Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die mit der Welt des WWW nicht sehr viel zu tun hat. Wir leben mittlerweile in einer Zeit der totalen Hektik. Wer hat den heute noch Zeit für die kleinen Berührungen des Alltages?
Morgens hektisch und sehr früh aufstehen, damit ja Alle rechtzeitig aus dem Haus kommen. Alles muß rasch und reibungslos gehen, denn der Weg zur Arbeit wird immer zeitaufwendiger. Im Beruf geht es dann weiter. Die Arbeit die in früheren Jahren von drei Leuten erledigt wurde, muß heute (aus Spargründen) von zwei Leuten erledigt werden. Mittagspause - 30 Minuten - Die reichen dann gerade mal, schnell irgendetwas (Nahrung???) einzuwerfen und schon eilt man wieder an seinen Arbeitsplatz. Selbständige haben noch weniger Zeit und noch mehr Streß. Nach Feierabend geht es dann entweder im Stau oder in überfüllten Bussen und Bahnen zurück nach Hause. Dazwischen irgendwo, muß noch schnell etwas eingekauft werden und zu Hause geht es dann weiter. Abendessen, abräumen und dann vor die Glotze oder den PC, weil das ist dann nicht mehr anstrengend, denn jeder ist vom Tagesstreß einfach fertig.
Jetzt Frage ich mich allen Ernstes, wo soll da noch Platz für Berührungen bleiben? Über die Auswirkungen auf das Sexleben will ich lieber nicht nachdenken, denn da bekomme ich das große Gruseln.
Wie war es denn vor etwa 20 oder 25 Jahren?
Man hatte am Arbeitsplatz durchaus Zeit für kleine Gespäche. Es gab Arbeitspausen in denen miteinander gesprochen wurde. Nach Feierabend traf man sich noch mit Arbeitskollegen oder Bekannten, denn die Wege waren kurz und kosteten nicht so viel kostbare Zeit. Die Begrüßung mit Handreichung oder ein kurzes Umarmen bei Leuten die sich näher kannten war an der Tagesordnung. Jeder Kontakt zwischen den Geschlechtern begann mit vorsichtigem Händchenhalten, später dann mit laaaaaaaangen Küssen und kuscheln und danach kam es erst zu anderen Aktivitäten. Da waren Berührungen noch normal und niemand rief sofort: "Sexuelle Belästigung".
Heutzutage muß man ja schon aufpassen, wenn man in der Tram jemanden zufällig (ich meine wirklich zufällig) anstreift. Sofort schreit irgendjemand auf und schon erheben sich die Berührungsparanoiker aus ihren Löchern.
Die innere Sehnsucht nach Berührungen führt heutzutage besonders die jungen Leute in die sozialen Netzwerke. Nur ist dies Vielen nicht bewußt. Aber seien wir mal ehrlich, wie soll ein Großteil der Menschen heutzutage noch engere Kontakte finden? In den eigenen vier Wänden? Geht nicht. Treffpunkte waren früher mal der Arbeitsplatz, der gemeinsame Weg von und zur Arbeit (Schule, Uni, etc). Kaffeehäuser, kleine Veranstaltungen, Sportvereine usw.
Heute haben wir Massenevents. Zigtausend Leute dort und im Endeffekt ist jeder dort für sich alleine, denn das Gedränge und der akustische Pegel lassen keine nennenswerte Kommunikation zu. Die Berührungen die an solchen Orten stattfinden, gehören eher zur unangenehmen Sorte (persönlicher Freiraum wird unterschritten).
Wie soll es denn weitergehen?
Leute nehmt euch einfach mal die Zeit und geht auf Andere zu. Ein Lächeln und ein freundliches "Guten Morgen" zaubert auf die grantigsten Gesichter etwas Sonnenschein. Probiert es mal aus. Morgens in die Tram einsteigen und ein lautes und freundliches "Guten Morgen" rufen. Ihr werdet euch wundern was dann geschieht.
Oder einfach mal jemand der traurig ist, wortlos und kurz in den Arm nehmen. Einem alten Menschen beim einsteigen helfen, indem man ihn nicht wie ein Polizist am Arm packt, sondern ihn bei der Hand nimmt. Den Partner beim Abschied und beim Wiedersehen kurz umarmen und vielleicht sogar ein kleines Küsschen (soll es ja auch in langdauernden Beziehungen noch geben^^) geben. Die Kinder und Haustiere auch miteinbeziehen und mal umarmen.
Leute - wir haben es in der Hand es besser zu machen! Machen wir es einfach