Hallo Euch allen!
Hier mal mein erster "Erguss" in diesem Forum... wenn's gefällt gehts weiter :-) Hoffentlich unnötig zu erwähnen, dass das Copyright bei mir liegt und ich darum bitte diese Story nicht ohne mein Einverständnis an anderer Stelle zu veröffentlichen. Danke!
Maren. Ein Urteil mit Folgen.
Die Worte des Richters dröhnten in ihren Ohren. Im Namen des Volkes...... 10 Monate ohne Bewährung.... Betäubt saß Maren auf der harten Bank im Gerichtssaal, die den Angeklagten vorbehalten blieb. Sie spürte das fürsorgliche Tätscheln Ihrer Anwältin, einer ruhigen, gepflegten Dame mit graumelierten Haaren in den Fünfzigern nicht; hörte nicht, wie diese beruhigend auf sie einsprach. Was hatte sie getan? Warum hatte sie das Papier nicht gelesen, das ihr Chef Günther Pflüger, Inhaber und Geschäftsführer der gleichnamigen Wirtschaftsprüferkanzlei, für die sie seit über acht Jahren arbeitete, zur Unterschrift vorgelegen hatte? Sie erinnerte sich, kurz gestutzt zu haben, da Pflüger sie als Prokuristin nicht brauchte, um Papiere zu unterzeichen. Aber sie unterschrieb. Sie unterschrieb ihr Urteil wegen betrügerischer Insolvenzverschleppung und Kreditbetrug selbst.
Obwohl Sie die Kanzlei in- und auswendig kannte, alle Bilanzen seit Jahren über ihren Schreibtisch wanderten, schaffte es Pflüger die wahre Situation vor ihr zu verschleiern. Maren wusste nicht, dass mehrere wichtige Kunden ihre Verträge nicht verlängern wollten, wusste nicht, dass Pflüger in den letzten Monaten sechsstellige Summen abgezogen hatte. Sie wusste nur, dass er nun irgendwo in Südamerika sein Leben genoss, während sie vor den Trümmern ihrer einst viel versprechenden Karriere stand.
Über acht Jahre war es nun her. Sie erinnerte sich genau, wie sie sich auf das Bewerbungsgespräch bei Pflüger vorbereitet hatte. Die Stunden im Badezimmer, die Fahrt mit dem Taxi, das nervöse Auf- und Abgehen vor dem Bürogebäude, weil sie zu früh dran war. Sie wusste damals auch, dass es nicht nur die hervorragenden Zeugnisse waren, die Pflüger beeindruckt hatten. Ihre prächtig auf 170 cm Körpergröße verteilten 60 Kilo, die sie ungemein weiblich, aber dennoch schlank wirken ließen; das aristokratisch-strenge Gesicht, das von einem überraschend einladendem Lächeln ihrer vollen Lippen konterkariert wurde; der Kontrast den ihre helle Haut, die grünen Augen und die tiefschwarzen Haare bildeten, die sie in etwa so trug, wie Uma Thurman in der legendären Pulp-Fiction-Tanzszene. Kurzum: Maren war eine selbstbewusste, ausgesprochen attraktive Frau, die Pflügers Herz und Verstand im Flug eroberte.
Schnell arbeitete sie sich hoch, durfte bald auch Pflügers persönliche Großkunden betreuen, bekam Personalverantwortung und schließlich als vorläufigen Höhepunkt Generalprokura. Und genau das, was sie damals für ihr Meisterstück hielt, flog ihr heute als Bumerang um die Ohren. Nun verstand sie, dass Pflüger ihr die Prokura nur aus diesem einen Grund gegeben hatte: Er brauchte eine Schuldige, eine Mitwisserin, die nichts wissen durfte und der kein Gericht der Welt soviel Naivität und Dummheit glauben würde, als Prokuristin nicht zu wissen was sie unterschrieb.
Er hatte sie in die Falle gelockt und sie saß nun darin fest.
Erst als das Tätscheln ihrer Anwältin von fordernden Händen einer Justizbeamtin abgelöst wurde, kam sie wieder zu sich, arbeitete ihr sonst so wacher Verstand wieder. Sie stand auf. Dabei fiel ihr Blick auf die Besucherränge. Das tränenüberströmte Gesicht ihrer Mutter brachte sie fast um den Verstand. Sie versuchte ein Lächeln. Gestern Abend hatte sie ihr nochmals versichert, dass sie unschuldig war. Nicht kriminell, nur ausgesprochen dämlich, wie ihr Vater meinte. Dieser Einschätzung hatte sie nicht widersprochen. Ihre Anwältin, Frau Dr. Bäumer, war noch optimistisch gewesen... doch nun war es soweit: Maren von Löwitsch, 36 jährige Tochter eines deutschen Diplomaten und einer persischen Sekretärin, die Max von Löwitsch bei seiner damaligen Stelle in der deutschen Botschaft in Teheran kennen- und liebengelernt hatte, stand kurz vor ihrer direkten Überführung in die Justizvollzugsanstalt, oder besser gesagt, ins Gefängnis.
Mit einem aufmunternden Blick verabschiedete sie sich von ihren Eltern. Die Beamtin, die sie eben unsanft zum Aufstehen gedrängt hatte, legte fest die hand um ihren Oberarm und zog sie in Richtung Ausgang; ihre Anwältin raunte ihr noch ein Wir sehen uns morgen zu, bevor Maren mit etwas unsicherem Schritt an der Seite der Beamtin den Saal verließ.
Ein Mannschaftswagen der Polizei lieferte sie etwa 45 Minuten später am Haupteingang eines düster wirkenden Baus aus den Nachkriegsjahren ab, der für die nächsten 10 Monate ihr zuhause sein sollte. Mit fünf anderen Frauen wartete sie in einem engen und stickigen Raum, bis eine Wärterin den Raum betrat. Ladies begann sie mit einer knarzenden, unangenehmen Stimme, die das Befehlen gewohnt schien... Ladies, willkommen kann ich Sie alle nicht heißen, denn jede von Ihnen ist eine Kriminelle, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht hat. Persönlich kann ich auf Ihre Bekanntschaft verzichten, aber es ist mein Job, Ihnen nun den weiteren Ablauf und vor allem die Regeln unseres Hauses zu erklären. Ausufernd erläuterte sie die Regeln, die in einer Kurzfassung auch Fresse halten und parieren hätten lauten können, wie Maren bitter bei sich dachte.