„Ich werde Sachmet um Beistand bitten“ ergänzte Niit, „Wenn Böses in dieser Größenordnung hier immer noch aktiv ist, brauchen wir ihre Macht und Wildheit.“

„Mhh, ich scheue mich immer davor, Sachmet einzubeziehen, sie ist zwar eine der stärksten, aber sie schießt auch leicht über das Ziel hinaus, Die Verhältnismäßigkeit der Mittel muss im Sinne der Maat immer gewahrt bleiben.“

„Aber Tante Iset! Wie sprechen von schwarzer Magie in gewaltigem Ausmaß, kannst du die denn alleine beherrschen? Ich denke, wir brauchen jede Hilfe, derer wir habhaft werden können!“

„Ja, du hast recht, ich werde auch die Heilige Mutter um Beistand bitten.“

Niit und Iset stellten sich eng zusammen. Iset zeichnete einen Zauberkreis um sie herum auf den Boden und streute Karneolpulver darauf. Es zischte leise und bläulicher Rauch stieg auf. Nun setzten sie sich in diesem Kreis einander gegenüber und aktivierten ihre Sternensteine. Niit begann mit kehliger Stimme einen Singsang in der alten Sprache der Götter. Sie reckte die Arme nach oben und formte die Finger zu Krallen, dann ließ sie sich auf den Boden gleiten und rief die Göttin an: „Heilige Sachmet, Löwenköpfige Herrin der Rache, hier ist deine treue Dienerin und erbittet deinen Beistand. Wir kämpfen gegen das Böse der Unterwelt und fürchten, dass unsere Kräfte nicht reichen, stärke uns!“

Beide Frauen hatten ihre Augen geschlossen und sahen die Welt im Blau der Sternensteine. Durch das Blau hindurch schimmerte drohend das Orange des schwarzmagischen Schirms. Dann änderte sich die Szenerie, das blaue Licht bekam einen weißen Schimmer, wie ein Schleier legte das Licht sich darüber, es wurde heller und konzentrierte sich zu einer Frauengestalt mit dem Kopf einer Löwin. Die Löwin öffnete das Maul und bleckte kurz die furchtbaren Reißzähne, leckte einmal über die Lefzen und das Maul schloss sich wieder. In ihren Köpfen hörten die Frauen eine körperlose weibliche Stimme, die sich gar nicht so wild anhörte wie es das Erscheinungbild des Löwenkopfes vermuten ließ, sondern es war die besorgte liebevolle Stimme einer Mutter.

„Niit, meine Tochter, wenn du mich brauchst, bin ich da. Ihr habt wohl daran getan, einen Schutzkreis um euch zu ziehen, denn ich sehe das Böse. Aber bevor ihr das Böse in die Unterwelt zurücktreibt, müsst ihr es vollständig von dieser Welt mit einem Schirm abtrennen. Ich werde euch dazu meine Kraft zur Verfügung stellen. Vertraut auf mich, ich werde mich jetzt zurückziehen, aber ich bin bei euch, auch wenn ihr mich nicht seht!“

Die Erscheinung der Sachmet verblasste und war schließlich verschwunden, aber anders als bei den Erscheinungen der Göttin, die sie früher gesehen hatten, war die Lichtwolke nicht auseinander geweht, sonder die Gestalt war geblieben und nur einfach unsichtbar geworden, Niit und Iset waren überzeugt davon, dass Sachmet mit all ihre Macht noch präsent war.

Dann erhob Iset ihre Arme und stimmte ihr Gebet an: „Heilige Mutter Iset, Oberste Göttin, hilf uns beim Kampf gegen das Böse!“

Wieder erschien aus dem Blauen Licht heraus die weiße Wolke und die Göttin mit Isets Gesichtszügen sprach zu ihnen: „Meine Töchter, Ich werde da sein und euch Kraft geben, genau wie Sachmet, die ja ein Teil von mir ist. Das Böse darf nicht hier bleiben, das Tor zur Unterwelt, das sich darunter verbirgt, muss endgültig geschlossen werden, das Siegel des Bösen, das darüber liegt, wird nicht mehr lange halten. Meine Kinder, beginnt euer Werk, so wie ich es euch gelehrt habe. Wir, alle Götter, vereint in meiner Präsenz, stehen euch bei.“

Wieder verblasste das Bild ohne sich aufzulösen. Wieder erschien ihnen die Szenerie blau, mit dem unheilvollen orangefarbenen Schein des Höllenfeuers im Hintergrund. Iset öffnete die Augen. Der Garten lag so friedlich da, das Grün so satt, aber da die Sternensteine noch aktiv waren, schimmerte das Blau und das Orange hindurch.

Iset suchte die magischen Utensilien in ihrer Tasche und fand, was sie brauchte: Lapislazulipulver, Blutstein und Karneol. Sie mischte etwas von jeder Sorte in ihrer Handfläche und blies es über den magischen Schutzkreis. Das Pulver verpuffte in einem Feuerblitz, sobald es über den Schutzkreis hinausgeblasen war.. Iset wiederholte die Prozedur in alle vier Himmelsrichtungen. Dann stellte sich Iset mit nach oben gestreckten Händen hin und sprach eine Beschwörungsformel. Blaues Licht sammelte sich um ihre Fingerspitzen und Hände wie Fäden, Zuerst hatte es ausgesehen, als würde Iset diese Lichtfäden abstrahlen, aber es war genau andersherum: sie sammelte Energie aus der Umgebung und verdichtete es zu Fäden von reiner Energie, die sie zu einem blauleuchtenden Energieseil verdrillte. Niit übernahm das Seil aus ihrer Hand und rollte es zusammen, immer länger wurde es, immer größer das Knäuel, das Niit aufwickelte. Niit Griff nach ihrem Bogen; sie zog einen Pfeil aus ihrem Köcher und knüpfte den Energiefaden daran fest. Der Pfeil wurde von ihr auf die Sehne gelegt und über das orangeleuchtende Feld geschossen, wo der Pfeil schließlich stecken blieb. Fünfmal schoß Niit den Pfeil, fünf Punkte rund um das Feld waren jetzt mit Energiefäden versehen. Iset hatte die fünf Enden davon jetzt in ihrer Hand. Sie machte komplizierte Knoten hinein und ließ die Enden los. Nun zeigte sich der Sinn dieser Anordnung: Die Energiefäden verkürzen sich und es war zu einem blau schimmernden Pentagramm geworden, dass das orangefarbene Feld völlig einschloss.

„Das war der Anfang“ sagte Iset, „wir können den Kreis jetzt verlassen. Wir müssen das Energienetz aber noch verstärken indem wir einen Zauberkreis drumherum machen, der die fünf Eckpunkte einschließt.“ Niit nahm das Knäuel mit dem verbliebenen Energiefaden und legte ihn aus, an jedem Eckpunkt wurde ein komplizierter Knoten mit dem Faden des Pentgramms gemacht, der magische Knoten, wie sie ihn nannten. Als der Kreis geschlossen war, nahm Iset das Knäuel in die Hand und warf es in die Höhe, genau über das Pentagramm. Mit einem blauen Blitz löste sich der Faden auf und wurde zu einem Lichtschleier, der sich von oben sanft über das Pentagramm heruntersenkte und es vollkommen bedeckte. Das orangefarbene Licht war verschwunden. Auch mit geschlossenen Augen sahen sie nur noch Blau. „Stufe eins ist geschafft!“ Erleichterung klang aus Isets Seufzer.

Niit aber fragte : „und nun?“

„Nun müssen wir das Siegel den Bösen entfernen und das Höllentor schließen.“

In den Magischen Kreis, von dem aus sie die vorherige Prozedur vollzogen hatten, streute Iset jetzt ein Pentagramm aus dem Pulver der roten Koralle. Sobald die letzte Linie gezogen war, begann das Pulver zu brennen und als das Pentagramm in voller Flamme stand murmelte Iset ihre Beschwörungen. Das blaue Energietuch über dem Feld des Bösen bewegte sich, wie von einem Windstoß geschüttelt, oder als ob etwas darunter war, das hinaus wollte, durch das Blaue Tuch aber daran gehindert wurde. Doch dann legte es sich wieder flach auf den Boden, wie zuvor.

„Das war Stufe zwei: Das Siegel ist entfernt, jetzt lass uns das Tor schließen!“

Iset und Niit begaben sich zu den Ecken des Pentagramms aus blauen Energiefäden. Iset besetzte eine Ecke, Niit die zweite. Iset erhob die Stimme. „Nun helft uns, das Böse zu binden und in die Unterwelt zurück zu verbannen!“ Damit nahmen Iset und Niit die Energiefäden von den Pfeilen und hoben das Pentagramm an. Die anderen Ecken erhoben sich auch, wie von unsichtbarer Hand gehalten. Sie ließen los. Frei schwebend, begann das blau leuchtende Pentagramm sich zu drehen, es zog sich zusammen und sank tiefer, tiefer, durch den Erdboden durch, als ob darunter ein Loch verborgen war, in das die drehende Scheibe nun genau hineinpasste. Immer tiefer verschwand das Blau und zum Schluss blieb Schwärze zurück. „Die Kreaturen der Finsternis sind zurückgedrängt“ sagte Iset, „nun müssen wir das Tor endgültig verschließen.“ Wieder stellte sie sich breitbeinig hin, die Arme nach oben und zog einen Energiefaden aus der Luft. Sie drehte ihn zu einem dicken Seil, das sie um das Loch legte. Sie bildete eine Schlinge und Niit zog an dem einen Ende des Energieseils, Iset an dem anderen. Offenbar widerwillig zog die Schlinge sich zu, denn sie mussten dazu all ihre Kraft aufwenden. Gleichzeitig verengte sich auch das dunkle Loch. Als die Schlinge vollkommen zu war, gab es auch kein Loch mehr. Das Energieseil, das nun nicht mehr benötigt wurde, verschwand einfach, löste sich auf zu einem blauen Schleier, der so wieder in der Luft verschwand, wie er gekommen war.

„Geschaftt!“ keuchte Iset. Niit nickte dazu, war aber noch skepteich: „Hoffentlich dauerhaft!“

„Ja, es ist wirklich vollbracht, das Tor ist geschlossen. Nun lass uns weitersuchen, du kannst doch noch?“

„Lass uns tun, was getan werden muss.“ Niit sammelte ihre Pfeile wieder ein und steckte sie mit entschlossenen Gesichtsausdruck in den Köcher zurück.

Wieder flammten ihre Steine auf und sie suchten den Garten ab. Da war etwas! Ganz in der Nähe des ehemaligen Tors zur Unterwelt sahen sie es, gar nicht mal tief, etwa einen Meter unter der Oberfläche, das waren menschliche Knochen! Niit markierte die Stelle mit einem ihrer Pfeile. Hier würden sie graben, denn es ging um die Identität der Toten und darum, den Toten ein würdiges und angemessenes Begräbnis zu geben, aber auch darum, dass sie Gegenstände von den Toten brauchten, um die Taten Sinwes rekonstruieren zu können

Weitere Skelette fanden sie nicht, so öffneten sie ihre Augen und ließen die Sternensteine verlöschen. Der Garten sah so eigentlich ganz harmlos aus. Dort hinten ein Beet mit Heilpflanzen, hier ein Beet mit bunten Blumen, wenn man einmal von der Tatsache ansah, dass auch die Blumen samt und sonders giftig waren. Die Heilpflanzen waren vorzugsweise solche, die für magische Rituale in Frage kamen. Natürlich hatte Sinwe bei seinem Beruf als Heilpraktiker die Berechtigung, diese Pflanzen zu ziehen, aber bei dem Gedanken, womit er sich sonst beschäftigte, musste sich Iset schütteln vor Abscheu.

Schaufeln hatten sie vorsorglich mitgebracht, aber am Eingang liegen lassen, damit sie bei der Suche nicht behindert würde. Nun war Handarbeit gefragt. Iset und Niit sahen aber keine Alternative, von Dienerinnen konnten sie diese Arbeit nicht machen lassen, denn es ging darum, keine Beweismittel zu zerstören, sie würden also extrem vorsichtig agieren müssen.

Zentimeterweise arbeiteten sie sich nach unten vor, genau wie Archäologen, damit alles, was vielleicht zufällig in der Erde steckte, von ihnen gefunden wurde. Es dauerte dementsprchend lange, bis sie auf die ersten Fundstücke stießen: Halbvermodertes Tuch, eine abgebrochene Steinklinge, Stricke mit dunklen Flecken daran, offenbar Blutreste, die zu Rostflecken oxidiert waren.

Dann waren sie bei den Knochen. Sie holten die Knochen vorsichtig aus der Erde und legten sich an der Oberfläche aus. Es war ein vollständiges Skelett, das konnte man sehen, die Knochen waren alle vorhanden, nichts fehlte. Das Becken war weit, es musste also eine Frau sein.

„Da kommen wir mit unseren normalen Mitteln nicht weiter. Wir werden die Tat mit magischer Hilfe rekonstruieren.“ Iset stellte es nüchtern fest und Niit nickte dazu.

Die Silberschale war in diesem Fall wieder ein unentbehrliches Requisit. Heiliges Wasser gehörte dazu, dann Karneol und Blutsteinpulver in das Wasser hinein.

Iset war die mächtiste Magierin ihrer Welt und deswegen überließ Niit ihr gerne diese Tätigkeit. Aber sie, die sie die Untersuchung leitete, wollte nichts verpassen und beugte sich mit übder die Schale, als Iset die am mutmaßlichen Verbrechen beteiligten Gegenstände in das Wasser tauchte: das blutbefleckte Seil, die Steinklinge, einen Knochen, die Textilreste. Iset rührte um. Der Inhalt der Schale trübte sich und klärte sich dann, und was sie dann sahen, ließ ihnen das Blut gefrieren. Eine junge Frau lag nackt auf dem Rücken am Boden, Arme und Beine weitabgespreizt und an Pflöcke gebunden. Sinwe stand davor und murmelte unheilige Beschwörungen. In der Hand hatte er einen goldenen Dolch mit Steinklinge. Er beugte sich über die Frau, die gellend aufschrie, und stieß ihr das Messer oben in die Brust, schnitt die Brust auf und riss mit einem Griff das noch schlagende Herz aus dem Brustkorb. Blut strömte, auch das Bild in der Schale färbte sich rot und alles verschwand in rotem Nebel.

Niit und Iset schauten sich an. Niit sagte nur: „Ich muss gleich kotzen!“ und setzte sich auf den Boden. Auch Iset war erschüttert.

Als sie wieder sprechen konnte, sagte Niit: „Befragen ist das Eine, Miterleben was völlig anderes. Ich bin völlig fertig... Dieser Scheisskerl!... Der kann was erleben!“

Iset versuchte, sie zu beruhigen: „Denk an die heilige Maat. Wir dürfen uns nicht mit ihm auf eine Stufe begeben, die Maat muss gewahrt bleiben. Wir sprechen recht, nicht Rache!“

„Aber hier verlangt auch die Gerechtigkeit einen Preis. Dazu kommt noch sein Preis, den er für die Verwendung schwarzer Magie zahlt. Dieses Opfer hier, das hing mit dem Siegel zur Unterwelt zusammen und das war schwarze Magie, wie sie schwärzer nicht sein kann.

Tante Iset, bist du übrigens mit der Untersuchung seiner Geschäfte im In- und Ausland schon weitergekommen?“

„Ich habe das an die zuständigen Fachreferate weitergeleitet. Das Bild rundet sich allmählich ab. Wir haben Zugriff zu all seinen Konten. Da sind erhebliche Mittel vorhanden. Ich denke, die werden wir, schon im Sinne von Wiedergutmachung, vereinnahmen. Ich werde dafür sorgen, dass seine Opfer soweit es überhaupt möglich ist, entschädigt werden.“

„Für den seelischen Schaden ist Geld sicher keine Hilfe, aber wir werden auch hier tun, was wir können. Aber für mich ist die Hauptsache, dass wir unsere Gesellschaft vor solchen Subjekten dauerhaft schützen müssen.“

„Deswegen sind wir hier.

„Was mich beunruhigt, ist, dass die Mädels übereinstimmend von mehreren Toten gesprochen haben. Wir müssen nochmal im Haus suchen, vielleicht im Keller, ob dort irgendwo noch was verscharrt ist. Ich bin sicher, dass die Mädchen recht haben. Was wir gefunden haben, war eine Sache, aber eventuell ist da noch etwas mit Perwas zusammen geschehen, da sind wir noch nicht weiter. Fühlst du dich in der Lage, noch mal im Keller zu schauen oder ist die Rückkehr an der Ort deiner Qual zu belastend für dich?“

„Ich werd's schon überstehen, komm einfach, wir gehen hinunter. “

Niit sagte: „Das Haus ist ja von den Wächtern gründlich durchsucht worden. Ich schlage vor, dass wir ganz nach unten gehen und dann versuchen, hinter die Wände und unter die Böden zu schauen, ob wir etwas finden. Ansonsten bleibt uns noch die Option, aus Perwas etwas herauszuholen.“

Iset war unwohl, als sie die steile Treppe in die untersten Verliese herunterstiegen. Ihr Herz klopfte bis zum Hals, aber sie zwang sich zur Ruhe. „Wohl ist mir hier, nicht, Niit, aber wir müssen tun, was getan werden muss, das kann uns niemand abnehmen.“

„Wenn es dich zu sehr belastet, kann ich auch alleine gehen!“

„Nein, zusammen sind wir stärker. Wir müssen unsere Magie verbinden, dann sehen wir weiter hinter die Dinge und tiefer in den Boden:“

Im hintersten Kerker begannen sie. Das blaue Licht flammte auf und systematisch drang ihr Blick durch Mauern und Böden, aber sie fanden hier nichts, was nicht normal war. Ein Raum nach dem Anderen untersuchten sie, einmal fanden sie einen Hohlraum hinter einer Wand, aber der war leer.

Dann waren sie in dem schrecklichen Spiegelkabinett, dem Ort von Isets Folterungen. Das Pentagramm auf dem Boden strahlte in drohendem schwarz und das Muster reflektierte sich in den Wänden hin und her bis in die Unendlichkeit. Niit zitterte: „Hier bekomme auch ich eine Gänsehaut,“ sagte sie. „Aber ich fühle Unheil. Wir müssen hier dem Ziel ganz nah sein.“

Mit geschlossenen Augen, nur im blauen Licht der Sternensteine, sah der Raum völlig anders aus. Er war gar nicht so groß, die Spiegel waren nicht mehr zu sehen, dafür sahen sie durch die Wände in die Nebenräume. Und hier war es: Eine verborgene Falltür, eine schräge Rutsche in ein noch tiefer geleges Verlies oder wie man es nennen mochte. „Grab“ war auch nicht angemessen, auch wenn hier Tote lagen, aber sie waren hineingeworfen worde, wie Abfall. Entsorgt.

Niit entschied: „Wir gehen da nicht rein, das mögen die Wächter tun mit Hilfe von Priesterinnen. Dort sind, soweit ich an Schädeln gezählt habe, mindestens zehn Tote. Und deren Ende jeweils im Bild mitzuerleben, würde ich nicht ertragen. Für das Strafmaß von Sinwe wird es nicht mehr relevant sein, ob er eine mehr oder weniger umgebracht hat, so schrecklich es sich auch anhört. Nur Perwas müssen wir die Beteiligung noch nachweisen, aber das machen wir später, wenn die Toten geborgen sind.“

Urs und Beat hatten Feierabend und die Tauchbasis wurde abgeschlossen. Urs ging mit zu Beats Unterkunft. Die Tür war obben und Iset junior hielt sinnierend ein Buch über Psychiatrie in der Hand. Ihre Miene hellte sich auf, als die beiden Freunde hereinkamen. „Hallo, da sei ihr ja.

Sagt mal, dieses Buch hier,“ und sie hielt das Werk, das sie gerade >gelesen< hatte, hoch, „das ist ja wohl gestampfte Katzenscheiße, hier drin. Das ist voll von Spekulationen und Vermutungen.“

Beat lachte. „Schön formuliert. Der Autor hat geschrieben, was er wusste. Gerade auf diesem Fachgebiet ist vieles Wissen nur empirisch und nicht alles muss auch stimmen. Da gibt’s noch viel zu forschen.“

„Dann ist es ja gut. Ich dachte schon, der Autor würde für sich beanspruchen, die Wahrheit zu kennen.“

„Er glaubt, nahe dran zu sein. Und wir müssen im Examen die verschiedenen Theorien kennen und das Für und Wider begründen können.“

„Und, könnt ihr?“

„So einigermaßen. Mit dem Mut zur Lücke, sozusagen.“

„Sollen wir mal versuchen, ob es mit dem Lesen eines gesamten Buches auf einmal klappt, wenn wir unsere Kräfte bündeln?“

„Das würde ich gerne“ sagte Beat, und Urs schloss sich an: „Das wären phantastische Perspektiven!“

Iset übernahm das Kommando: „Dann bilden wir den berühmten magischen Zirkel. Ihr könnt mit euren Steinen ja schon umgehen. Beat, mit welchem Buch hast du bislang die größten Schwierigkeiten?“

„Pathophysiologie und Mikrobiologie“

„Gut, ich nehme mal die „Mikrobiologie der Anaerobier.“ Nimm bitte das Buch in die Hand und dann aktivieren wir unsere Steine, vereinen unsere Kräfte, und du schaust mit geschlossenen Augen in das Buch und fühlst mit der Flachen Hand, was du spürst. Los geht’s!“

Es dauerte eine Weile, bis alle drei Sternensteine hell blau leuchteten und die Schwingungen aneinander angeglichen waren. Nun vereinigten sich ihre Kräfte. Iset kommandierte: Die Energien vereinigen sich, das Bild wird heller – Beat, das Buch, was sagt es dir? Konzentriere dich auf das Buch, Du siehst alles, was drin steht, auf einmal, hole es dir herein. Du musst die Vorstellung visualisieren, das Wissen strömt in deinen Kopf, wird gespeichert!“

„Nein, es klappt nicht. Ich kann den Inhalt nicht aufnehmen!“

Iset war enttäuscht. „Wir versuchen es nochmal anders. Ich nehme das Buch und lasse euch an meinen Gedanke teilhaben. Dazu sollten wir unsere Geistkörper aber vereinigen. Wäret ihr dazu bereit?“

„Wenn du weisst, was du da tust, machen wir mit.“

„Gut dann also los. Magischer Kreis; Steine aktivieren und angleichen; Geist vom Körper abtrennen, vereinigen. Los geht’s!“

Diesmal klappte es mit dem Angleichen der Steine schon schneller. Iset kommandierte wieder: „Augen schließen, den Blauen Körper vorsichtig aufeinander zu bewegen.“

Sie saßen sich im Kreis gegenüber und sahen mit geschlossenen Augen ihre blau leuchtenden Körper. Das war jetzt die schwierigste Aufgabe: Mit der Kraft der Gedanken die Körper bewegen und dabei die Realkörper still zu halten. Isets Körper schwebte auf die anderen zu, dann schwebte Beats Körper auf Isets zu. Sie trafen zusammen, wurde eins. Dieser gemeinsame Körper leuchtete heller und schwebte auf Urs zu. Urs' Körper löste sich von seinem und ging in dem anderen auf. Sie waren vereinigt, hatten ein Gefühl von unendlicher Verbundenheit, aber auch das von unendlicher Macht. Eigentlich reichte ihnen dieses Gefühl, was konnten sie mehr wünschen? Glück durchströmte sie. Nur Iset hatte ihr Ziel nicht aus den Augen verloren und nahm das Buch in die Hand, überblickte durch die Seiten hindurch den Inhalt und saugte es auf, begriff mit der Flachen Hand fühlend, den Sinn der dahinter steckte und gab alles an die Freunde weiter.

Dann kommandierte sie wieder: Konzentriert euch auf den Stein. Die Energie nimmt ab, wird schwächer, das Licht erlischt, die Verbindung wird getrennt. Der vereinigte Geistkörper fiel auseinander und sie alle drei registrierten mit Bedauern, dass dieses unglaubliche Gefühl der Vereinigung nur noch als Echo in ihnen steckte. Aber sie hatten das sichere Gefühl, das ganze Buch zu beherrschen, der gesamte Inhalt stand ihnen sonnenklar zur Verfügung.

„Boah, ey, das war ja der helle Wahnsinn.“ meinte Urs. „Einerseits schade, dass es nur so klappt, andrerseits möchte ich das Gefühl nicht missen. Ich habe mich gefühlt, als könne ich die Welt verändern.“

„Du wirst es nicht glauben, aber dein Gefühl hat dich nicht getrogen. So zusammen können wir tatsächlich die Welt verändern.“ Iset lächelte. „Aber Magie hat ihren Preis, und deswegen sollten wir es uns gut überlegen. Wenn wir die Welt mit Magie verändern, verändert die Welt auch vielleicht uns. Manchmal kann man Ursachen und Wirkungen nicht mehr trennen. Ein Philosoph hat mal gesagt: Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen!“

Urs staunte „Solche tiefschürfenden Überlegungen hätte ich dir nicht zugetraut, Iset.“

Iset lächelte wieder „Ich bin eben Iset, da gelten andere Maßstäbe nicht mehr.“

„Und du bist ja ganz schön selbstbewusst, Fräulein!“

„Aber doch mit Recht, oder?“

Schon wieder musste sie das letzte Wort haben. Alle lachten.

Der Strand wurde allmählich von Schatten überzogen. Frank war noch einmal zum Abschluss eine Runde Schwimmen, da wendete sich Vanessa an Iset: „Du, wo Frank nicht dabei ist, möchte ich dich was fragen. Es ist mir etwas peinlich, aber ich bin sicher, du hast Verständnis dafür...“

Iset sah sie mit ihren großen schwarzen Augen an und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln: „Na sag schon, mir ist nichts fremd und peinlich, sprich frei heraus.“

„...nun...es ist...ich habe nachgedacht....es ist wegen gestern. Du hast dich da untenrum so schön angefühlt, so weich und zart, da wo bei mir so ein wilder Busch ist. Ich möchte wohl auch so glatt sein. Kannst du mir helfen? Mit 'ner Rasierklinge trau ich mich nicht, ich habe Angst, mich zu verletzen.“

„Das braucht dir doch nun wirklich nicht peinlich zu sein. Ich will eben auf Frank warten, damit er Bescheid weiß, dann werden wir für dich die nötigen Sachen dazu einkaufen. Der Laden vorn im Hotel hat alles. - Bis Frank hier ist kann ich dir die Möglichkeiten mal kurz nennen: Einmal, das Einfachste ist die Rasur. Vorteil: geht schnell, Nachteil: einen Tag später hast du Stoppeln. Und wenn du beim Rasieren nicht aufpasst, kann es Pickel geben, weil Mikroverletzungen entstehen, die sich entzünden. Ich entferne meine Haare mit Wachs. Dabei werden sie mitsamt Wurzel ausgerissen, das ist beim erstenmal aber ziemlich schmerzhaft, dann hält es aber ein bis zwei Wochen vor und die Haare, die dann nachwachsen, sind zart und kratzen nicht, das nächste mal Epilieren tut dann auch nicht mehr so weh. Wenn ich die Wahl hätte, ich würde immer wieder epilieren. Dann gibt es noch eine Methode, bei der die Haare gar nicht mehr nachwachsen, das ist die Zerstörung der Haarwurzel mit Laser, das wird beim Hautarzt gemacht, ist teuer und tut auch weh.

Die Alternative ist also schmerzhaft und weich oder schmerzfrei und kratzig.“

Vanessa kam nicht mehr dazu, zu antworten, weil Frank inzwischen eingetroffen war. Vanessa mochte das Thema in seiner Gegenwart nicht diskutieren, so erklärte Iset: „Du, Frank, Ich gehe mit Vanessa vorn im Laden noch etwas einkaufen, ich soll sie beraten. Geh Du doch schon mal zum Duschen ins Zimmer.“

Iset und Vanessa zogen zusammen los. Vanessa sah Iset dankbar an: „Das ist ganz lieb von dir, dass du mir damit helfen willst. Ich hab den ganzen Tag mit mir gerungen, ob ich dich das fragen darf. Ich habe bei solchen Thema sofort ein schlechtes Gewissen. Das ist doch alles der Bereich der Sünde-“

Iset lachte: „Unsinn. Du armes Kind, was hat man dir nur angetan, in deiner Erziehung. Kein Körperteil des Menschen ist sündig. Sündig sind höchstens die Gedanken. Die Sexualität gehört doch mit zum Schönsten, was uns das Leben zu bieten hat, und man muss schon ganz schön verrückt sein, gerade das für sündig zu erklären. Ich hab dir gestern ja schon etwas dazu gesagt.

Die Moralvorstellungen von deinen weltfremden Pfaffen solltest du schnellstmöglich vergessen, die wollen dir nur ein permanent schlechtes Gewissen einreden, damit sie mehr Macht über dich bekommen. Geh mit deiner Sexualität verantwortungsvoll um, aber genieße sie auch. Und lerne deinen Körper kennen. Dazu gehört auch, dass du die selbst befriedigen lernst.“

„Zeigst du mir das? Ich hab das noch nie gemacht, weil es doch sündig ist.“

„Es ist überhaupt nicht sündig. Du musst doch wissen, worauf dein eigener Körper reagiert, musst die Stellen kennen, wo Streicheln am schönsten ist. Ich werde es dir zeigen.“

„Und mit den Haaren, da möchte ich lieber das, was die Haut ganz zart und glatt macht. Auch wenn es weh tut, Schmerzen kann ich ertragen. In der Klsterschule bin ich so oft geschlagen worden, mit dem Rohrstock und mit Lederriemen, das macht mir nichts aus.“

Iset warf ihr einen verständnislosen Blick zu. „in der Schule wurdest du geschlagen? Warum denn?“

„Ich hatte es ja verdient, haben sie gesagt, ich hätte gesündigt, den Lehrern widersprochen, einmal hatte ich ein zu kurzes Kleid an, ich glaube, manchmal reichte es schon aus, wenn ich gelacht habe, und wenn ich ein schlechtes Wort gesagt hatte, musste ich hinterher noch den Mund mit Seifenwasser ausspülen.“

„Dann wundert mich fast nichts mehr, wenn sie diese verqueren Moralvorstellungen in dich reingeprügelt haben. Du armes Mädchen! Dabei ist das Leben doch so schön und kostbar. Du hast noch so viel Nachholbedarf.“ Ganz spontan nahm Iset sie in den Arm und drückte sie fest an sich, und Vanessa erwiderte die Umarmung, drängte sich richtig an Isets Körper.

„Oh, Iset,“ sagte sie, „wäre ich dir nur schon früher begegnet.“

„Alles im Leben hat seinen Sinn, also wahrscheinlich auch, dass wir jetzt und genau zu diesem Zeitpunkt aufeinander getroffen sind. Echte Zufälle sind selten, oft haben höhere Mächte die Hand dazwischen. Ich glaube an die Güte und Barmherzigkeit der Göttin, die uns zu dir geschickt hat.“

„Bei dir fühle ich mich so wohl und geborgen, wie bei meiner großen Schwester, die ich niemals hatte, aber immer gewünscht habe. Schade, dass du einen Heidin bist.“

Iset lachte: „Schade, dass du das verquere Zeug glaubst, könnte ich auch sagen. Von mir aus kann jeder glauben, was er will, aber er soll dann die anderen bei ihrem Glauben lassen. Aber das Missionieren, den Anderen verbieten zu wollen, auf ihre Façon selig zu werden, das finde ich nicht gut, das war es, was meine Vorfahren aus ihrer Heimat Kemet vertrieben hat, als Kaiser Justinian im Jahr 537 den Iset-Tempel hat schließen lassen und meine Religion verboten hat. Unser heiligster Tempel auf der Insel Philae wurde zwar gerettet und nicht abgerissen, aber um den Preis, dass eine christliche Kirche daraus gemacht wurde. Auch in Köln am Rhein gab es einen Isistempel, auf dessen Grundmauern heute die Kirche St. Ursula steht. Wir vom alten Glauben mussten uns seitdem verstecken, wir sind der Göttin immer treu geblieben, und die Göttin uns. Die Christen haben die Kulte der alten Religion assimiliert, in sich aufgenommen, damit es den Anhängern leichter fiel, überzutreten, Viele der heutigen christlichen Bräuche sind eigentlich die Bräuche der Alten Religion der Göttin, so die Verwendung von Myrrhe und Weihrauch, von Weihwasser, die Prozessionen, die Darstellung von Maria als jungfräuliche Mutter, sogar der heilige Stuhl des Papstes ist von uns.“

Isets Stimme war bitter geworden und sie atmete einmal tief durch. „Nein,“ sage sie, „ich will dich nicht bekehren, aber tu uns bitte nicht so einfach als „Heiden“ ab. Unsere Religion ist sehr, sehr alt und hat sehr tiefe Wurzeln, dein Glaube hingegen enthält eine Sammlung vieler Riten die anderen Völkern genommen wurden.“

Sie waren in der Hotelvorhalle bei den Läden angekommen. Der Ägyptische Juwelenhändler stand vor seinen Laden und begrüßte Iset ehrerbietig. Sie aber gingen zielstrebig zu den Hygieneartikeln.

Iset kaufte Heiß- und Kaltwachsstreifen und eine pflegende Hautcreme. Mit diesen Schätzen versehen, eilten sie in Vanessas Zimmer, und dort gleich ins Bad.

„Vanessa, ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich manchmal etwas bitter reagiere, wenn es um das Christentum geht, das Problem ist, dass die über Toleranz reden und dann das Gegenteil tun. Das soll jetzt aber nicht unser Thema sein, wir sind deinentwegen hier. Lass uns jetzt über dich reden. Zieh dich bitte aus.“

„Oh, Iset, ich geniere mich immer noch. Vielleicht wird es besser, wenn du dich auch ausziehst!“

Iset lächelte: „Gern, wenn es dir hilft.“ und mit wenigen Handgriffen stand sie nackt da.

Vanessa zögerte noch einen Moment, tat es ihr dann nach. Scheu strich sie mit den Fingerspitzen über die seidig-glatte Haut von Isets Intimbereich, die Schamlippen und den Venushügel.

„Ja, genau so möchte ich es auch haben, das fühlt sich einfach wahnsinnig gut an, und des sieht viel schöner aus als mein Busch.“

„Wir müssen den ganzen Bereich zuerst schön reinigen. Bei uns zu hause machen wir das immer gemeinsam und duschen uns gegenseitig ab. Wir machen es so: Jede wäscht die Partnerin oder den Partner, niemand sich selbst. Das macht die Sache immer besonders schön. Der ganze Bereich muss aber schon aus hygienischen Gründen pieksauber sein, denn es kann sonst leicht zu Entzündungen kommen, von elektrischen Epiliergeräten halte ich übrigens für den Intimbereich nichts, weil dort von einer rotierenden Walze die Haare ausgezupft werden, und wenn die Haut dann nicht ganz gut gespannt ist, kann Haut hineingezogen und verletzt werden. Wenn alles gewaschen ist, werden die Haare mit einer Schere vorgeschnitten, und dann kommt das Wachs auf die Stoppeln, mit einem Ruck wird es dort abgezogen. Das ist beim ersten mal recht schmerzhaft, aber du sagst ja, du kannst es wohl aushalten. Bei euch gibt es doch auch das Sprichwort: wer schön sein will, muss leiden, nicht?“

„Ja, das gibt es. Dann lass uns in die Dusche gehen, ich freu mich drauf.“

Iset hätte gerne einen Schwamm gehabt zum Einschämen, aber den hatte Vanessa nicht, also musste sie sich so behelfen. In der reichligen Wolle von Vanessas Muschibehaarung bildete sich aber auch so reichlich Schaum, so dass fürs Einseifen allemal genug da war. Iset war sehr gründlich, und achtete darauf, Vanessas sensible Stellen besonders gut zu verwöhnen, so dass diese vor Lust die Augen schloss und sich dem Genuss voll hingab. Iset verfolgte dabei eine gewisse Strategie, die sie von Nefer-Neferet übernommen hatte: Wenn man richtig geil ist, dann ist das Schmerzemfinden reduziert, es kann dann aus Schmerz sogar Lust werden. Also legte sie es daran, Vanessa ordentlich aufzugeilen. Richtig schön spitz sollte sie sein, am besten kurz vor dem Orgasmus, wenn sie ihr die Haare ausriss. Dies hier war erst der Anfang. Aber zuerst ließ sie sich selbst von Vanessa abseifen und genoss ihrerseits die noch etwas unbeholfenen Berührungen der jungen Frau, die versuchte, das nachzuahmen, was Iset mit ihr selbst getan hatte. Dann wurde der Schaum abgeduscht und sie hüllten einander in Badetücher.

Vanessa hatte -wie sollte es im Urlaub auch anders sein- nur eine kleine Nagelschere dabei, so dass Iset den überschüssigen Busch erstmal damit einkürzen musste. Die Wachsmethode lässt sich eben nur auf Stoppeln anwenden, entweder man rasiert und lässt ein paar Tage wachsen, oder man kürzt mit der Schere. Geduld brachte sie auch mit dem Mini-Gerät schließlich ans Ziel und dann war das Feld vorbereitet. Iset trocknete nochmal mit dem Fön und legte die gebrauchsfertigen Wachsstreifen schon mal zurecht, dann kam die „psychische“ Vorbereitung. Vanessa sollte erregt werden. Iset musste ihr sagen, warum. Vanessa wollte die schmerzhafte Prozedur so schnell wie möglich hinter sich bringen, und sah alles andere nur als lästige Verzögerung an.

„Vanessa, es ist für dich wichtig, dass du dich entspannst und meine Behandlung genießt. Dann wirst du vielleicht kaum Schmerzen verspüren. Lass uns einfach gegenseitig streicheln und mit einem ganz lieben Kuss beginnen.“

Sie gingen hinüber zu Vanessas Bett. Vanessa musste sich auf den Rücken legen, die Beine weit gespreizt und Iset küsste sie, mit vollem Einsatz ihrer Zunge,streichelte gleichzeitig ihre Brüste und knibbelte mit den Fingerspitzen an ihre Brustwarzen, die sich prompt aufrichteten. Dann wanderte ihre Hand zur Spalte, die jetzt nur noch von Stoppeln bedeckt war, Es war schon in komisches Gefühl, in einer Richtung ging das Streicheln ganz leicht und glatt, zurück war praktisch unmöglich durch die Haarborsten, die sich dem entgegenstellten. Aber auch so fand sie natürlich schnell die Lustknospe, um sie zu streicheln und zu reizen. Vanessa wurde feucht zwischen den Beinen. Iset tupfte mit dem Handtuch ab und streichelte weiter, auch sie wartete ungeduldig. Dann erschien ihr der Zeitpunkt richtig: Sie drückte den ersten Streifen fest und riss ihn mit einem Ruck ab. „Aua!“

jaulte Vanessa kurz auf. Iset sagte: „Schon vorbei, als Belohnung bekommst du erstmal wieder einen Kuss!“

Die Prozedur wiederholte sich noch ein paarmal, bis Iset alle Stoppeln herausgerissen hatte.

„Wir sind fertig, Nun, wie schlimm war es?“ fragte Iset

„Nicht so schlimm wie der Rohrstock. Die Schmerzen sind nur kurz, beim Rohrstock ist es die Scham, die Demütigung, die das Ganze so schlimm macht, und es brennt hinterher viel länger. Jetzt freue ich mich auf das Ergebnis.“

„Wir müssen noch eine Pflegecreme auftragen, beim ersten mal können sich die Follikel sonst leicht entzünden. Wenn Du es später wieder machst, wird es immer leichter. Am besten ist die Halawa-Methode, das ist aber nicht so leicht selber zu machen, dazu gehst du am besten in ein Studio. Du brauchst dich nicht zu schämen, dort machen die Frauen das alle. Selbermachen geht am besten mit diesen Streifen. - Aber jetzt komm vor den Spiegel und schau dich an!“

Vanessa musste auf den Bad-Hocker steigen, um das Ergebnis im Spiegel richtig zu bewundern. Sie konnte sich gar nicht daran satt sehen. Dann stieg sie herab und fiel Iset spontan um den Hals und küsste sie: „Danke Iset, das sieht ja soo schön aus.“

„Und es wird sich auch schön anfühlen. Komm, lass es uns gleich ausprobieren!“

Sie gingen wieder auf das Bett und streichelten sich die glatte Haut, die Lippchen entlang, wobei Iset ihre Finger auch in die Innenseite eintauchen ließ und Vanessas Knospe mit einbezog.

„Und noch eins, Vanessa: So schön glatt hier unten, lässt es sich auch wunderbar küssen.“

Sie rutschte an Vanessa heran und küsste ihre die Spalte, ließ die Zunge darin verschwinden und liebkoste ihre Clit mit der Zungenspitze. Vanessa stöhnte vor Lust und reckte ihr das Becken entgegen. Iset tauchte ihr die Zunge, so tief sie konnte in das Loch und reizte gleichzeitig mit der Nasenspitze die Clit. Mit den Händen hatte sie Vanessas Brüste im Griff und knetete diese, zog ihr an den Brustwarzen, knetete weiter. Vanessas Atem ging hektisch, sie hatte die Augen geschlossen und fing an zu zucken. Dann kam sie mit einem leichten Schrei und ein Schwall Liebessaft drang aus ihrer Spalte. Die Möse zuckte, der ganze Unterkörper wand sich unkontrolliert hin und her. Ein seliges Lächeln lag auf ihrem Gesicht, obwohl sie die Augen geschlossen hatte. Iset war zufrieden. Einen eigene Orgasmus hatte sie nicht angestrebt, den wollte sie sich für Frank aufsparen, aber Vanessa aus der Reserve gelockt zu haben, war ihr Belohnung genug.

Vanessa schlug die Augen auf. „Danke, Iset, das war schön.“

„Du hattest dir ja eine kleine Belohnung verdient, weil du so tapfer ausgehalten hast. Aber das Ergebnis war es doch wert, oder?“

„Ja, das sieht noch schöner aus, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich werde mir die Haare unter den Achseln auch so wegmachen. Ich finde, das sieht jetzt --- so viel weiblicher aus. Ich fühle mich so auch viel sauberer.“

„Das ist es, was wir mit „unrein“ meinen. So wird die Harmonie der Körperform nicht gestört. Du bist wirklich schöner geworden, Vanessa. Nun musst du noch ein wenig an deiner Kleidung arbeiten. Zieh dir schöne bunte Sachen an, sei keine graue Maus, du musst dich nicht verstecken, sei dir bewusst: du bist schön!“

Dieses Bewusstsein wird sich in deiner Ausstrahlung und Haltung wiederfinden und ist die eine Hälfte deiner tatsächlichen Schönheit. Wenn du dich dann noch schön zurechtmachst, wirst du zu den attraktivsten Frauen hier im Hotel gehören!“

„Meinst du wirklich? Ich fand mich bisher nie besonders schön.“

„Aber jetzt bist du es. Verhalte dich so, und dann klappt es auch. Denk daran, was meine Tochter gesagt hat: Du kannst viele Freunde haben, es liegt an dir. Und hab keine Angst vor der Begegnung mit Männern. Lass dich von deinen Gefühlen leiten und vergiss die Vorurteile von den Pfaffen deiner Schule. Folge der Stimme deines Herzens, dann wird alles gut.“ In das Wort „Pfaffen“ hatte sie so viel Verachtung hineingelegt, dass es sie schüttelte.

„Und bedenke, dass die Jungfräulichkeit wirklich kein Wert an sich ist, sondern eher der Ausdruck von Unerfahrenheit. Sie könnte sogar zum Hindernis werden, denn auch die körperlich Liebe braucht Erfahrung.“

Iset stand auf und zog sich rasch an. „Ich gehe eben noch in mein Zimmer, dann ist gleich Essenszeit. Wir sehen uns dann.“

„Danke für die vielen guten Ratschläge, Iset. Ich werde über alles nachdenken.

Danke für die tolle Fortsetzung, freue mich schon auf den nächsten Teil! :)

Puh!!!!!

Heftige Ladung, aber absolut Spitze.

Neferkare, du machst uns süchtig

es grüßt der Adriaskipper

Würd dir gern auf deine Nachricht antworten, aber mit fehlen noch 4 Beiträge... wie kann man dir denn helfen?

18 Tage später

Das Urteil

Die Ermittlungen waren abgeschlossen. Perwas hatte die Beteiligung an einigen von Sinwes Ritualmorden gestanden und im Gegenzug dafür die Zusage erhalten, nicht zum Tode verurteilt zu werden. Seine Verhandlung würde aber später stattfinden.

Sinwe wurden insgesamt elf Morde zur Last gelegt, dazu noch etliche „untergeordnete“ Delikte, die für sich alleine aber jeweils schon Kapitalverbrechen darstellten, wie Folter, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Entführung, Menschenhandel. Der wichtigste Punkt aber war sein Umgang mit schwarzer Magie. Dies war das verabscheuungswürdigste Verbrechen überhaupt und dafür gab es keine Entschuldigung oder Milderung.

Heute nun sollte der Tag der Verhandlung sein.

Niit hatte mit ihren persönlichen Vorbereitungen schon um vier Uhr morgens begonnen, sie würde heute vor das Angesicht der Göttin treten, und dazu war die zeremonielle Reinigungsprozedur genau vorgeschrieben. Zuerst wurde sie gebadet und das gesamte Körperhaar sorgfältig entfernt.

Es folgte die „innere Reinigung“, ein Klistier, mit dem der Darminhalt weitestgehend entfernt wurde. Dann badete sie noch einmal im Heiligen See hinter dem Tempel. Ein „See“ im engeren Sinne war es eigentlich nicht, eher ein rechteckiger Teich in der Größe eines normalen Freibads, die Wände und der Boden waren aus Rosengranit. Gespeist wurde das Becken mit Wasser des unterirdischen Nil-Abzweigers, der auch die gesamte Region mit Wasser versorgte. Dreimal tauchte sie in dem Wasser ganz unter, denn es gehörte auch zur Zeremonie, dass der gesamte Körper einschließlich des Kopfes vom Heiligen Wasser gereinigt wurde. Noch prustend stieg sie die Leiter empor und wurde von ihren Dienerinnen sogleich in ein flauschiges Badetuch eingehüllt.

Wenn Niit vor „ihre“ Göttin trat, würde sie von der Göttin speziell für die Verhandlung das Ka der Göttin erhalten, das hieß, dass das, was sie tat, von der Göttin gelenkt und gesagt wurde. Ab dem Zeitpunkt war es mehr, als wenn sie nur in ihrem Namen sprechen würde, nein, sie würde dann wirklich die Göttin sein. Schon bei dieser Vorstellung lief ihr ein Schauer der Ehrfurcht über den Körper. Oder fror sie wirklich? Immerhin war sie völlig nackt, denn nur in diesem Zustand der völligen Reinheit, ohne Kleidung, ohne Haare, ungeschminkt, durfte man der Göttin gegenübertreten.

Gleich, bei den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne würde es soweit sein, dann würde sie, und nur sie allein, vor ihre Göttin treten. Im Moment wartete sie von dem Vorhang, der die Nische vor dem Allerheiligsten abtrennte und der schwärzer war als die schwärzeste Nacht. Kein Schimmer des einfallenden Lichts wurde davon zurückgeworfen, es war, als blickte man in unendliche Tiefen.

Im Hintergrund wurde dumpf eine Trommel geschlagen, ansonsten war es absolut ruhig im Tempel, das dumpfe Getrommel wirkte dadurch besonders unheimlich.

Niit sprach die rituellen Worte, die jeder Begegnung mit der Göttin im Tempel vorausgingen: „Ich bin rein.“ Der Vorhang schwang zur Seite und Niit trat vor. Der Raum war dunkel, bis auf zwei Kerzen, die links und rechts des goldenen Standbilds der Göttin brannten und die mit ihrem Schimmer das Gold richtig zur Geltung brachten. Niit sank auf die Knie, hob die Arme über den Kopf und verneigte sich mit der Stirn bis auf den Boden. Sie verharrte in dieser Stellung einige Minuten lang, bis sie, direkt in ihrem Kopf die erlösenden Worte hörte: „Erhebe dich, meine Tochter, was führt dich hierher?“

Als Niit aufstand, hatte sich das Szenario gewandelt: Die goldene Statue leuchtete jetzt von innen heraus bläulichweiß und auch ihr Sternenstein im Ankh-Anhänger um ihren Hals, begann zu leuchten, obwohl sie sich nicht darauf konzentrierte.

„Heilige Mutter! Heute soll ich in deinem Namen und im Namen der heiligen Maat recht sprechen über Sinwe, den Schwarzmagier. Ich erbitte Eure Führung und Euren Beistand.“

„Meine Tochter! Schließe die Augen und sieh uns an! Wir sind hier und werden dir helfen!“

Niit schloß die Augen, wie befohlen und sah im blauen Licht des Sternensteins die weißleuchtenden

Frauen. Es waren drei Frauen, in langen, enganliegenden Kleidern. Da war Iset, die exakt die gleichen Gesichtszüge trug wie die Oberpriesterin, sie trug die Krone mit dem heiligen Thron. Niit, ihre Namenspatronin, die fast ein Spiegelbild ihrer selbst sein konnte, mit der roten Krone des Landes Misr. Die dritte Frau hatte ähnliche Gesichtszüge, man sah, dass auch sie zur Familie gehörte. Ihre Krone war ein Diadem, geschmückt mit einer großen Feder. Sie war Maat, die Göttin des Gleichgewichts zwischen Gut und Böse und der Gerechtigkeit. Ihre Feder war es, die auf die große Waage der Gerechtigkeit gelegt wurde als Gegengewicht gegen das Gewicht der Sünden. Wogen die Sünden schwerer, dann war der Betreffende zum Ewigen Untergang verdammt und seine Seele wurde von Ammit, der Dämonengöttin der Unterwelt, verschlungen.

„Nun, meine Tochter, knie nieder, konzentriere dich und lass deinen Körper zurück. Komm mit deinem Ka-Körper zu uns hier in die Zwischenwelt!“

Niit kniete nieder und konzentrierte sich auf ihren Sternenstein. Der Schein wurde heller und sie veließ ihren Körper. Sie sah ihn unten knien und sie selbst war nun aus reinem Blau, das was jetzt von ihr agierte, bestand aus reiner Energie, das war ihr Ka-Körper, der nun auf die weißen Gestalten der Göttinnen zuschwebte. Die weiße Niit, die Göttin, streckte beide Hände aus:“Komm, meine Tochter, reich mir deine Hände!“

Scheu streckte Niit ihre blauen Hände nach vorn, sie hatte Angst vor der Berührung. Und dann war es soweit. Die Fingerspitzen berührten sich und sie spürte, wie etwas Fremdes und doch so vertrautes in ihren Körper floss. Ihr war, als ob sie mit reiner Energie aufgeladen wurde. Ihre blaue Farbe wurde heller und heller, bis auch sie schließlich weiß leuchtete, wie die Göttinnen. Inzwischen, Niit wusste nicht, wie es gekommen war, aber die Göttinnen hatten einen Kreis gebildet, fassten sich an den Händen und sie selbst war Bestandteil dieses Kreises. Sie verspürte ein Gefühl von ungeheurer Vertrautheit und Geborgenheit, aber auch von ungeheurer Macht durch ihrem Körper strömen. Sie wollte, das diese Gefühl blieb, sie wäre gerne weiterhin hier geblieben, aber Göttin Niit sagte: „Nun kehre zurück in deinen Körper. Wir haben dir gegeben, was du brauchst. Nun werden wir mit dir und in dir das Urteil sprechen. Wir sind nicht nur bei dir, sondern wir alle sind vereinigt! “

Das Leuchten der Gottheiten verblasste, aber Niit spürte noch die Hände in ihrer Hand und auch das Gefühl war geblieben und im Bewusstsein dieser Vereinigung kehrte sie in ihren knienden Körper zurück.

Als sie die Augen aufschlug, leuchtete die Statue der Göttin wieder im Schein der Kerzen golden, aber es war ihr eigener Körper der jetzt den bläulichweißen Schimmer trug, den die Statue vorhin noch gehabt hatte.

Niit stand auf und ging rückwärts aus dem Allerheiligsten, denn der Göttin, auch wenn es nur die Statue war, wendet man nicht die Kehrseite zu. Kaum war sie draußen, schloss sich der schwarze Vorhang wieder und die Luft war wieder erfüllt von dem hohlen, unheimlichen Trommeln. Niit drehte sich um und ging in den Schminkraum, einen Seitenraum, wo sie bereits von zwei Novizinnen erwartet wurde.

Nun musste alles, was vom Körper sichtbar war, goldfarbig geschminkt werden. Gold, das war das „Fleisch der Götter“ und sie als Verkörperung der Gottheit musste dementsprechend auch so erscheinen. Danach kamen die rituellen Ränder um die Augen, die damit an Ausdruck und Größe gewannen, und zum Schluss wurden die Lippen mit grellem Rot geschminkt.

So vorbereitet, legte sie sich ihr rotes hautenges Kleid an und setzte die Rote Krone des Landes Misr auf den Kopf. „Die Rote“, das war einer der Beinamen ihrer Namenspatronin Niit. Die Rote Krone war die traditionelle Krone der Pharaonen für Unterägypten, und eben das Attribut der Göttin Niit, der Göttin für Wasser, Jagd, Krieg, aber auch einer liebevollen Muttergöttin und Göttin der Webkunst. Die Krone war aus rotem Filz und so geformt, dass sie auch das Haupthaar vollständig bedeckte, das hintere Ende war zu einem nach oben aufragenden Teil verlängert und ein

Golddraht, der in eine Spirale auslief, ragte vom hinteren Teil der Krone nach vorn, schräg, bis zur Höhe des hinteren Fortsatzes.

Der Schimmer der Göttin lag noch immer auf ihrer Haut, als sie, hochaufgerichtet und hoheitsvoll zum Thron schritt. Die Tradition verlangte es, dass sie schon saß, während alle anderen noch draußen warteten. Sie war jetzt die Göttin, und damit war ihr Platz der Thron.

In dem Moment, wo sie ihren Platz eingenommen hatte, veränderte sich das dumpfe Trommelschlagen. Der Rhythmus beschleunigte sich und das helle, schwirrende Klingeln der Sistren gesellte sich dazu. Der Saat wurde geöffnet und die Zuschauer strömten herein, in erster Linie waren es die Priesterinnen und Novizinnen des Iset-Tempels, aber auch die Beamten des Ortes Periset waren darunter.

Niit saß hoheitsvoll steil aufgerichtet auf ihrem Thron, der ja eigentlich ein Gebärstuhl war, aber hier eine rituelle Bedeutung hatte.

Die Unruhe im Saal legte sich, als alle ihren Platz gefunden hatten. Die Hinterwand des Saales war mit Abbildungen des Totengerichts geschmückt: Eine riesige Waage beherrschte das Bild, daneben saß die Göttin Maat. Auf der einen Seite der Waage lag das Herz des Angeklagten, auf der anderen Seite der Waage die Feder, und unterhalb wartete die schreckliche Ammit, eine Dämonengöttin, mit dem Leib eines Nilpferdes, der Mähne eines Löwen, der Schnauze eines Krokodils und den Krallen eines Adlers. Sie würde, sobald die Sünden schwerer wogen als die Feder, sofort den damit Verdammten fressen und sein weiterer Weg ins Jenseits war beendet. Kein Ewiges Leben erwartete ihn mehr, damit war an dieser Stelle Schluss. Eine wahrhaft schreckliche Vorstellung.

Drei laute Paukenschläge unterbrachen das leise Gemurmel, dass in dem Saal inzwischen aufgekommen war. Schlagartig verstummte jedes Gespräch und die Eingangstüren wurde weit aufgerissen. Zwei Wächter führten Sinwe herein, Sinwe hatte seine Hände auf den Rücken gefesselt, damit er keine schwarzmagischen Beschwörungsgesten machen konnte. Direkt vor Niit blieben sie stehen. Sinwe wurde in das kleine geländerartige Achteck gestellt, den traditionellen Stehplatz für den Angeklagten. Die Wächter entfernten die Fesseln und traten jeweils einen Schritt zur Seite.

Es herrschte eine eisige Stille. Man hätte die sprichwörtliche Stecknadel zu Boden fallen hören können. Niits laute, klare Stimme durchbrach die Stille: „Sinwe! Du weisst, warum du hier bist?“

-Schweigen war die Antwort-

Niit wartete einen Moment und fuhr fort: „ Sinwe, Dir werden folgende Verbrechen vorgeworfen:

Mord in mindestens elf Fällen, davon mindestens acht zu schwarzmagischen Zwecken.

Ferner: Freiheitsberaubung, Menschenhandel, Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung, verbotene Ausübung schwarzer Magie.

Was hast du zu deiner Rechtfertigung zu sagen?“

-wieder nur Schweigen -

Niit wartete exakt die gleiche Zeit wie vorher auf die Anwort, und als nichts kam, fuhr sie ungerührt fort: „Diese Taten sind durch Aussagen von Beteiligten und Zeugen einwandfrei belegt und nachgewiesen. Als besonders verwerflich betrachten wir die Ausübung der schwarzen Magie, bei der ein Dämonentor zur Unterwelt geöffnet wurde und das den Dämonen der Unterwelt Zugang zu uns verschafft hätte, wenn es uns nicht gelungen wäre, dieses Tor kurzfristig zu schließen.“

Leises Gemurmel kam im Saal auf, legte sich aber sofort wieder, als Niit weitersprach:

„Die Maat gebietet uns, gegen solche Verbrechen unnachsichtig vorzugehen. Es wäre im Sinne der Maat angemessen, dem Angeklagten genau das zuzufügen, was er seinen Opfern angetan hat, aber die Göttin ist gnädig. Im Namen der Maat ergeht folgendes Urteil:

Der Angeklagte verliert alle Rechte und alle Besitztümer. Seine Besitztümer werden verwendet, die Familien der Opfer angemessen zu entschädigen.

Der Angeklagte verliert das Recht zu Leben. Wenn wir ihn trotzdem jetzt am Leben lassen, dann nur, damit er in der ihm zur Verfügung stehenden Zeitspanne von seiner Schuld abarbeitet. Er wird niemals des Ewigen Lebens nach dem Tod teilhaftig werden, seine Seele ist verdammt.

Damit die Gesellschaft dauerhaft vor seiner schwarzen Magie geschützt ist, werden wir ihm jede weiter Fähigkeit dazu nehmen, genau wie wir ihm auch seine Männlichkeit nehmen werden, denn nie wieder wird er mit einer Frau zusammen sein können.

Den Rest deines elenden Lebens wirst du stumm arbeitend im Steinbruch verbringen.

Dir steht noch ein Schlusswort zu, hast du uns noch etwas zu sagen?“

Sinwe richtete sich auf und sagte: „Da ihr ohnehin mein Urteil schon gefällt habt, hat es ja keinen Zweck, darauf einzugehen. Ich bin ein Diener der Mächte der Unterwelt und die werden mich retten. Kraft meines Amtes als Akoluth des leibhaftigen Satans verfluche ich Euch! Stirb und fahr zur Hölle!“ Er hob die Hand und ein orangefarbener Blitz fuhr auf Niit zu. Was dann kam, hatte er sich aber wohl nicht vorgestellt. Der Blitz prallte an dem blauweißen Schimmer, der über Niits Körper lag, ab und wurde reflektiert, fuhr genau auf Sinwe zurück und traf ihn mitten in die Stirn. Sinwes Augen weiteten sich vor entsetztem Erstaunen, er hatte nicht einmal mehr Zeit zu einem Aufschrei, in stummer Qual brach er zusammen. Er musste offenbar entsetzliche Qualen durchmachen, aber kein Laut drang aus seinem Mund, der Kopf pendelte haltlos hin und her und die Augen rollten, dass man das Weiße sah, der ganze Körper zuckte in Krämpfen, die Beine trugen ihn nicht mehr und er lag wie ein zuckendes Stück Fleisch am Boden.

Niit erhob sich ganz langsam und würdevoll bis sie ganz gerade stand: „Wir sind die Gottheit. Die Mächte der Unterwelt sind gegen uns machtlos. Sinwe, was du uns zugedacht hast, ist auf dich selbst zurückgefallen. Dein Ende hast du selbst gewählt.“

Unter diesen Worten hauchte Sinwe sein Leben aus. Einmal noch bäumte sich sein Körper auf, dann lag er regungslos. Aus dem Loch, das der Blitz ihm in die Stirn gebrannt hatte, stieg eine schwarze Rauchwolke auf, die den orangefarbenen Schimmer des Bösen um sich verbreitete, die sich aber zu einem Nebel verflüchtigte und auflöste.

An das Publikum gerichtet, sagte Niit: „Die Verhandlung ist geschlossen, geht in Frieden, der Segen der Göttin ist mit euch.“

Als alle gegangen waren stieg Niit von dem Podest des Throns herab und verschwand im Schminkraum, wo sie sich auszog und abschminken ließ, es folgte eine Dusche und wieder trat sie vor den Vorhang des Allerheiligsten und mit ihren rituellen Worten „Ich bin rein“ wurde sie eingelassen. Vor dem Standbild der Göttin kniete sie nieder: „Ich danke euch für die Hilfe“

Niit hörte die Stimme ihrer Göttin: „Komm zu uns in die Zwischenwelt!“

Niits Sternenstein wurde heiß auf ihrer Haut, brannte in blauem Feuer und wieder sah sie blauweiß leuchtend die Gottheiten. Göttin Niit war es, die zu ihr sprach: „Meine Tochter. Du hast ein gutes Urteil gefällt, aber gerichtet hat er sich selbst mit seiner eigenen Verblendung und Bosheit. Hier werden wir uns wieder von dir trennen und in die Oberwelt gehen, aber wir werden auf dich und deine Tochter achten. Ich werde auch den Mann schützen, der mit dir zusammen dieses Kind gezeugt hat, das jetzt darauf wartet, geboren zu werden. Ich werde etwas von meinem Ka in dir lassen, es wird dich leiten und dir den richtigen Weg zeigen. Wir, die Gemeinschaft der Götter, vereint in der einen Gottheit, sind mit dir. Nun geh getrost in Frieden.“

Die Gestalten der Göttinnen verschmolzen zuerst zu einer einzigen, die sich dann aber zu einer Wolke auflöste und verwehte. Zurück blieb eine Niit, die den Nachklang der Worte „wir sind mit dir“ noch in ihrem Kopf spürte, wie das Nachdröhnen eines Gongs. Tief in ihrem Inneren spürte sie, dass sich etwas geändert hatte. Sie spürte Macht, aber auch Güte und Liebe, zu ihr gekommen um sie zu beschützen und immer noch präsent. Sie wollte dieses Gefühl festhalten, wollte es weiterwirken lassen und sie spürte den Nachhall des: „Wir sind bei dir“ Da war es ihr klar: Es war wirklich etwas von der Göttin bei ihr geblieben, das sie beschützte. Aber mehr noch- sie war ihrer Göttin ähnlicher geworden, sie hatte etwas von ihr bekommen, das sie leiten würde.

Niit verließ den Raum, draußen im Schminkraum zog sie sich ihr rotes Kleid über und eilte zu Iset

Iset hatte schon auf sie gewartet. „Da bist du ja. Ich war bei der Verurteilung dabei. Das dramatische Ende hat er sich ja wohl selber zuzuschreiben.“

„Trotzdem war ich erschüttert. Es war schrecklich“

„Er war so von Grund auf schlecht, er war dem Bösen so fest verschrieben und verwurzelt, es gab keine andere Lösung. Und lass es dir einen Trost sein, dass er sich selbst das Ende bereitet hat. Du trägst keine Schuld an seinem Tod, obwohl du ihn hättest zum Tode verurteilen können. Deine Seele kann weiterhin ohne den Makel leben, einen Menschen getötet zu haben.“

Iset nahm die blasse Niit in den Arm und drückte sie fest an sich. „Ich danke dir, dass du dies alles für mich getan hast.“

„Wir sind doch eine Familie, und die hält zusammen, komme was wolle.“

„Dass das so ist, macht mich glücklich. Und unsere „Neuen“, Frank und die beiden Jungs, fügen sich auch gut bei uns ein. Seit zweitausend Jahren sind es die ersten Fremden, die in unsere Familie aufgenommen wurden, aber die Göttin hat es so gewollt. Unsere Aufgabe ist es, ihnen das nötige Rüstzeug zu geben, denn die Göttin hat gute Gründe gehabt, sie zu holen. Wir brauchen sie.“

Iset fuhr fort: „Ich habe jetzt Pläne mit euch. Du fliegst mit Nebbie und der Kleinen in die Schweiz. Die Kleine kommt in ein Internat für Hochbegabte und soll dort das, was sie braucht um als „gebildet“ zu gelten, erwerben. Dazu gehört mehr als nur die Anhäufung von Wissen, auch soziales Verhalten, zwischenmenschliche Beziehungen, gutes Benehmen, muss sie lernen. Bei beiden Jungs sollen ihre Examen machen und dann bringt ihr beiden die sofort wieder her, wir brauchen sie hier.

Frank und Iset werden mich hier unterstützen. Der ganze Papierkrieg für eure Reise ist schon veranlasst. Ihr könnt die „Global“ nehmen, dann habt ihr es etwas bequemer. Du fährst jetzt erstmal zu den anderen ins Hotel und sagst ihnen, was Sache ist, und dann fahrt ihr alle zusammen zum Flughafen, Frank und Iset fliegen mit Air Berlin zurück, wenn die Kleine gut untergebracht ist. Übermorgen geht’s los, ich lasse die Dienerinnen alles packen.“

„Tante, du verlierst aber auch gar keine Zeit.“

„Es wird ja nicht besser, wenn man wartet. Und ich kann mir vorstellen, dass du es auch kaum erwarten kannst, Beat wieder in die Arme zu schließen.“

„Du ahnst nicht, wie sehr. Ich kann kaum an etwas anderes denken.“

„Auch das ist von der Göttin so gewollt. Genieße die Zeit mit ihm.“

-*-

Am gleichen Morgen im Hotel schlief Beat noch. Langsam erwachte sein Bewusstsein und er war sich noch nicht schlüssig, ob er die Augen aufschlagen sollte oder lieber noch ein wenig von seiner geliebten Niit träumen, als Niit leibhaftig in den Raum trat. Er hatte nichts gehört, die Tür war nicht bewegt worden. Niit hatte aber doch heute ihre Verhandlung, sie konnte gar nicht hier sein, oder doch? Jetzt erst fiel ihm auf, dass seine Augen geschlossen waren. Er „sah“ Niit mit geschlossenen Augen, so, als wenn sein Sternenstein aktiviert wäre. Da fühlte er auch schon die Wärme des aktivierten Steins an seinem Finger. Aber etwas war trotzdem anders. Es war nicht das Blau des Sternenstein-Lichts, das er kannte, sondern es war viel weißlicher im Farbton. Nur – unzweifelhaft war es Niit, die hier hereingekommen war, in ihrer vollen Schönheit, ohne einen Faden Kleidung am Leib. Sie sprach kein Wort, lächelte nur verfürerisch, beugte sich über ihn, zog ihm die Bettdecke weg und ihr Lächeln wurde zu dem breiten Grinsen, das er so liebte, als sie seine hochaufgerichtete Latte sah.Sie streckte die flachen Hände über seinen Körper, mit der Handfläche nach unten und senkte sie ganz langsam ab, bis ihre Fingersitzen seine Brust gerade eben berührten. Beat fühlte ein sanftes Prickeln auf der Haut, wie leicht elektrisiert. Niit ließ ihre Hände, ganz zart streichelnd, abwärts gleiten. Ein Schauer lief über Beats Körper, dies fühlte sich so unglaublich gut an. Und dort, wo Niits Finger ihn berührt hatte, hinterließen sie ein blauleuchtende Spur, die kurz darauf verblasste und verschwand. Zärtlich wurde Beats ganzer Körper gestreichelt. Er war inzwischen wach, war sich vollkommen sicher, dass es kein Traum war, so real wie diese Berührungen konnte kein Traum sein, aber er hielt die Augen weiterhin geschlossen um den Zauber dieser wundervollen Berührung nicht zu zerstören. Niit arbeitete sich auf sein Lustzentrum zu, umkreiste die Peniswurzel mit den Fingerspitzen, wobei sie leicht mit ihren Fingernägel über die Bauchdecke schabte, das spezielle Kitzeln des Bauchdeckenreflexes war etwas, was Beat ja besonders mochte. Dann beugte sie sich über seinen hochaufgerichteten Ständer und saugte sich die Eichel in den Mund und umspielte ihn mit der Zunge. Beat stöhnte auf vor Lust. Niit entließ den Freudenspender wieder aus ihrem Mund und neigte sich jetzt über Beats Kopf, ganz zart berührten sich ihre Lippen, und auch hier empfand Beat ein elektrisierendes Prickeln.

Er öffnete bereitwillig Lippen und Zähne, als er das tastende Suchen Niits Zungenspitze verspürte und schickte seine Zunge sofort auf einen Gegenbesuch. Nun konnte er seine Hände nicht mehr stillhalten, griff um Niits Körper herum zu ihren traumhaften Hinterbacken und zog sie zu sich heran auf seinen Körper. Dieser Duft, dieser wundervolle , kraftvoll- muskulöse Körper, er war von dem Gefühl wie berauscht und flüsterte: „Niit, ich liebe dich!“ Er bekam keine Antwort. Jetzt erst schlug er die Augen auf. Was, oder wen er da im Arm hielt, fühlte sich an wie Niit, roch wie Niit, schmeckte wie Niit; aber sah trotz seiner geöffneten Augen blauweiß. Er wusste ja, dass im Licht des Sternensteins alles bei geschlossenen Augen blau aussah, aber der Blick durch die Augen zeigte dann alles so, wie es normal auszusehen hatte. Dies hier war anders. Niit hatte weiterhin das Aussehen, wie ihr „Energiekörper“. Beat war verwirrt: „Niit, meine Geliebte, bist du nicht wirklich hier?“

Als Antwort lachte sie leise, wobei Beat nicht unterscheiden konnte, ob das Lachen real war oder nur in seinem Kopf. „Ich bin nicht das, nach was ich mich anfühle, ich bin gekommen, um dir etwas hierzulassen, aber auch in diesem Zustand kann ich dich lieben, und genau das will ich jetzt tun. Sie griff nach unten und drückte Beats Stange in ihre Spalte. „Schließ die Augen und genieße“ flüsterte es, und nun spürte er es ganz deutlich. Er hörte nicht mit den Ohren, sondern die Worte entstanden in seinem Kopf. Beat schloss die Augen und gab sich seiner Lust hin, geführt von Niit, die ihn mit kundigen Bewegungen seinem Höhepunkt langsam, aber unaufhaltsam entgegentrieb. Sie fuhr fort damit, ihn mit Fingerpitzen und -Nägeln zu streicheln, und jede neue Berührung verursachte wieder das elektrisierende Kribbeln, das er jetzt auch an seiner Eichel fühlte und das sich von innen her über seinen ganzen Körper ausbreitete. Er war in einer euphorischen Hochstimmung, dazu kamen noch Niit heiße Küsse, die Zunge, die mit seiner spielte. Seine Hände glitten über ihren Rücken herab, an den Seiten wieder herauf, liebkosten ihre festen Brüste, er verlor sich vollkommen im Gefühl seiner Lust. Dann war es soweit: Mit einem Aufstöhnen pumpte Beat seinen Liebessaft in Niit und er fühlte ihre Reaktion, eine Gänsehaut, das Zucken ihres Körpers im Orgasmus.

Beat konnte nicht sagen, wie lange sie noch so, miteinander vereinigt, gelegen hatten, schließlich siegte die Natur und sein Glied war geschrumpft aus der Spalte geglitten. Was geblieben war, war ein Gefühl tiefen Glücks und die euphorische Hochstimmung. Aber auch so, da sie nicht mehr ineinander steckten, wollte Beat Niit nicht loslassen und küsste sie weiter und sie erwiderte die Küsse. Dann sprach sie: „Beat, ich habe dir meine Liebe geschenkt, und du wirst sie weiterhin mit dir tragen. Ich werde immer bei dir sein und dich bei Tag und Nacht beschützen. Sei deinem Kind ein guter Vater. Ich gehe jetzt wieder zurück in die Oberwelt. Leb wohl, Beat!“

Beat fragte „ Wer oder was bist du wirklich?“

Die Antwort war fast ein Schock, obwohl er es in seinem Innern schon wusste: „Ich bin Niit,die immer war, Niit, die ist und Niit, die immer sein wird.“ Es war nicht Niit, seine menschliche Geliebte, die ihm ihren Energiekörper geschickt hatte, um ihn zu lieben, es war die Göttin selbst, die ihn geliebt hatte und die ihm ein Versprechen hinterlassen hatte.

Das feste Fleisch unter seinen Händen löste sich auf, die blauweiße Gestalt Niits verblasste und löste sich auf zu einer Wolke, die einfach verschwand. Zurück blieb ein Beat, der nicht wusste, ob er traurig oder glücklich sein sollte, traurig, weil sie weg war, glücklich über das, was er gerade erlebt hatte; aber das Kribbeln in seinem Inneren sagte ihm, dass etwas zurückgeblieben war, seine Hochstimmung war nicht verflogen, er spürte noch immer Niits lieben Körper auf seiner Haut. Er blickte sich um. Die Bettdecke lag auf dem Boden, zwischen seinen Beinen war es nass, aber es war nur seine eigene Nässe.

Alles was er erlebt hatte, war offenbar nicht stofflich gewesen, auch wenn es sich so verdammt real angefühlt hatte. Aber er hatte mehr als ein Gefühl, er hatte die Gewissheit, dass das Versprechen Niits galt und dass er die Liebe der Göttin in sich trug. Seinen Teil, seinem Kind ein guter Vater zu sein, wollte er gerne erfüllen, wenn es denn soweit war. Nur wie, hatte er keinen Plan. Aber er machte sich keine Sorgen. Offenbar hatten andere ihre Pläne mit ihm. Nur eines blieb: die Sehnsucht nach seiner Niit, die rund zweihundert Kilometer von ihm entfernt ihre Pflicht erfüllte. Ende der Woche würde er in die Schweiz fliegen und was kam dann? Ein Hauch von Verzweiflung flog ihn an, wie sollte er es so lange ohne Niit ertragen? Aber der Nachhall der Verheißung der Göttin tröstete ihn: „Ich werde immer bei dir sein.“ Und mit dieser Gewissheit startete er in seinen Arbeitstag.

-*-

Urs und Beat hatten nur eine kurze Mittagspause und schlangen gemeinsam ihr Essen hinunter als Iset an ihren Tisch kam: „Ich habe gerade mit Mutter gesprochen. Wir fliegen alle zusammen in die Schweiz, die Kleine kommt dort in ein Internat und Nebbie und Niit werden Euch mit den Examensangelegenheiten helfen. Außerdem werden sie den Nachlass von Sinwe übernehmen, der hatte alles bei der UBS-Bank. Wir fliegen von Theben, die Formalitäten sind schon in Arbeit.“

Beats Herz macht einen Sprung vor Freude, als er das hörte und auch Urs war begeistert. „Ihr habt offenbar unbegrenzte Möglichkeiten,“ meinte er.

„Nicht ganz. Aber es ist schön, wenn man auf gewisse Annehmlichkeiten zurückgreifen kann, wenn man sie braucht. Ihr könnt eure Flüge schon mal absagen, wir haben unseren eigenen Jet.“

Sie hatten aber im Moment keine Zeit, sich um diese Formalien zu kümmern, das würde bis zum Abend warten müssen. Jetzt wurden sie gleich wieder in der Tauchbasis erwartet. Carola stand schon vor der Geräteausgabe und wartete auf sie. Urs ermahnte sie: „Du kannst zwar schnorcheln gehen, aber solltest es sicherheitshalber auch nicht alleine tun. Aber dort: schau mal, die Vanessa, die ist auch alleine hier und will sicher schnorcheln, ihr beiden Hübschen könntet euch doch zusammentun. - Hallo Vanessa! Was hältst du davon, mit der Carola zusammen zum Schnorcheln zu gehen? Dann ist es auch für dich ein wenig unterhaltsamer und Carola hat zur Sicherheit Begleitung. Du weißt doch, dass sie beim Tauchen ein kleines Problem hatte.“

„Ach, du warst das?“ erwiderte Vanessa, „ich war gerade bei Iset, als es passierte. Es geht dir aber wieder gut, ja?“

„Gottseidank, ja. Nebbie ist aber 'ne prima Ärztin, und überhaupt, ich bin so davon angetan, wie lieb alle hier zu mir sind. Niemand hat mich richtig ausgeschimpft, dabei hätte ich es verdient gehabt, ich hätte gar nicht mit Tauchen anfangen dürfen.“

„Mir ist es ähnlich ergangen. Nebbie, Iset und deren ganze Gruppe, ich glaub' sie sind alle eine Familie, haben sich auch alle ganz lieb um mich gekümmert, als ich Hilfe brauchte. Und wenn ich bei ihnen bin, fühle ich mich immer ganz ruhig, entspannt und einfach gut.“

„Nun komm, lass uns zusammen schnorcheln gehen. Beat, gibst du mir mal Flossen und Maske rüber?“ Die beiden Mädchen zogen zusammen ab in Richtung Strand. Vanessa staunte über sich selbst, wie leicht es ihr fiel, mit Carola ein Gespräch anzufangen. Früher hätte sie von sich selbst gar nichts erzählt, nun ging es schon viel besser, sich dem Gegenüber ein wenig zu öffnen.

Sie schwammen eine gute halbe Stunde und kamen dann zusammen aus dem Wasser.

„Komm doch zu uns rüber, Carola. Du bist doch auch alleine, dann ist es nicht so langweilig am Strand.“

„Ich finde es nie langweilig. Man kann immer so schön andere Leute beobachten und so..“

„Ja, aber zu zweit kann man dann noch darüber lästern und klatschen. Das ist doch noch lustiger.“

„Da hast du vollkommen recht. Ich hol' eben meine Strandtasche und komm zu dir.“

Carola war in zwei Minuten zurück und sah Iset, die auf einer Liege lag. „Hallo Nebbie!“ grüßte sie. „Hallo Carola,“ erwiderte Iset, „Auch wenn ich so aussehe, ich bin nicht Nebbie, sondern Iset, ihre Zwillingsschwester. Ich gebe zu, uns kann man wirklich schwer auseinanderhalten. Deswegen tragen wir seit früher Kindheit immer schon unsere Namen um den Hals. Schau her: Dies hier ist der Thron der Iset, daran kannst du mich immer zuverlässig unterscheiden.“

„Das ist doch der Stuhl, den Isis immer auf dem Kopf trägt in den Grabbildern, nicht wahr?“

„Genau. Iset ist der Name der Isis in der alten Sprache. Und ich heiße so.“

„Bist du deswegen als Kind nicht gehänselt worden?“

„Wieso, bei euch wird doch auch kein Mädchen gehänselt, weil es Maria heißt.“

„Nein, ich dachte nur, es ist doch ein sehr altertümlicher Name, so antiquiert und unmodern.“

„Bei uns ist das anders. Der Name ist auch Titel, und ich empfinde es als Ehre, ihn tragen zu dürfen.“

„Wenn du es so siehst. Aber du bist doch Deutsche, oder?“

„Nein.“ Iset lächelte. „Ich bin Ägypterin.“

„Und dann liegst du hier iim Bikini am Strand? Das ist doch für Muslime vollkommen verboten!“

„Ich bin ja auch keine Muslima: Wenn es nach mir ginge, läge ich jetzt nackt am Strand, der Bikini soll nur euer moralisches Empfinden besänftigen.“

„Und ich habe gedacht alle Ägypter seien Moslems, von den paar Kopten mal abgesehen.“

„Im Prinzip hast du recht. Und dann gibt es eben noch uns. Aber das ist auch nur eine Handvoll, auch wenn ich es gern hätte, dass wir mehr wären.“

„Und was seid ihr?“

„Wir sind die vom alten Glauben. Wir waren da, bevor die Christen kamen und danach die Muslime. Wir sind die, die sich nicht haben bekehren lassen, sondern sind unserem Glauben stets treu geblieben. Und die Göttin stand uns immer zur Seite.“

Carola machte große, staunende, runde Augen. „Das finde ich ja spannend. Dann seid ihr 'ne Sekte oder sowas?“

„Nein, eine Sekte ist, schon dem Namen nach, eine Abspaltung einer Hauptreligion. Wir aber sind eine eigene Religion, älter als alle anderen Religionen der Welt. Wir waren schon da, bevor Moses aus Ägypten auszog. Unser Glaube beruht auf der Allmacht der Liebe, und das predigen wir nicht nur, sondern praktizieren es auch. Und das,“ damit schaute sie zu Vanessa hinüber „ ist der Grund, warum Vanessa sich bei uns wohlfühlt. Wir haben sie einfach in unsere Liebe hinein genommen.“

Vanessa erwiderte darauf: „Ja, ich habe von Anfang an gespürt, dass ihr mir freundlich gegenüber gestimmt wart. Und dann hast du mich auch noch gewisse Gefühle gelehrt, von denen ich vorher nur gelernt hatte, dass das Sünde sei. Aber ich glaube dir, du hast recht, es ist keine Sünde. Aber ich muss noch sooo viel lernen. Und, glaube mir, es fällt mir besonderes schwer, das alte, war mir so eingebläut wurde, in Frage zu stellen und eventuell sogar ganz über Bord zu werfen.“

„Ich glaube es dir nicht nur, ich weiß,wie schwer es ist. Aber ihr beide seid noch jung und im besten Alter, die Liebe zu lernen. Wie ich dir schon sagte, Vanessa: auch die körperliche Liebe muss gelernt werden und braucht Erfahrung, glaub mir, die Männer haben es gern, wenn eine Frau nicht herumstümpert, sondern weiß, wo genau sie anfassen, streicheln, lecken oder küssen muss, um ihm größtmögliche Lust zu verschaffen. Es ist doch abartig, wenn Männern zugestanden wird, sich bei Prostituierten ihre Erfahrungen zu holen, aber die Frauen vollkommen unerfahren in ihre erste Beziehung hinein stolpern sollen. Hab ich nicht recht?“

Carola griff das Thema auf. „Alle Achtung, Iset, wie du hier ein solches Tabuthema so freizügig diskutierst. Aber du hast vollkommen recht. Ich war schon immer der Auffassung, dass wir Frauen da benachteiligt sind.“

Iset lächelte. „Wir Frauen sind nicht benachteiligt, wir sind bevorteiligt, es kommt nur auf den Blickwinkel an. Wir sind die, die für den Fortbestand der Menschheit sorgen. Ohne uns keine Kinder. Ohne Kinder keine Zukunft. Das gibt uns die wahre Macht.“

„So hab ich das noch nie gesehen. Ich dachte nur, dass die Männer ihren Spaß haben können, aber wenn wir das Gleiche für uns wollen, werden wir mit dem Kind sitzen gelassen.“

„Wenn du deinen Körper kennenlernst, wirst du die Tage der Empfängnisbereitschaft lernen und dann weißt du, wann der Spaß ohne Folgen möglich ist. Das Wichtigste ist erst mal, dass ihr eure Moralvorstellungen korrigiert und lernt, dass Sexualität nichts mit Sünde zu tun hat.“

„Da bin ich voll auf deiner Linie, Iset,“ sagte Carola „Du spricht mir ganz aus dem Herzen. Aber was die Nacktheit betrifft, bin ich vielleicht doch etwas andere Meinung als du.“

„Inwiefern?“

„Gut, man kann sich gerne nackt sonnen, OK. Aber das Verhüllen des Körpers mit schicken Dessous und mit raffinierter Kleidung kann auch geil sein. Dann kann man einen Mann doch erstmal ein wenig neugierig machen und ihm dann Stückchen für Stückchen die leckeren Sachen präsentieren!“

Nun lachte Iset. „Da hast du recht. Damit habe ich nun keine Erfahrung, weil wir viel nackt sind. Würdest du uns das mal vorführen?“

„Ich weiß nicht recht... das ist doch wie soll ich sagen... etwas recht intimes.“

Iset versuchte, die Peinlichkeit herauszunehmen: „Ich könnte es ja versuchen, wenn du mir die Anleitung gibst. - Ach, weißt du was, wir gehen jetzt zusammen in mein Zimmer, denn ich glaube ich habe das größte. Und da führen wir das vor. Ich bin schon richtig gespannt, wenn ich auch noch was lernen kann. Carola, hast du denn entsprechende Sachen mit?“

„Aber klar doch. Ich hole eben mal eine Tasche voll. Ich glaube, wir habe alle drei so ziemlich die gleiche Figur, dann können wir alle mal probieren. Auf zur Modenschau!“

Carola rannte los und Vanessa sagte schüchtern: „Du, ich hab nur die beutelige Baumwollwäsche, ich kann da leider nicht mithalten.“

Iset sah sie liebevoll an: „Aber du kannst was lernen. Zuerst mal, dass es nicht peinlich ist, sich vor anderen auszuziehen und zu zeigen, und vielleicht sogar Spaß daran zu haben. Es ist doch schön, wenn man einen schönen Körper hat, so wie du, und den dann auch zeigt. Nimm es als Übungsstunde.“

Carola war schnell wieder das, sie hatte eine ganze Reisetasche vollgestopft, so gingen sie gemeinsam in Isets Suite.

Kaum waren sie drinnen, zog Iset sich den Bikini aus. Carola staunte über ihre glatte Spalte. „Donnerwetter, bist du da glatt, darf ich mal fühlen?“ Iset nickte „Klar doch, tu dir keinen Zwang an!“

Scheu tastete Carola über die samtweiche Haut. „Bei mir fühlt sich das immer viel stoppeliger an“

Sie zog ihren Bikini auch aus und zeigte, wie sie rasiert war. Auch sie hatte Ihre Spalte vollkommen rasiert, aber ein kleines, sorgfältig gestutztes Haardreieck oberhalb stehen lassen. Dort wo sie rasiert war, waren aber etliche Haarbälge entzündet und etwas picklig.

„Das ist der Unterschied zur Enthaarung. Vanessa, komm, schau dir den Unterschied genau an. Carola, wir zupfen uns die Haare mit Wachsstreifen aus, da geht auch die Haarwurzel mit raus und das Haar wächst nur ganz zart und flaumig nach. Den Unterschied kannst du fühlen. Nur das erste mal ist recht schmerzhaft. Bei Vanessa haben wir es gerade erst gemacht.“

Carola war begeistert. „Das muss ich unbedingt auch machen. Das Ergebnis vom Rasieren hat mich nie überzeugt. So glatt möchte ich es auch haben, auch wenns ein bisschen weh tut.“

„Dann musst du ein paar Tage warten, damit die Haare lang genug sind, dass das Wachs daran kleben bleibt, dann kannst du sie erst ausrupfen. Jetzt geht’s noch gar nicht.“

„schade, aber nicht zu ändern. Wie lange muss ich warten?“

„Drei bis vier Tage. Aber jetzt zur Modenschau. Zeigst Du mal, wie man das macht, mit dem Ausziehen?“

„Dann muss ich mich erstmal anziehen.“

„Dürfen wir dabei bleiben, oder möchtest du es nebenan tun, wegen der Überraschung, meine ich?“

„Nee, das machen wir hier zusammen.“ Carola war inzwischen Feuer und Flamme und Vanessa schaute auch höchst interessiert, dem Anschein nach hatte der unbefangene Umgang mit dem Thema sie alle Peinlichkeit vergessen lassen.

Schau mal, was ich mitgebracht habe: Halterlose Strümpfe, dann Strümpfe für Strapse, das ist etwas, was viele Männer gerne sehen, ich persönlich finde Strapse nicht so toll. Dann hier ein Stringtanga, Spitzenunterwäsche, eine Büstenhebe, BH mit und ohne Pushup, durchsichtiges Hemdchen.

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