Steffi und Andrea waren als letzte gegangen. Ich war mit ihnen nach unten gegangen und hatte die Haustür abgeschlossen. Jetzt kam ich wieder in meine kleine Wohnung. Picobello sah es hier wieder aus. Meine Freundinnen hatten mir geholfen, die Spuren meiner kleinen Geburtstagsfeier zu tilgen. Die letzte Spülmaschine lief und ich ließ mich, doch etwas müde geworden, auf meinen Lieblingssessel fallen. Nach einem kurzen Moment des Zögerns, goss ich mir ein letztes Glas Wein ein und nahm nach und nach meine Geschenke vom Sideboard, um sie mir endlich genauer anzusehen.
Dirk und Elke hatte mir das ziemlich teure Parfum meiner Lieblingsserie gekauft. Von Tamara hatte ich das passende Shampoo bekommen und Erik, der Teufel wusste, woher er diese Information hatte, hatte mir die Lotion dazu geschenkt. Thomas, mein Bruder, hatte mir den neuesten Band von Harry Potter verehrt. Er wusste nur zu gut, dass mir die Geschichte dieses Zauberlehrlings ausgesprochen gut gefiel. Von Anni und Diana hatte ich das süße Top bekommen, in das ich mich bei unserem letzten Stadtbummel unsterblich verliebt hatte. Ich hätte es damals sofort mitgenommen, wenn es nicht so sauteuer gewesen wäre. Jetzt hielt ich den Seidenweichen Stoff an meine Wange und genoss diese Berührung. Das Teil war einfach nur toll.
Kurz entschlossen, zog ich meine Bluse aus und schlüpfte in das Top. Vor dem Spiegel im Schlafzimmer drehte und wendete ich mich. Auch ohne größenwahnsinnig zu sein, ich sah wirklich toll darin aus. Mehr den je den Stoff auf meiner Haut genießend, ging ich ins Wohnzimmer zurück und ließ mich erneut in meinen Sessel fallen. Das letzte Geschenk war nur ein Umschlag. Aber was für einer und mit was für einem Inhalt. Für Jil, die beste Freundin, die man haben kann stand auf dem Umschlag. Steffi hatte das geschrieben. Meine Eltern hatte mich auf den prosaischen Namen Juliane taufen lassen, aber ich wurde eigentlich immer nur Juli gerufen. Bis Steffi in mein Leben trat. Das war auf dem Gymnasium. Die hatte mir erklärt, dass mein Name auch Gillian heißen könnte und mich kurzerhand Jil genannt. Und dabei war es dann auch geblieben.
Ich zog die unscheinbare Karte heraus. Es war ein Gutschein für das überaus edle und ziemlich teure Kosmetikinstitut Arianne in der Fußgängerzone. Viel Luxus gönne ich mir wahrlich nicht, aber einmal im Monat genieße ich die äußerst kompetente Gesichtsbehandlung der Kosmetikerin. Und wenn ich es mir ganz besonders gut gehen lassen will, lasse ich mich dort massieren. Das kommt allerdings nicht oft vor, denn diese Massagen sind einfach zu teuer für mich. Jetzt hatten mir meine Freundinnen einen Gutschein für eine Rundumbehandlung geschenkt. Gesicht, Pediküre, Maniküre und eine Massage. Die zwei mussten ganz tief in die Tasche gegriffen haben.
Ich hielt die Augen geschlossen und die Karte in der Hand. Meine Gedanken wanderten zu meinem letzen Besuch zurück. Früher hatte mich immer Alexa, die Chefin massiert. Die letzten beiden Male war es Aaron gewesen. Und das war etwas ganz Besonderes. Aaron war ein noch ziemlich junger Mann von vielleicht 25 Jahren. Er hatte die zartesten und doch kräftigsten Hände, die ich je auf mir gespürt hatte. Nach Massagen von ihm, war ich ein neuer Mensch. Zudem sah er einfach blendend aus. Groß gewachsen, wildes, fast unbändiges Haar, schlanke Hüften und breite Schultern. Er hatte nur einen entscheidenden Fehler. Er war schwul! Ich habe weiß Gott nichts gegen Schwule, aber dass er dazu gehörte, hielt ich für eine ziemliche Verschwendung. Gesagt hatte er es mir nie, aber es galt als ein offenes Geheimnis bei den Kundinnen.
Ein leiser Piepston verkündete, dass die Spülmaschine fertig war. Mit meinem letzten Schluck Wein ging ich in die Küche, schaltete sie ab und öffnete die Tür. Das leere Glas stellte ich auf die Arbeitsfläche und ging ins Bad, um mich fertig zu machen. Wenig später lag ich im Bett und kuschelte mich in meine Decke. Schlafen! Das war das Einzige, was ich jetzt noch wollte. Bald schon war ich eingeschlafen. Tief und traumlos, schlief ich bis in den frühen morgen und wachte erfrischt auf. Ich hatte mir die letzten beiden Tage der Woche freigenommen und ließ es gemütlich angehen.
Vielleicht sollte ich noch etwas zu mir sagen. Dass ich Juliane heiße, aber Jil genannt werde, habe ich schon gesagt. Nach dem Abitur versuchte ich ein Studium der Kunstgeschichte, langweilte mich aber zu Tode. Schließlich gab ich es auf und begann eine Lehre als Modellbauerin. Am Anfang noch angestellt in einem Büro, machte ich mich dann doch irgendwann selbstständig. Mein Arbeitsgebiet sind Architekturmodelle für Wettbewerbe. Es ist ein interessanter Job, der viel Fingerspitzengefühl braucht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Über mein berufliches Leben kann ich mich nicht beklagen, über mein privates schon eher. Gestern bin ich dreißig Jahre alt geworden. Ein Alter, in dem wir Frauen normalerweise eine Familie haben. Ich nicht. Vor fünf Jahren ging meine letzte Beziehung in die Brüche. Peter, ein Architekt aus der Nachbarstadt, hatte den Fehler begangen, sich eine Affäre zuzulegen. Sina, die Sekretärin des Büros, in dem er arbeitete. Sie war eine schnuckelige Maus, das muss ich unumwunden zugeben und sie angelte ihn mit ihren Reizen.
Nach einem handfesten Krach und seinem hoch und heilig gegebenen Versprechen, sie nicht mehr zu treffen, was er übrigens schon am nächsten Tag brach, warf ich ihn hinaus. Jetzt lebt er mit Sina zusammen. Gut, ich kann auf ihn verzichten. Auf was ich nur schwer verzichten konnte, war etwas anderes. Sex! Ich liebe Sex und brauche ihn, wie die Luft zum atmen. Fünf Jahre sind eine lange Zeit und man könnte glauben, dass ich inzwischen wieder einen Partner gefunden habe, aber dem ist nicht so. Sicher, es gibt immer mal wieder einen Mann, der auf kurze Zeit meine Einsamkeit und mein Bett teilt, aber der Richtige war bisher nicht darunter.
Auch Sebastian ist nicht der Richtige für mich. Sebastian will einfach Spaß haben und lebt in den Tag hinein. Es gibt viele Mädchen, die sich ein Bein dafür ausreißen, mit ihm ins Bett zu gehen und er enttäuscht keine. Was soll ich sagen? Hin und wieder treffen wir uns. Wir gehen essen, oder ins Kino und dann....? Ja und dann landen wir im Bett. Es ist immer wieder aufregend, Sex mit Sebastian zu haben, aber es ist leider viel zu selten der Fall,
Also ziehe ich als unbemannter Exot meine Kreise durch das Leben, nasche hin und wieder an den Früchten die am Wegesrand liegen und begnüge mich ansonsten mit solider Hausmannskost. Will heißen, wenn Not an der Frau ist und kein Mann in Sicht, greife ich auf den reichhaltigen Fundus meiner Spielzeugkiste zurück. Es hilft über die einsamsten Momente hinweg, ist aber eben nur ein völlig unzureichender Ersatz. Frau kann so leben, aber es ist kein erstrebenswertes Ziel.
Kommen wir zur Geschichte zurück. Nachdem ich meinen Kaffee getrunken und die Spülmaschine ausgeräumt hatte, verstaute ich meine Geschenke. Das Top zog ich nach dem Duschen gleich an, so gut gefiel es mir. Dann machte sich Langeweile breit. Ich rief bei Steffi an, aber die hatte keine Zeit für mich. Andrea auch nicht. Schließlich las ich eine Weile in meinem neuen Buch. Aber ich war nicht so ganz bei der Sache. Eine Idee kam in mir hoch. Warum nicht heute den Gutschein einlösen? Also rief ich an. Alexa war am Apparat, aber sie hatte keine guten Nachrichten. Der Nachmittag war voll. Das einzige was ich dir anbieten kann, ist eine Massage. Eine Kundin hat abgesagt und Aaron hat jetzt eine Lücke in seinem Plan. Kannst du um 17.00 Uhr hier sein? Ich konnte.
Gegen 16.00 Uhr duschte ich noch einmal, man will ja schließlich sauber auf der Massageliege liegen, und gegen 16.30 Uhr machte ich mich auf den Weg. Pünktlich um 17.00 Uhr lag ich auf der Liege und wartete auf das Erscheinen von Aaron. Der kam auch wenige Minuten später. Er begrüßte mich liebenswürdig wie immer, schaltete den CD-Player ein und trat an das Sideboard. Sofort machte sich der Duft des Massageöls breit. Seine Hände legten sich warm und zart auf meinen Rücken und das Wohlfühlen begann. Fast streichelnd bewegten sich seine Hände über meinen Körper, aber ich wusste, dass dies erst der Anfang war. Bald schon würde er kräftiger zupacken und alle Verspannungen aus mir heraus massieren.
Normalerweise sprach Aaron nicht mit mir, wenn er mich massierte und ich genoss das Schweigen. Doch plötzlich sprach er mich an. Ich habe die Karte gesehen, deinen Gutschein. Du hattest Geburtstag? Ja, gestern! Dann darf ich dir ja noch gratulieren! Danke! Dann schwieg er wieder. Nur seine Hände fuhren über meinen Körper hinweg. Ich fing an zu träumen. Immer wieder nahm Aaron frisches Öl in seine Hände. Er lief um die Liege herum, auf der ich nackt, bis auf das Handtuch auf meinem Po lag. Seine Griffe wurden fester, seine Hände zupackender. Alles wie immer. Ich konnte mich herrlich entspannen.
Wieder ging Aaron zum Sideboard, nahm neues Öl auf und massierte es mir in die Haut. Diesmal an meinen Beinen. Sanft massierte er mich. Erst das linke Bein, dann das rechte Bein. Mit neuem Öl verwöhnte er dann meine Füße in der gleichen Reihenfolge. Das war der kritische Moment, denn ich bin unheimlich kitzelig. Mehr als einmal machte ich mich steif und zuckte zusammen. Doch bald war auch das überstanden. Wieder ging er zum Sideboard um neues Öl aufzunehmen. Seine Hände lagen auf meinem rechten Bein, etwa in Höhe der Kniekehle. Könntest du bitte etwas die Beine öffnen? Ich möchte jetzt deine Oberschenkel massieren! Ich tat es.